Das Warten beim Hauptbahnhof macht Klubhaus zu schaffen

ST. GALLEN ⋅ Noch ist unklar, mit welchen Massnahmen der Stadtrat die Entwicklung des Areals Hauptbahnhof Nord vorantreiben will. Dem Spanischen Klubhaus läuft jedoch die Zeit davon: Wird es nicht bald saniert, muss der «Hogar Español» den Betrieb einstellen.
12. September 2017, 05:18
David Gadze

Das Spanische Klubhaus hat schon bessere Tage gesehen. Das Dach rinnt, die Fassade bröckelt, der Sandstein zerbröselt und die technischen Installationen sind veraltet. Lange sah es danach aus, als ob die Tage des «Hogar Español» gezählt seien. Ein Abbruch des 1888 errichteten Gebäudes war bereits beschlossen, bis die Stadt 2015 die Liegenschaft kaufte und ihre Zukunft wieder offen liess. Und plötzlich schien ein ­Erhalt wieder möglich: Die Testplanung für die Entwicklung des Areals Hauptbahnhof Nord im vergangenen Jahr ergab, dass das Klubhaus stehen gelassen werden soll. Das letzte Wort dazu wird der Stadtrat beziehungs­weise das Parlament haben. Der Entscheid des Stadtrats zum weiteren Vorgehen für das Areal Hauptbahnhof Nord und damit auch zur Zukunft des Klubhauses steht noch aus.

Doch nun läuft diesem die Zeit davon: Das kantonale Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen hat mit der Schliessung des «Hogar Español» gedroht, wenn die Stadt nichts unternimmt. Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner bestätigt dies. Aufgrund der unsicheren Zukunft des Spanischen Klubhauses sei die Betriebsbewilligung vom Kanton auf Zusehen hin um jeweils ein Jahr verlängert worden. Nach den Resultaten der Testplanung, die einen Erhalt vorsieht, werde der jetzige Zustand aber nicht länger geduldet. «Die Bewilligung läuft im Mai 2018 endgültig ab.» Mit anderen Worten: Falls sich der Stadtrat ebenfalls für einen Erhalt ausspricht, muss das Gebäude dringend saniert werden.

Betrieb für 15 Jahre sicherstellen

Doch unabhängig davon, was der Stadtrat und die anderen Grundeigentümer zum weiteren Vor­gehen im Gebiet Hauptbahnhof Nord entscheiden, die Umsetzung der angestrebten Massnahmen zur Arealentwicklung und der Neubauten dürfte mehrere Jahre dauern. Die Rettung des Spanischen Klubhauses, so sie denn ­gewünscht wäre, müsste deshalb isoliert von der Arealentwicklung erfolgen. «In diesem Fall würden wir vorschlagen, das Gebäude so zu sanieren, dass der Betrieb für die nächsten 15 Jahre sichergestellt ist», sagt Rechsteiner. Bis dahin werde sich zeigen, wie sich das Gebiet tatsächlich entwickle – und ob ein Erhalt des Klubhauses dann immer noch gewünscht sei.

Konkret heisst das: Saniert würde nur, was absolut notwendig ist. Die schadhaften Stellen in der Fassade und die Risse in den Mauern würden, soweit es die ­Sicherung der Bausubstanz bedingt, behelfsmässig geflickt. «Diese Narben würden sichtbar bleiben», sagt Rechsteiner. Aus­serdem würde die Statik sichergestellt. «Es geht nicht um die Ästhetik des Gebäudes.» Dieses habe bereits «eine eigene, wenn auch herbe Schönheit, die heute wesensstiftend ist». Es sei mehr als nur die äussere Hülle: «Der Beitrag des Spanischen Klubhauses für das ganze Gebiet hat vor allem mit der jetzigen Nutzung zu tun.» Und diese hänge eng mit dem heutigen Erscheinungsbild, an dem innen wie aussen der Zahn der Zeit sichtbar genagt hat, zusammen. «Nimmt man dem Gebäude dieses Cachet, verliert es einen Teil seiner aktuellen Bestimmung. Wenn wir aber jetzt nicht reagieren, kommt es uns ­abhanden.»

Das Dach, die Küche und die Lüftung müssten gemäss Rechsteiner jedoch komplett neu gemacht werden. «Aufgrund der massiven Schäden am Dach, die sich bis in den Dachstock ziehen, dürfte eine Reparatur etwa gleich teuer sein wie ein neues Dach.» Dieses würde dafür die nächsten Jahrzehnte halten. Auch die neue Küche hätte eine längere Lebensdauer als nur gerade 15 Jahre.

«Beträchtlich weniger als 2,5 Millionen Franken»

Wie teuer diese «Notsanierung» wäre, ist noch nicht klar. Vor eineinhalb Jahren bezifferte die damalige Baudirektorin Patrizia Adam die Kosten für eine einfache Sanierung, die den Erhalt für die nächsten zehn Jahre sicherstellen würde, auf 2,5 bis 3 Millionen Franken. Der finanzielle Aufwand für eine langfristige Sanierung betrage 4,5 bis 5 Millionen. «Ich bin sicher, dass es beträchtlich weniger als 2,5 Millionen wären», sagt Hansueli Rechsteiner zu den genannten Zahlen.

Falls das Gebäude aber langfristig erhalten bleiben soll, komme man um eine Gesamtsanierung nicht herum. «Wir können in 15 Jahren nicht mehr mit der Maurerkelle herumrennen und Löcher flicken. Dann braucht es einen definitiven Entscheid, ob wir uns das Klubhaus weiterhin leisten wollen oder nicht.» Dieser könne angesichts der zu erwartenden Kosten nicht unter rein ökonomischen Aspekten gefällt werden, sagt der Stadt­baumeister. «Das Klubhaus hat, wie die benachbarte Lokremise, einen Wert, der sich nicht ausschliesslich in Zahlen fassen lässt.»

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch


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