St.Galler Persönlichkeiten erzählen vom Samichlaus

ST.GALLEN ⋅ Am 6. Dezember ist der Nikolaustag. Fünf St.Galler Persönlichkeiten erzählen von ihren Erlebnissen mit dem Samichlaus.
06. Dezember 2017, 09:37

Für die neulich gewählte Stadträtin Sonja Lüthi ist der Samichlaus ein fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit. Schon als Kind wartete sie immer gespannt mit ihren drei jüngeren Brüdern am Fenster auf den bärtigen, älteren Herrn. «Der Samichlaus wusste immer sowohl etwas Positives als auch etwas Negatives über uns, was manchmal doch ein wenig unheimlich war», sagt Lüthi. Letztlich habe es aber doch für jedes Kind ein Säckli mit allerlei Knabbereien gegeben anstelle der Rute. «Familienzeit mit Besuch von Verwandten inklusive Nüssen, Mandarinen und Schokolade – das war der Inbegriff vom Samichlausabend für mich.» Erst, als sie den Schmutzli als verkleideten Nachbarsjungen enttarnte, sei sie der Vorstellung so langsam auf die Schliche gekommen. «Selber war ich später dann auch mal als Schmutzli unterwegs. Es war für mich unglaublich spannend zu sehen, was für verschiedene Stimmungen während des Abends bei den Leuten herrschen», sagt Lüthi. Jede Familie habe ihre eigenen kleinen Traditionen und Bräuche mit dem Fest verbunden. Auch bei ihrer eigenen möchte sie die vorweihnachtliche Tradition aufrechterhalten. Ihre Tochter sei mit ihren zwei Jahren aber wohl erst nächstes Jahr soweit. «Mir ist es wichtig, dass mein Kind den Samichlaus klassisch mit Mandarinen und Nüssli erlebt. Die richtigen Geschenke gehören für mich zu Weihnachten.» (kas)


«Mit dem Chlaustag wird die besinnliche Adventszeit eingeläutet.» Die Präsidentin des Stadtparlaments Franziska Ryser erinnert sich sehr gerne an den Samichlaus in ihrer Kindheit. Besonders geblieben ist der Jungen Grünen ein eisig kalter Winterabend im Wald, an dem der Chlaus mit Schmutzli und seinem Esel gekommen ist. «Als Kind sind diese Erlebnisse einfach magisch.» Jedoch verbrachte sie den Chlausabend als Kind meistens nicht zu Hause, sondern im St.Galler Figurentheater. Rysers Vater wirkte dort nämlich jeweils mit und spielte ausgerechnet den Samichlaus. «Die Figur vermochte es, sowohl Kinder als auch Erwachsene in ihren Bann zu ziehen», sagt Franziska Ryser. Das sei sehr faszinierend gewesen. Auch wenn sie wusste, dass es sich um einen mythischen Brauch handelte und der Samichlaus nicht echt war. Das findet Ryser aber überhaupt nicht schlimm, viel wichtiger sei ja der Inhalt der Geschichte «Traditionen leben von dem, was wir daraus machen.» In den letzten Jahren habe sie St.Nikolaus nicht mehr bewusst zelebriert, sagt Ryser. Dies liege unter anderem an ihrem Arbeitsalltag. «Da kann es halt schon vorkommen, dass gewisse Dinge untergehen.» Heute wird sie den Abend höchst wahrscheinlich bewusster erleben. Auf alle Fälle sportlicher: Sie wird am Chlaussprint des Turnvereins St.Gallen-Ost mitrennen. Darauf freue sie sich sehr. (ldr)


