St.Gallen hat keine Erklärung für den Rückgang bei den Stadtbus-Fahrgästen

IMMER WENIGER SEIT 2013 ⋅ Die Verkehrsbetriebe verzeichnen seit Jahren immer weniger Fahrgäste. Die neusten Zahlen bestätigen den Negativtrend. Woran das liegt, wissen die Verantwortlichen nicht genau – sie haben aber eine Vermutung.
25. September 2017, 07:37
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

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2013 war die Welt der Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG) noch in Ordnung. Über 27 Millionen Fahrgäste pro Jahr, 75 300 Personen pro Tag nutzten das städtische Busliniennetz. Dann kehrte sich der Trend um, und die Buspassagiere wurden Jahr für Jahr weniger. Die neusten Zahlen von 2016 bestätigen die Abwärtstendenz. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Anzahl Passagiere um rund fünf Prozent zurück.

Zieht man die Zahlen des Spitzenjahrs 2013 zum Vergleich herbei, sieht es noch düsterer aus. Die VBSG haben in drei Jahren über zwei Millionen Fahrgäste jährlich verloren, das sind über 7000 pro Tag. Diese Entwicklung erstaunt, denn im selben Zeitraum blieb der Autoverkehr konstant (Ausgabe vom 15. September). Wo sind all diese ÖV-Nutzer also hin? Und warum sind sie weniger mit den Bussen der VBSG unterwegs?

Die Suche nach Gründen ist schwierig

Eindeutige Antworten auf diese Fragen gebe es bis anhin nicht, sagt Peter Jans, Direktor der Technischen Betriebe, auf Anfrage. «Wir kennen nur die Zahlen der VBSG. Wie es mit anderen ÖV-Anbietern auf Stadtgebiet wie dem Postauto, den Appenzeller Bahnen und dem Regio-Bus aussieht, wissen wir nicht im Detail.» Es sei deshalb schwierig, von den rückläufigen Passagierzahlen der VBSG auf die ÖV-Nutzung zu schliessen. Erst wenn diese Zahlen vorlägen, könne vertieft analysiert werden, worauf die sinkenden Passagierzahlen zurückzuführen seien.

Die Suche nach Gründen für den Rückgang gestalte sich ohnehin sehr schwierig. Ob die Tariferhöhung im Dezember 2012 oder die Zusammenlegung der Zonen 210 und 211 eine Rolle spielten, kann Jans nicht abschliessend beantworten. Für die plausibelste Erklärung hält er, dass die Umgestaltung des Bahnhofplatzes und die damit verbundene zwischenzeitliche Verlegung der Bushaltestellen an die St.-Leonhard-Strasse einen Einfluss auf den Passagierschwund haben könnte. «Wenn VBSG-Busse und Postautos am selben Ort nacheinander halten, nehmen einige Passagiere wahrscheinlich häufiger das Postauto als sonst.» Ob diese These auch wirklich zutreffe, stelle sich dann heraus, wenn die Busse am 2. Oktober wieder auf den Bahnhofplatz zurückkehren. «Wir beobachten die Situation aufmerksam und werden sie auch auswerten, sobald das möglich ist.»

Die Zahlen sollen wieder steigen

Klar ist aber, dass die Entwicklung der Passagierzahlen die Verantwortlichen nicht kaltlässt. «Es ist nicht zuletzt aus betriebswirtschaftlicher Sicht problematisch, wenn die Zahlen von Jahr zu Jahr sinken», sagt Jans. Er ist aber davon überzeugt, dass die Passagierzahlen mittel- bis langfristig auch wieder steigen – und das Niveau des Spitzenjahrs 2013 wieder erreichen. «Das ist unser Ziel, und das ist auch die Prognose.» Der öffentliche Verkehr werde für Städte immer wichtiger, weil der Platz immer knapper werde. Damit die Zahlen wieder steigen, dürfe man aber nicht stehen bleiben. «Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass der öffentliche Verkehr in der Stadt möglichst komfortabel und pünktlich ist.» Die Umsetzung des Agglomerationsprogramms sei dabei eine grosse Stütze.


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