St.Galler Stadtparlament stimmt Klubhaus-Sanierung deutlich zu

ZWISCHENNUTZUNG ⋅ Im Spanischen Klubhaus werden für 1,875 Millionen Franken eine neue Küche eingebaut und die Gebäudesubstanz renoviert. Der Kredit ging im Parlament durch – trotz Widerstands eines Einzelkämpfers.
14. Februar 2018, 20:10
Daniel Wirth
Die Kreditvorlage war gestern Abend im Stadtparlament nahezu unbestritten, zu reden gab sie trotzdem. Die Liegenschaften- und Baukommission (LBK) beantragte dem Rat, der vom Stadtrat beantragte Kredit von 1,825 Millionen sei um 50'000 Franken zu erhöhen, damit ein barrierefreier Zugang zum Restaurant in der ersten Etage und eine Behindertentoilette im Spanischen Klublokal eingebaut werden könne, wie ihr Präsident Clemens Müller ausführte. Der Stadtrat wehrte sich nicht gegen die Erhöhung des Baukredites um diese Summe.
 

Genossenschaft habe Klubhaus vernachlässigt

Peter Olibet sagte namens der SP/Juso/PFG-Fraktion, das Spanische Klubhaus sei baulich in einem schlechten Zustand und die Küche eine Schande. Dafür trage die Stadt nicht die Schuld, sondern die Genossenschaft, die den Unterhalt des 1889 errichteten Gebäudes vor dessen Verkauf im Jahr 2013 vernachlässigt habe.

Der Stadt gehört das Klubhaus seit 2015. Sie kaufte das Gebäude mit der Absicht, das Areal Bahnhof Nord ganzheitlich entwickeln zu können. «Der Stadtrat bittet uns um einen Kredit, um diesen Ort hinter dem Bahnhof in eine neue Zeit zu führen - und doch bleibt alles beim Alten», sagte Olibet. Aber die gut 1,8 Millionen Franken seien es seiner Fraktion wert. Zum einen, weil Geld in Form von Mietzinseinnahmen zurückflössen, zum anderen, weil das Klubhaus ein Ort sei, der Leben ins Areal bringe bis der Kanton entscheide, wie er mit seinem Boden hinter dem Bahnhof verfahren wolle. Für den Verein Hogar Español steigt der Mietzins von gut 50000 auf knapp 90'000 Franken pro Jahr. 

Die Sprecherinnen und Sprecher der anderen Fraktionen befürworteten die Vorlage des Stadtrates, allerdings gab es auch Vorbehalte. Thomas Meyer sagte im Namen der CVP/EVP-Fraktion, der Kredit sei eine Investition in eine Zwischennutzung. Es brauche ein intaktes politische Gedächtnis, wenn es später darum gehe, das Areal Bahnhof Nord zu entwickeln und zu verdichten.
 

Für die Grünen ein «akzeptabler Kompromiss»

Auch für die Fraktion von Grünen und Jungen Grünen sind die insgesamt 1,875 Millionen Franken ein «akzeptabler Kompromiss» für einen begrenzten Zeithorizont, wie Sprecherin Franziska Ryser sagte. Der Stadtrat hat mit dem Hogar Español einen Mietvertrag über zehn Jahre abgeschlossen. Werner Kühne, Sprecher der FDP-Fraktion, sagte, dass ein Abbruchobjekt für knapp zwei Millionen Franken saniert werden soll, sei eigentlich ein «absoluter Wahnsinn». Dennoch sei die Investition ins Klubhaus und die damit verbundene Belebung des Quartiers angebracht und sinnvoll. Denn bei der Entwicklung des Areals tue sich in den nächsten zehn bis 15 Jahren leider nichts; das liege nicht an der Stadt, sondern am Kanton.

Nicht auf der Linie seiner Partei lag der Freisinnige Remo Daguati. Der Geschäftsführer des Hauseigentümervereins (HEV) St.Gallen und Arealentwicklungsspezialist empfahl die Vorlage zur Ablehnung. Was der Stadtrat dem Parlament vorlege, sei unvorteilhaft für die weitere Entwicklung  des Areals Bahnhof Nord. Das Klubhaus niste sich jetzt dauerhaft ins Areal ein. Daguati warf dem Stadtrat vor, er habe dem Verein Hogar Español vieles abgenötigt und schicke diesen auf eine Berg-und-Tal-Fahrt mit ungewissem Ausgang. Das Risiko trage der Steuerzahler.

Baudirektorin Maria Pappa wehrte sich vehement. Der Stadtrat blockiere gar nichts, der Kanton mache nicht vorwärts mit der Arealentwicklung. Und mit dem Verein Hogar Español sei ein Mietzins vereinbart worden, der für diesen tragbar sein. Von Nötigung könne keine Rede sein.

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