Vollbärtig und mit Schmutzli im Schlepptau: Der Samichlaus (Beat Rütsche) sieht den 6. Dezember natürlich von seiner eigenen Warte aus. Er schaut nach, welche Kinder brav waren und welche noch an sich arbeiten müssen. «In der Regel steht man uns natürlich wohlwollend gegenüber.» Kinderzeichnungen oder Gebäck, wie zum Beispiel Grittibänz, wird dem Samichlaus oft geschenkt. «Wir haben auch schon uns selber in gebackener Form zum Essen vorgesetzt bekommen.» Einige Besuche seien ihm besonders in Erinnerung geblieben: «Als ich mal eine Gruppe von Kindern besucht habe, meinte eine Zweijährige stolz in die Runde «I kei Angscht ha!» und ist bis auf ein paar Schritte an mich herangekommen. Zuletzt hat sie aber doch einen Rückzieher gemacht. Dieses Szenario hat sich dann drei Mal wiederholt», sagt der Samichlaus schmunzelnd. Besonders imponiert habe ihm auch der Besuch bei einer sehr musikalischen Familie: «Ein vierjähriger Bub hat mir dort voller Inbrunst Weihnachtslieder auf seiner Trompete vorgespielt.» Bei unartigen Kindern verteilt der Samichlaus natürlich auch Schimpfe. «Einmal habe ich ein Kind ermahnt, die Katze der Familie nicht mehr ständig am Schwanz durch die Wohnung zu ziehen.» Und diese Ermahnung vom Samichlaus dürfte wahrscheinlich länger wirken, als wenn sie von den Eltern ausgesprochen wird. (kas)


«Ich bekam den Nikolaus als kleines Kind nie zu Gesicht», sagt Marcus Schäfer, Schauspieler am Theater St.Gallen. Denn in Deutschland, wo Schäfer geboren wurde, unterscheidet sich der Brauch deutlich vom Schweizer Samichlaus. «Am Vorabend stellen die Kinder in Deutschland ihre geputzten Stiefel oder Schuhe vor die Tür oder ins Fenster.» Dies, damit der Heilige sie auf seinem Weg durch die Nacht mit Nüssen, Schokolade oder Guezli füllen kann. Schäfer erinnert sich, dass er als Kind manchmal befürchtete, nichts zu kriegen, als er die Schuhe mal nicht geputzt hatte. «Natürlich kam er trotzdem vorbei.» Auch seinen Kindern gab er die Tradition weiter. «Wir haben den Brauch auch hier in St.Gallen beibehalten und weitergeführt», sagt Marcus Schäfer. Das habe manchmal zu sehr witzigen Situationen geführt. So hätten die Kinder immer versucht, den Nikolaus beim Bringen der Geschenke zu ertappen. Einmal haben sie sogar eine Aufnahmefalle gelegt, sagt Schäfer. Ziel sei es gewesen, mit Hilfe eines Audiogeräts die Stimme von Nikolaus aufzunehmen. «Nachts, als die Kinder bereits im Bett waren, habe ich in das Gerät reingeredet und so getan, als sei ich Sankt Nikolaus.» Das sei aber nicht sehr überzeugend gewesen, sagt Schäfer und lacht. Inzwischen seien seine Kinder aber gross genug, daher kommt der Nikolaus nicht mehr bei der Familie Schäfer vorbei. (ldr)


Als der Schützengarten-Wirt Köbi Nett noch ein kleiner Junge war, übernahm sein Vater die Rolle des Samichlaus. «Er war es so lange, bis mein älterer Bruder gemerkt hat, wer sich unter Mantel und Bart verbarg», sagt Köbi Nett. Es sei eben schon auffällig gewesen, dass er praktisch alles wusste. Jedes Mal hätten die Kinder Sprüchli auswendig gelernt und vorgesagt. Ausserdem habe der Chlaus damals noch eine durchaus belehrende Funktion gehabt. «Man hatte sehr grossen Respekt», sagt Nett. «Einmal habe ich sogar geweint», erinnert er sich. Den Samichlaus von damals vermisse er trotzdem. Seiner Meinung nach sei die ursprüngliche Tradition zu stark mit dem amerikanischen Weihnachtsmann vermischt worden. Auch der Santa Claus von Coca Cola habe seine Spuren hinterlassen. «Vieles ist heute sehr kommerzialisiert.» Heute gebe es beispielsweise bereits am 6. Dezember grosse Geschenke. Das sei früher überhaupt nicht so gewesen: «Chlaus und Schmutzli brachten jeweils nur Nüsse und Mandarinen.» Die heutigen Kinder würden ausserdem viel schneller realisieren, dass der Chlaus nicht echt ist. Das sei eigentlich schon schade. Familie Nett feiert den Samichlaus ebenfalls. Den Fokus lege man aber eher auf Weihnachten, da aktuell sehr viel los sei im Restaurant. «Die Geschenke für unsere Enkelkinder bringt an Heiligabend ein Engel.» (ldr)

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