Ärger wegen Lärm und Abfällen: Ein Türsteher für die St.Galler "Tankstell"

NEUSTART ⋅ Drei Wochen lang blieb die Tankstell-Bar geschlossen. Der Grund dafür: Nachbarn störten sich an Lärm und Abfall im Quartier. Heute öffnet die Bar wieder – mit Türsteher und Zutritt ab 21 Jahren.
28. September 2017, 07:38
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

So konnte es nicht mehr weitergehen. Nachbarn der Tankstell-Bar haben sich in den vergangenen Monaten zunehmend an Lärm und Abfall im Quartier gestört. In der Innenstadt wären diese Emissionen wohl unproblematisch gewesen. In einem Wohnquartier wie dem Tschudiwies wurde die Situation aber zur Belastung. Der Trend, der sich in der Tankstell-Bar an der Teufener Strasse abzeichnete, war weder für das Kollektiv, das die Bar betreibt, noch für die Nachbarn zufriedenstellend. Also entschloss sich die Betreibergruppe zu einem radikalen Schritt und schloss die Bar vorübergehend. Das ist knapp drei Wochen her. Heute öffnet die «Tankstell» erstmals wieder ihre Türen. Mit einigen Änderungen soll die Situation, die sich bis Anfang September hochgeschaukelt hatte, wieder beruhigen.

Nicht in der Lage, die Gegend zu durchforsten

Auf Facebook kommuniziert das «Tankstell»-Kollektiv die bevorstehende Wiedereröffnung und geht auch auf die vergangenen Wochen ein. Die Klagen der Nachbarn seien «teilweise gerechtfertigt», heisst es in dem Schreiben. Man sei damit überfordert gewesen, jene zur Vernunft zu bringen, die Müll und Lärm verursacht hätten. «Wir sahen uns nicht in der Lage, während des Barbetriebs das Quartier nach Jugendlichen zu durchforsten und dabei noch deren leere Flaschen wegzuräumen», so das Kollektiv weiter.

Die Anwohner der «Tankstell» hätten an einem runden Tisch mit Gewerbepolizei und Tankstell-Kollektiv zum Ausdruck gebracht, dass sich das Problem in den letzten Monaten verschärft habe. Die Gewerbepolizei habe Forderungen an die Barbetreiber gestellt, diesen kommt das Kollektiv nun nach: Ein Türsteher wird neu am Eingang stehen, der Garten vom Trottoir mit einem Absperrgitter getrennt. Zudem gibt’s neu für Gäste, die den Garten verlassen, einen Becher zum Umschütten. Das Mindestalter wurde auf 21 angehoben. Zu letztem Entscheid habe sich das Kollektiv «nach langer, intensiver Auseinandersetzung» durchgerungen. Immer mehr Jugendliche hätten die Tankstell-Bar für sich entdeckt, sagt Maja Dörig vom Betreiberkollektiv auf Anfrage. Vor allem während der Sommerferien, wenn die Jugendbeiz Talhof oder der Jugendkulturraum Flon geschlossen sind, pilgerten Teenager in die «Tankstell». Das sei mit der Zeit zur Herausforderung geworden, auch weil die jungen Gäste ihre Getränke oft selbst mitgebracht hätten, sagt Dörig.

Im Quartier schon länger ein Thema

Alfred Mallepell, Präsident des Quartiervereins Tschudiwies-Centrum, sagt auf Anfrage, dass die «Tankstell» im Quartier schon länger ein Thema sei. «Wir sind froh darüber, dass eine Lösung gefunden werden konnte.» Vor allem an der Treuackerstrasse seien Anwohner von Lärm und Abfall betroffen gewesen. Der Pausenplatz des ehemaligen Schulhauses Tschudiwies würde schon seit Jahren von Jugendlichen genutzt, wenn es warm sei. «Dieses Problem haben wir nicht erst seit diesem Sommer.»


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