St.Gallens letzter Silvesterbrauch: Die "Römpler" vertreiben die bösen Geister

TRADITION ⋅ Jetzt kann der Jahreswechsel kommen: Einer alten Tradition folgend haben am Tag vor Silvester die Römpler in St.Gallen den Geist des Schwarzen Rappensteiners gebannt. Der Tanz ums Römpel-Feuer ist der letzte noch existierende Silvesterbrauch der Stadt.
30. Dezember 2017, 20:50
Die Szenerie ist gespenstisch. Auf dem Pausenplatz des Schulhauses Bruggen im Westen von St.Gallen brennt am Samstagabend funkensprühend ein Feuer. Darum herum rennen lärmige Gestalten mit wilden Verkleidungen und Masken. Den Takt geben Tambouren der Knabenmusik vor. Der Tanz beginnt langsam, wird schnell und immer schneller. Und stoppt plötzlich. Die Römpelgruppe singt jetzt ihre Beschwörungslieder. Danach wird der Brauch erklärt und die Sage vom Schwarzen Rappensteiner erzählt.

Einer alten Tradition folgend haben am Tag vor Silvester die Römpler in St.Gallen den Geist des Schwarzen Rappensteiners gebannt. Der Tanz ums Römpel-Feuer ist der letzte noch existierende Silvesterbrauch der Stadt. (Luca Ghiselli )

In eine Felswand gesperrt

Die Nächte rund um den Jahreswechsel sind traditionellerweise die Zeit der Geisteraustreibung. Dazu sind durch die Jahrhunderte zahlreiche Bräuche entstanden. Die Römpelsage beispielsweise handelt von der Burg Rappenstein an der Goldach zwischen Rorschach und St. Gallen. Der hier hausende Raubritter beging so viele Schandtaten, dass er verflucht und in eine Felswand in der Goldachschlucht verbannt wurde. Nur einmal im Jahr, am Vorabend des Jahreswechsels, reitet er auf einem feurigen Pferd übers Land, um Unheil anzurichten. Die Römpler sollen dies mit ihren Ritualen verhindern.
 

Römpel-Wurst nach einem Geheimrezept

Den einzigen noch existierenden Silvesterbrauch auf St.Galler Stadtgebiet verfolgten am Samstagabend gegen 150 Personen, darunter viele Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers Bruggen. Er komme seit Jahren wenn irgend möglich ans Römpelfeuer, sagt denn auch ein alter Bröggler. Erst mit dem Auftritt der Römpler starteten für ihn jeweils die Festtage rund um den Jahreswechsel.

Den Besuch beim Masken- und Feuerritual rundeten auch diesen Samstag viele mit einem heissen Punsch und einer Römpelwurst in der benachbarten Festwirtschaft ab. Die Grillwurst ist eine Bröggler Spezialität, die vom Quartiermetzger nur einmal im Jahr – eben für den 30. Dezember – nach einem Geheimrezept hergestellt und dann beim Römpeln verkauft wird.
 

Das Archiv ist verbrannt

Über die Geschichte und damit die Ursprünge des Römpel-Brauchs ist nur wenig bekannt. Dies auch, weil in den 1980er-Jahren das Archiv des Römpelvereins Straubenzell durch einen Brand verloren ging. Zudem hat der Verein Nachwuchssorgen, wie andere Vereine in der Stadt auch. So musste vor einigen Jahren auch der früher übliche Römpel-Umzug am Tag durch den Westen der Stadt St.Gallen aufgegeben werden. Der Freude der Aktiven wie des Publikums tat dies am Samstag keinen Abbruch: Wer mit ums Römpel-Feuer stand, durfte konstatieren, dass der Brauch immer noch lebt. (vre/ghi)