Stadtautobahn bleibt Sorgenkind

VERKEHR ⋅ Auf St.Galler Strassen setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort: Während der Verkehr in der Stadt konstant bleibt, nimmt er auf der Stadtautobahn stetig zu. Das führt zu Engpässen.
15. September 2017, 10:56
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Die Anzahl Fahrzeuge, die jeden Tag auf den Strassen der Stadt unterwegs sind, bleibt konstant. Das geht aus den Verkehrsdaten 2016 hervor, die das städtische Tiefbauamt gestern veröffentlicht hat. Auf den wichtigsten Verkehrsachsen wie der Langgasse, der Teufener Strasse und der Rorschacher Strasse blieb das Verkehrsaufkommen im Vergleich zum Vorjahr entweder unverändert oder nahm sogar leicht ab. Einzig auf der Zürcher Strasse waren 2016 knapp ein Prozent mehr Fahrzeuge unterwegs als im Vorjahr.

Den Verkehr in der Stadt dosieren

Anders sieht es auf der Stadtautobahn SA1 aus. Dort zeigt der Trend in die entgegengesetzte Richtung. Seit dem Kapazitätsausbau 2005 ist beispielsweise die Anzahl Fahrzeuge in der Harzbüchelgalerie um 20 Prozent gewachsen. Allein 2016 ­waren knapp 1000 Fahrzeuge mehr unterwegs als noch im Vorjahr. «Dass die Anzahl Autos auf den städtischen Verkehrsachsen nicht zunimmt, ist in unserem Sinn», sagt Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr beim städtischen Tiefbauamt. «Keine Neuigkeiten sind in diesem Fall gute Neuigkeiten.» Auf Stadtgebiet gebe es bereits «natürliche Dosieranlagen», welche die Anzahl Fahrzeuge pro Stunde zu steuern vermögen. «Am Unteren Graben zum Beispiel bringt man zu Spitzenstunden gar nicht mehr Autos durch, als ohnehin bereits durchfahren. An der Geltenwilenstrasse sehe es ähnlich aus. Als Folge nehmen jedoch die Staus zu.

Es sei aber nicht das Ziel, dass Autofahrer in der Stadt im Stau stehen. «Ideal ist es, wenn sie dort warten, wo es weniger weh tut.» Das heisst: In weniger besiedelten Gebieten, zum Beispiel am Stadtrand. Während auf dem Stadtnetz die durch die Städte­initiative vorgegebenen Ziele also erreicht werden, bereitet Hasler die Entwicklung auf der Stadtautobahn Sorgen. «Irgendwann ist die maximale Kapazität erreicht. Es fehlt nicht viel, und das Fass läuft über.» Anzeichen dafür, dass die Stadtautobahn ihre Kapazitätsgrenze eigentlich bereits überschritten habe, sind gemäss Hasler die steigende Anzahl Unfälle, die auf der Autobahn verursacht werden.
 

Je dichter der Verkehr, desto höher das Unfallrisiko

«Dass die Unfallzahlen dort zunehmen, ist nicht überraschend. Es ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit.» Je dichter der Verkehr, desto höher das Unfallrisiko. Zu Spitzenzeiten fuhren rund 4100 Autos pro Stunde und Richtung durch den Rosenbergtunnel – mehr als ein Fahrzeug pro Sekunde. 2016 haben sich mit 89 Kollisionen zwar 14 Unfälle weniger auf der Stadtautobahn ereignet als im Vorjahr – die Anzahl Unfälle auf dem Stadtnetz ist aber wieder angestiegen: von 366 im Jahr 2015 auf 385. Das heisst: Auf Stadtnetz und SA1 kracht es im Schnitt 1,3 Mal pro Tag.


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