Neues Projekt für den Marktplatz

STADTPLANUNG ⋅ Der Stadtrat wird am 14. Dezember informieren, wie er die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt fortführen will. Gibt es einen neuen Wettbewerb?
27. November 2017, 05:19
Daniel Wirth

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Nach dem zweiten Nein des Stimmvolks zur Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt im März 2015 verstrich etwas mehr als ein Jahr, bis der Stadtrat 120000 Franken für die Durchführung eines partizipativen Verfahrens sprach. Nach einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Dezember 2016 haben im laufenden Jahr zwei Grossgruppen-Workshops mit rund 90 eingeladenen Personen stattgefunden; Grundeigentümer, Markthändler, Detaillisten, Taxiunternehmer, Vertreter politischer Parteien und von Verkehrsunternehmen nahmen daran teil. Dieser Prozess wurde und wird weiter begleitet von Michael Emmenegger, der in Zürich ein Büro für Analyse und Management von sozialen Prozessen hat. Lange war es jetzt ruhig um das Verfahren, das nur ein Kapitel in der zehn Jahre dauernden Geschichte der Marktplatz-Neugestaltung ist (siehe Zweittext). Nach den beiden Marktplatz-Foren gab es eine Vernehmlassung unter den Teilnehmern und einen bereinigten Bericht aus der Feder Michael Emmeneggers und eine Empfehlung der Projektgruppe an den Stadtrat: neuer Wettbewerb oder Weiterbearbeitung des bestehenden Projektes «Josy und Orazio» der Architekten Armin Benz und Martin Engeler.

Der Stadtrat hat inzwischen entschieden; er wird am 14. Dezember die Öffentlichkeit und die Teilnehmer des Marktplatz-Forums umfassend informieren.

Stadträtin Maria Pappa, seit Anfang 2017 Vorsteherin der Direktion Bau und Planung, sagt, es sei klug gewesen, einen externen Begleiter für den partizipativen Prozess beizuziehen. Ihm gegenüber habe niemand Vorbehalte gehabt, was aber womöglich der Fall gewesen wäre, wenn der Stadtrat oder Mitarbeitende der Verwaltung den Prozess moderiert hätten. Im Gespräch mit dem «Tagblatt» verrät die städtische Baudirektorin freilich nicht, wie der Stadtrat entschieden hat. Sie sagt aber, die Workshops hätten dazu beigetragen, dass die einzelnen Interessengruppen mehr Verständnis füreinander entwickelt hätten. Und die Foren hätten ein Ergebnis zutage ge­fördert: Der neugestaltete Markplatz soll repräsentativ und ein Ort von hoher Aufenthaltsqualität werden.

Eine andere Ausgangslage

Obschon Maria Pappa der Medienkonferenz von Mitte Dezember nicht vorgreifen will, deutet einiges darauf hin, dass der Stadtrat einen neuen Wettbewerb durchführen lassen will: Zum ­einen, weil das bisherige Projekt schon zweimal Schiffbruch erlitt und es auf dieser Grundlage schwierig würde, eine mehrheitsfähige Abstimmungsvorlage zu erarbeiten. Zum anderen zeigt die Quintessenz der Diskussionen in den Foren, dass eine Neubetrachtung notwendig sein dürfte. Hinzu kommt: Das Union-­Gebäude beim Blumenmarkt soll dereinst die Bibliothek beherbergen, die heute provisorisch in der Hauptpost untergebracht ist. Das ist neu, und diese veränderte Ausgangslage dürfte in den Überlegungen des Stadtrates eine Rolle spielen.

Wird tatsächlich ein neuer Projektwettbewerb durchgeführt, müsste der Stadtrat aller Voraussicht nach beim Stadtparlament einen Kredit dafür einholen. Und weil die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt auch im dritten Anlauf mehr kosten dürfte als 15 Millionen Franken, hat wohl wieder das Volk das letzte Wort.


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