Schulweg wird zum Hindernislauf

WITTENBACH ⋅ Täglich viermal müssen die Schulkinder auf dem Weg zum Schulhaus Steig eine Baustelle überqueren. Eltern und Schulbehörden forderten Sicherheitsmassnahmen – mit Erfolg.
19. Mai 2017, 10:52
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Viele Wittenbacher Eltern sorgen sich. Sie schicken ihre Kinder täglich mit einem «unguten Gefühl» auf den Weg zum Schulhaus Steig. Zwar wurde vor kurzem ein temporäres Fahrverbot eingeführt. Elterntaxis dürfen nicht mehr bis zur Schule vorfahren – zum Schutz der Kinder, die zu Fuss unterwegs sind. An Regentagen bog jeweils ein Tross Autos in die Sackgasse ein und bahnte sich seinen Weg vorbei an den Schülern.

Nun lauert die Gefahr wenige hundert Meter entfernt, auf der Höhenstrasse. Die dortige Baustelle verunsichert Schulkinder und Eltern. Das Trottoir ist mit Baumaterial versperrt, der Strassenbelag aufgebrochen, der Durchgang teilweise mit Absperrungen verriegelt. Bagger brummen über die Baustelle, Autos kreuzen sich und mittendrin suchen sich die Kinder ihren Weg. «Muss erst etwas passieren, bevor die Gemeinde aktiv wird?», fragte ein verärgerter Vater an der Informationsveranstaltung vergangene Woche.

Lösungssuche auf der Baustelle

Auch Ruth Keller, Präsidentin der Primarschulgemeinde, sorgte sich. «Wir selbst können nichts machen», sagt sie. Schliesslich sei der Schulweg Sache der Eltern. Und die Baustelle muss durch Baugeschäft und Gemeinde gesichert werden. Dort klopfte sie an. Genauso bei der Polizei, die sie wiederum an die Gemeinde verwies. Vor zwei Tagen schliesslich traf sie sich mit Bauverwalter Daniel Worni zu einer Baustellenbesichtigung.

Pünktlich zum Schulschluss stehen die beiden bereit und beobachten das Geschehen: Fünfjährige mit orangem Kindsgistreifen, selbst kaum grösser als ein Baggerrad, laufen schnurstracks an ihnen vorbei. Vom Leitspruch «luege, lose, laufe», bleibt oft nur noch das Laufen übrig. Durch das Getöse auf dem Bau hören sie ohnehin keine einzelnen Fahrzeuge heraus und wissen im Gewusel auch nicht, wohin sie schauen sollten. Einige Mütter geleiten ihren Nachwuchs deshalb an der Hand nach Hause.

«Die Kinder müssen geführt werden», sagt Ruth Keller. Da die Situation auf der Baustelle jeden Tag eine andere sei, könnten die Lehrkräfte die Kinder nicht vorbereiten. Keller appelliert an die Verantwortlichen: «Die Sicherheit der Kinder muss jeden Tag gewährleistet sein.»

Problemzone bis 2019 beruhigen

Im Anschluss an die Baustellenbesichtigung reagierte Bauverwalter Daniel Worni prompt: Ab heute leiten Signalisationstafeln Autos und Fussgänger durch die Baustelle. Bald soll der Weg für Fussgänger zusätzlich mit Planken abgetrennt sein. Ab Dienstag wird beim Einlenker Höhenstrasse zudem provisorisch ein Fussgängerstreifen markiert.

Mit diesen Massnahmen soll die Zeit bis Ende nächster Woche überbrückt werden. Dann nämlich sei die heikle Zeitspanne vor-über, sagt Worni. Die Baumaschinen rücken weiter die Höhenstrasse hinauf und der Auto- verkehr kann über die Wiesenstrasse kanalisiert werden. «Dann gibt es keinen Engpass mehr.» Auch in Zukunft werde die Situation wöchentlich an den Bausitzungen besprochen. Schliesslich, ab 2019, soll die langjährige Problemzone beim Einlenker Höhenstrasse endgültig beruhigt werden: Ein durchgehendes Trottoir entlang der Erlackerstrasse, Tempo 30 im Quartier Oberwiesen und eine verschmälerte Einfahrt sollen, nicht nur für die Kinder, mehr Sicherheit bringen. Das letzte Wort allerdings haben die Bürger.


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