Projekt-Werkstatt schöpft neue Hoffnung

ST.GALLEN ⋅ Die Projekt-Werkstatt im alten Güterbahnhof ist heute letztmals geöffnet. Das ist aber vermutlich nicht das Aus: Im März soll sie wieder eröffnet werden. Statt vom Kanton würde sie künftig von den Gemeinden unterstützt. Noch sind aber einige Punkte ungeklärt.
22. Dezember 2017, 07:04
David Gadze

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Noch geht in der Projekt-Werkstatt im alten Güterbahnhof alles seinen gewohnten Lauf. Noch steht an fast jedem der Arbeitsplätze in der Halle ein Velo aufgebockt, um repariert zu werden. Noch deutet nichts darauf hin, dass hier schon bald die Lichter ausgehen werden. Heute hat die Projekt-Werkstatt zum letzten Mal geöffnet. Oder genauer gesagt: Vielleicht vorerst zum letzten Mal. Denn nachdem der Regierungsrat dem Projekt die finanzielle Unterstützung ab 2018 versagt hat, hängt dessen Zukunft am seidenen Faden. Doch man muss sagen: Immerhin hängt sie noch. «Wir kämpfen weiterhin dagegen an, die Projekt-Werkstatt einfach aufzugeben», sagt Geschäftsleiter Hansueli Salzmann. Und er zeigt sich zuversichtlich, dass dieser Kampf nicht vergebens gewesen sein dürfte. Ein Kampf, der im August mit einer Petition begann, aber noch lange nicht zu Ende ist.

 

Auf kleinerer Fläche und mit weniger Personal

Klar ist derzeit nur, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Reintegrationsprogrammen für Arbeitsuchende, die der Projekt-Werkstatt von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zugewiesen wurden, heute ihren vorläufig letzten Arbeitstag haben. Im Januar und Februar bleibt der Betrieb geschlossen, um ihn zu liquidieren und die Infrastruktur zurückzubauen. Der Erlös aus der Liquidation wird dem Kanton ausbezahlt. Doch bereits im März soll die Projekt-Werkstatt ihre Türen wieder öffnen – am selben Ort, aber auf kleinerer Fläche und mit kleinerem Personalbestand. Von den heute fest angestellten acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sollen vier übernommen werden: Zwei Arbeitsagogen, ein Mechaniker und eine Person in der Administration. Die Zahl der betreuten Personen würde von 35 auf 15 reduziert. Jene, die bisher in der Velostation unter dem Fachhochschulzentrum arbeiteten, werden von der Stadt übernommen (siehe Zweittext).
 

Damit der Plan für die Rettung der Projekt-Werkstatt aufgeht, müssen die Gemeinden in die Lücke springen, die der Kanton mit seinem Rückzug geschaffen hat. Die betreuten Personen würden nicht mehr wie bisher von den RAV, sondern von den Sozialen Diensten und damit von den Gemeinden vermittelt. Damit die Rechnung aufgeht, müssten es aber mindestens 15 Personen sein, die der Projekt-Werkstatt zugewiesen werden, sagt Salzmann. «Die Zukunft des Betriebs hängt jetzt also davon ab, ob es uns gelingt, genügend Teilnehmerinnen und Teilnehmer von den Gemeinden zu bekommen.» Das Projekt scheint derzeit auf gutem Weg zu sein: Die Stadt St. Gallen habe bereits eine Absichtserklärung deponiert, zehn Personen zu vermitteln. Sollte es bei diesem Bestand bleiben, würde man trotzdem im März starten und versuchen, die finanzielle Lücke – pro betreute Person bis zu 2500 Franken im Monat, also über 100000 Franken pro Jahr bei fünf fehlenden Personen – durch Beiträge von Stiftungen zu schliessen, sagt Salzmann. Teilweise lägen schon Zusicherungen für kleinere Beträ ge vor. Denkbar sei auch, Personal über die Invalidenversicherung oder die Schweizerische Unfallversicherung Suva zu rekrutieren. Es sei ausserdem eine Option, bei Bedarf seitens der Gemeinden auch mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufzunehmen. Trotz der geringeren Fläche könnten auch künftig bis zu 22 Personen beschäftigt werden.

Klarheit bis Ende Januar

Bis Ende Januar müsse Klarheit herrschen, ob nebst der Stadt St. Gallen auch die umliegenden Gemeinden zu einer Zusammenarbeit bereit seien, sagt Salzmann. Und wenn nicht, wie hoch Beiträge von Stiftungen wären, um das betriebliche Defizit zu decken.

Doch auch wenn die Rettung der Projekt-Werkstatt gelingen sollte, wird sich Hansueli Salzmann zurückziehen. Die Projekt-Werkstatt, die bisher von Andreas Frank als Einzelfirma geführt wurde, würde unter die Trägerschaft eines Vereins gestellt. Dies sei eine der Auflagen der Stadt für die Zuweisung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Sozialen Dienste gewesen. Dadurch entfalle für ihn aber die Perspektive, die er bei seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren gehabt habe, sagt Salzmann, der Sozialarbeiter ist. Denn indem die ganze Koordination und damit auch die Unterstützung der Betroffenen über die Sozialen Dienste laufe, entfalle die soziale Begleitung in der Projekt-Werkstatt. Ihr bleibt künftig die agogische Begleitung, also vor allem die Integration in den Arbeitsmarkt. Deshalb sol auch das Leitungsteam entsprechend zusammengestellt werden. Hansueli Salzmann ist jedoch zuversichtlich, dass die Wiederbelebung des Projekts gelingen wird. «Ich bin guter Dinge, dass wir das Velo wieder zum Fahren bringen.»

www.projekt-werkstatt.ch