Pekingenten made in Mörschwil

GEFLÜGELZUCHT ⋅ Schweizer Pekingenten sind selten. Trotzdem, oder gerade deshalb, züchtet Franz Rutz aus Walzenhausen diese Tiere als einziger in der Schweiz das ganze Jahr. Ums Vermarkten kümmert sich die Firma Geflügelgourmet in Mörschwil.
04. Oktober 2017, 05:20
Martin Brunner

Das Kloster St. Ottilia Grimmen­stein in Walzenhausen ist ein geruhsamer Ort. Da passen die Pekingenten von Franz Rutz als Pächter des klösterlichen Landwirtschaftsbetriebs ideal ins Bild. Seine 500 Tiere im Alter von sechseinhalb Wochen watscheln gemütlich auf der Weide herum, picken Gras auf oder planschen im Wasserbecken. Andere suchen im Stall Schutz vor dem Wetter. Fürs Foto bleiben die Enten allerdings doch lieber auf Distanz. «Vor rund drei Jahren suchte ich einen Ersatz für unsere Legehennen», erzählt Franz Rutz.

«Da Robin Geisser einen Mäster für Pekingenten suchte, kam mir diese Möglichkeit gerade gelegen. Dies umso mehr, weil keine grossen Investitionen nötig waren.» Vormaststall für die Küken, Maststall und Weide für die Ausmast waren schnell eingerichtet. Deshalb ist Rutz auch heute noch überzeugt von der Richtigkeit dieses Entscheides, denn die Pekingenten sind anspruchslos, problemlos zu halten und widerstandsfähig. Er brauchte noch nie Medikamente oder einen Tierarzt. Zudem kauft er die Tiere nicht, sondern Robin Geisser von der Firma Geflügelgourmet in Mörschwil stellt sie ihm für die Mästung zur Verfügung. «Wir haben herausgefunden, dass sich die Pekingenten im Vergleich zu anderen Enten für die Zucht gut eignen», sagt er. Trotz all dieser Vorteile ist Franz Rutz der einzige in der Schweiz, der diese Tiere während des ganzen Jahres züchtet.

Pekingente braucht viel mehr Futter als ein Huhn

Die Enten schlüpfen nach vier Wochen Brutzeit in der Brüterei von Robin Geisser. Danach kommen sie sofort auf den Hof von Franz Rutz, wo sie die ersten zwei bis drei Wochen in einem heizbaren Vormaststall verbringen. Anschliessend leben sie im Maststall und auf der Weide. Im Alter von sechs bis neun Wochen werden sie geschlachtet, was zum Beispiel in der achten Woche etwas mehr als zwei Kilo Schlachtgewicht ergibt. Allerdings: «Die Futterverwertung ist relativ schlecht. Ein Huhn benötigt für ein Kilo Lebendgewicht rund 1,6 Kilo Futter, eine Pekingente 3,5 Kilo, was für ihre Mast sechs bis sieben Kilo Futter entspricht. Auch die Fleischausbeute ist geringer.» Nicht ganz einfach ist die Vermarktung des Fleisches, denn diese Schweizer Pekingenten sind und bleiben eine Spezialität. Zudem sind sie teurer als ausländische.

Begehrte Edelstücke für die Gastronomie

Doch Robin Geisser hat über Händler vor allem in der Gourmetgastronomie dankbare Abnehmer gefunden. «Begehrt sind vor allem die Edelstücke wie die Brust», erklärt Geisser. «Deshalb verwerten wir viele Schenkel in einem Salsiz, der sogar ausgezeichnet wurde.» Auch die geräucherte Entenbrust erhielt bereits eine Medaille: Gold von Culinarium. Das Gerüst der Tiere wie etwa die Knochen verwenden Köche gern für die Herstellung von Saucen. «Bisher funktioniert der Markt recht zufriedenstellend. Mehr Tiere wären aber kaum möglich im Moment.»

 

Martin Brunner

redaktiongo

@tagblatt.ch


Leserkommentare

Anzeige: