So viele Neurentner wie nie zuvor

ST.GALLEN ⋅ Die Pensionskasse der Stadt verzeichnet dieses Jahr fast 140 Pensionierungen – so viele wie noch nie. Zu Buche schlagen vor allem die zahlreichen Frühpensionierungen.
28. Dezember 2017, 06:14
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Die Stadt St. Gallen verzeichnete in den vergangenen Jahren jeweils rund 70 Pensionierungen. Dieses Jahr sind es rund doppelt so viele: 140 Arbeitnehmer wurden 2017 pensioniert, rund die Hälfte davon liess sich frühpensionieren. Auch einige langjährige und erfahrene Mitarbeiter der Stadtverwaltung gehen in den Ruhestand: Walter Bruderer, der Kommandant der Berufsfeuerwehr, Théo Buff, der stellvertretende Direktionssekretär Bau und Planung, oder Rolf Kretzer, der Wasserbau-Verantwortliche.

Der hohe Wert liegt aber nicht etwa an der Demografie der über 2400 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern der Stadt, sondern an Umstellungen in der Pensionskasse. Diese passt per 1. Januar 2018 ihren Umwandlungssatz an. Er wird von 5,9 auf 5,2 Prozent gesenkt. Früher in Rente zu gehen, lohnt sich da. Ein Rechenbeispiel: Durchschnittlich hat ein Schweizer Arbeitnehmer zum Zeitpunkt seiner Pensionierung ein Altersguthaben von 500000 Franken. Beim alten Umwandlungssatz würden ihm pro Jahr 29500 Franken aus der zweiten Säule ausbezahlt, beim neuen Umwandlungssatz nur 26000 Franken jährlich. Wer also bei fortgeschrittenem Alter bei der Pensionskasse der Stadt St. Gallen versichert ist, tat gut daran, 2017 in Rente zu gehen.

Bei der Pensionskasse der Stadt heisst es auf Anfrage, die hohe Zahl Frühpensionierungen sei eindeutig auf die Anpassung des Umwandlungssatzes zurückzuführen. Die gleiche Erklärung hat auch das Personalamt der Stadt. «Das hat zu diesem Anstieg geführt», sagt dessen Leiter Ernst Wälter. Die Anpassung habe dazu geführt, dass zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Stadt im Alter zwischen 60 und 65 den frühzeitigen Ruhestand eher in Betracht gezogen hätten.

Die Zahl wird sich wieder einpendeln

Er relativiert aber auch: «All jene Pensionierungen, die dieses Jahr vorzeitig vollzogen wurden, fallen natürlich 2018 und 2019 dann weg.» Im langjährigen Schnitt werde sich die Zahl altersbedingter Abgänge bei der Stadt also wieder einpendeln. Gleiches gilt auch für die Neubesetzung der freigewordenen Stellen. Diese fällt in die Kompetenz des Personalamts, das aber von der Pensionierungswelle 2017 nicht überrascht wurde. «Der Anstieg zeichnete sich bei dieser Ausgangslage ab», sagt Ernst Wälter. Man habe deshalb frühzeitig Ausschau gehalten, die meisten Nachfolgen seien bereits geregelt. Die meisten Arbeitnehmer liessen sich ohnehin unmittelbar vor dem Stichtag der Umwandlungssatz-Anpassung frühpensionieren, sagt Wälter. Auch deshalb habe man seitens des Personalamtes genug Vorlaufzeit gehabt, womit keine längeren Vakanzen entstünden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Umstellungen in der Pensionskasse zu einer kleinen Welle von Renteneintritten führt. Als die Pensionskasse der Stadt per Anfang 2014 ausgegliedert wurde, gingen fast 80 Arbeitnehmer in den Ruhestand, 34 davon frühzeitig. Mit der Ausgliederung der Kasse änderten sich die Rentenansprüche für viele Angestellten der Stadt zum Nachteil, was dazu führte, dass überdurchschnittlich viele die Gelegenheit zur Frühpensionierung nutzten. Damals wurde wegen nicht eingezogener Überzeit sogar ein Nachtragskredit nötig.