St.Galler Schnitzelbänke: Von Trump bis Billag

VERSE ⋅ Über ein Dutzend Schnitzelbänkler treten an der Fasnacht in St. Galler Beizen auf. Von Welt- bis Lokalpolitik ist fast nichts vor ihren Sprüchen sicher.
07. Februar 2018, 18:01
Luca Ghiselli
Sie heissen «Pfannehäxe», «Lästerzungen» oder «Aliglattohre» und sind ab heute Donnerstag bis am Fasnachtsdienstag wieder während der St. Galler Fasnacht in zahlreichen Beizen unterwegs: 15 Schnitzelbänkler-Gruppen und Ein-Mann-Formationen sind es diesmal, die mit ihren träfen Sprüchen und bissigen Versen das Publikum an der Beizenfasnacht unterhalten. Nicht mehr dabei ist Martin Wettstein in der Rolle des Papagallus. 

Ansonsten sind alle Schnitzelbänkler, die bereits 2017 dabei waren, wieder mit von der Partie, wie ihr Sprecher Michael Hugentobler sagt, der selber im Duo mit Lukas Beck mit den «Dompfaffen» aktiv ist. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr gebe es aber auch keine Neuzugänge zu verzeichnen. Der Nachwuchs sei immer mal wieder Thema, sagt Hugentobler. «Wir wären sicher nicht traurig, wenn bald wieder neue Gruppen dazukämen.» Andererseits sei man aber in der jetzigen Konstellation auch gut aufgestellt. 

Der US-Präsident liefert auch 2018 genügend Stoff

An Material für die bissigen Verse mangelt es auch dieses Jahr nicht. 2017 dominierte Donald Trump, und auch an der diesjährigen Ausgabe dürften die Schnitzelbänkler kaum um den US-Präsidenten herumkommen. «Zum Glück hat Trump nicht ein Jahr lang nichts gesagt», scherzt Michael Hugentobler. Doch auch in der Lokalpolitik verbirgt sich – insbesondere nach der Wahl Sonja Lüthis – Schnitzelbank-Stoff. «Da lässt sich sogar ein Bogen zur französischen Präsidentenwahl schlagen: Ein No-Name, der die Etablierten schlägt», sagt Hugentobler. Und schliesslich gebe es auch auf nationaler Ebene Themen, die einen Spruch verdient haben. Die No-Billag-Initiative zum Beispiel, oder die Risse in den Flügeln der FA-18-Kampfjets.    Letztere Meldung ist erst wenige Tage alt. «Aber da reagieren wir schnell», sagt Hugentobler. Sein Programm stehe, wie jedes Jahr noch nicht ganz fest. «Aber wir sind so gut wie bereit.»

Während es bei den Schnitzelbank-Formationen im Vorfeld der diesjährigen Fasnacht kaum Änderungen gab, hat sich bei den Beizen einiges getan. Neu dabei ist das Einstein-Bistro. «Das ist für uns natürlich eine sehr erfreuliche Nachricht», sagt Hugentobler. Zwar hafte dem «Einstein» etwas zu Unrecht ein etwas elitäres Image an, das auf den ersten Blick nicht zur närrischen Zeit passe. «Nun wird es aber zur Fasnachtsbeiz.

Und wenn es passt, dann könnte sich das Bistro zu einem regelrechten Hexenkessel entwickeln.» Auch das Restaurant La Verità am Gallusplatz ist zum ersten Mal dabei. Mit Schnitzelbänklern zu rechnen ist zudem in folgenden Restaurants in der Innenstadt: Bäumli, Bierfalken, Drahtseilbähnli, Gallusplatz, Papagei, Zeughaus, Zur alten Post, Zum goldenen Leuen (National), Zum goldenen Schäfli und Weinlokal 1733.

Kein genauer Auftrittsplan


Die Schnitzelbänkler erfreuen sich grosser Beliebtheit. Viele Beizen sind dank der heimlichen Stars der Fasnacht schon Wochen im Voraus ausgebucht – so auch dieses Jahr, mit Ausnahme des Einstein-Bistros. Einen exakten Auftrittsplan gibt es nicht. «Fasnacht ist Chaos», sagt Hugentobler. Da passe ein akribisch vorbereiteter Auftrittsplan nicht ins Konzept – auch, weil sich die Schnitzelbänkler in kein enges Korsett zwängen wollen. 

www.fasnachtsg.ch

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