Der schräge Vogel Théo Buff setzt sich zur Ruhe

PENSION ⋅ Fast 30 Jahre lang arbeitete Théo Buff für die Stadtverwaltung. Vielen St.Gallern ist er auch dank seiner Bücher bekannt. Nun ist er in den Ruhestand gegangen. Doch schon bald will er ins Amtshaus zurückkehren.
09. Januar 2018, 05:19
David Gadze

David Gadze

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Der Ort, den Théo Buff für das Bild ausgesucht hat, hat für ihn eine besondere Bedeutung: In der Mülenenschlucht, «einem Kraftort», soll zum einen Gallus den Grundstein für das heutige St.Gallen gelegt haben. Im Mittelalter war dort ein Richtplatz zum Ertränken von Hexen. Zum anderen war Buff nach der Neugestaltung des Plätzchens neben der Talstation der Mühleggbahn für die Infotafeln zuständig – wie für praktisch alle Infotafeln, die Touristen und Einheimische durch die Innenstadt leiten. «Damals nannte man das noch Wegweisung. Heute ist dieses Wort belastet», sagt der bald 62-Jährige mit dem für ihn typischen Schalk. Das Bild ist quasi sein Abschied: Nach mehr als 27 Jahren bei der Stadtverwaltung ist Buff Ende Dezember in Pension gegangen.

«Ich bin kein Alphatier»

Théo Buff kommt 1990 zur Stadtverwaltung. In all den Jahren ist er die rechte Hand des Bausekretärs, dieser wiederum der verlängerte Arm des jeweiligen Stadtrats. Er erlebt vier Baudirektorinnen und -direktoren: Erich Ziltener, Elisabeth Beéry, Patrizia Adam und Maria Pappa. Der Bausekretär hingegen bleibt in dieser langen Zeit fast immer derselbe: Fredi Kömme, der im gleichen Jahr wie Buff sein Amt antrat und dieses vor zwei Jahren an Matthias Fuchs übergab. «Wir waren zwar völlig verschieden, haben uns aber gut ergänzt», sagt Buff. Die Rolle im Hintergrund habe ihm zugesagt. «Ich bin kein Alphatier. Eher ein schräger Vogel.»

Dazu passt auch Buffs Werdegang: Nach der Lehre arbeitet er als Lebensmittelverkäufer bei der Migros. Danach absolviert er das KV und die Zweitwegmatura und studiert später Geschichte, Staatsrecht und Politologie in Bern. Er ist drei Jahre lang Lehrer an der Gewerbeschule und versucht sich als Journalist. «Ich war immer ein Praktiker», sagt er. Dank Erich Ziltener, dessen «starkes grünes und soziales Bewusstsein sowie Herzblut» Buff hervorhebt, kommt er schliesslich in die Verwaltung. Als Jugendlicher sei er bei zwei Schnupperlehren zur Einsicht gelangt, dass Büros todlangweilig seien, schreibt er über sich selbst im «Stadtspielgel», der Personalzeitschrift der Stadtverwaltung. Und doch verbringt er fast 30 Jahre im Amtshaus. Ein Widerspruch? «Keinesfalls. Ich hatte einen spannenden Job. Vor allem deshalb, weil ich viel raus konnte.» Buff schrieb unter anderem Reportagen für den «Stadtspiegel»: vom Schlachthof über den Botanischen Garten bis zum Krematorium, von Schneepflugfahrten mit dem Strasseninspektorat bis zu Patrouillen mit der Stadtpolizei. «Ich habe viel erlebt. Bei einer Versicherung oder einer Bank, das wäre ein Bürojob gewesen.» Sein Arbeitsplatz hingegen sei eine Werkstatt gewesen. Dort habe er sich mit viel Herzblut für «seine» Stadt engagiert. Und er wundere sich bis heute über vieles, das in der Verwaltung vor sich gehe. «Das Kind im Manne verlernt das Staunen nie.»

Buff ist ein Ursanktgaller. Heute wohnt er im Bruggwald-Quartier im Haus seiner Eltern. Aufgewachsen ist er im Kirchgemeindehaus Grossacker, wo sein Vater Diakon war. Danach wohnte die Familie beim Ostfriedhof, vis-à-vis des jüdischen Friedhofs. Nachts konnte er beobachten, wie Leichen angeliefert wurden. «Das hat mich nie gestört.»

Strassen- und Platznamen als Pralinés

Zu seinen Aufgaben zählten nebst der städtischen Telefonzentrale auch das Beantworten von Vorstössen oder die Städtekooperation zwischen St.Gallen und Liberec. Er präsidierte zudem die Arbeitsgruppe für die Stadtsignalisation und die städtische Strassennamenkommission. Passende Strassen- oder Platznamen zu finden, das seien die «Pralinés» seiner Arbeit gewesen, sagt er. Doch auch ausserhalb der Verwaltung ist Théo Buff dank seiner Bücher bekannt. «Weiher als Lebensräume» und «St.Gallens Grüngeschichte(n) 1872–2015» zählen zu den Standardwerken über die Gallusstadt. Ebenso das 2016 veröffentlichte Buch «St.Gallen – Eine Stadt, wie sie nie gebaut wurde». Schreiben wird er auch weiterhin: Er will zusammen mit seinem Sohn einen Kriminalroman verfassen, der in St.Gallen spielt. «Gedanklich werde ich also ins Amtshaus zurückkehren.»

Dort hat er in all den Jahren viele Menschen kommen und gehen sehen. Auch die vielen «kleinen Könige» in der Verwaltung. «Ich war von ihnen immer akzeptiert - wenn auch manchmal als Hofnarr.» Das passt zu einem, der als Kind am liebsten Clown werden wollte.


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