Neue Kirche für die Neuapostolen

ST.GALLEN ⋅ Eingeweiht ist sie schon, am Samstag ist sie erstmals öffentlich zugänglich: Die neue Kirche der neuapostolischen Gemeinde ist schlicht, modern und lichtdurchflutet. Und sie bietet Platz für mehr als 300 Gläubige.
15. September 2017, 21:12
Luca Ghiselli
Keine 20 Meter liegen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Auf der einen Seite der Brauerstrasse steht die alte Kirche der neuapostolischen Kirche. Anfang der 1960er-Jahre erbaut, wird sie nächsten Monat abgerissen. An ihrer Stelle wird ein Wohnhaus errichtet. Doch die Gemeinde hat vorgesorgt. Gleich gegenüber, zwischen Brauer- und Rorschacher Strasse, steht der imposante Kirchenneubau. Er überragt das alte Gebäude um zwei Stockwerke – und ist von der Verkehrsachse aus prominent sichtbar.

Die neuapostolische Gemeinde St.Gallen hat in ihrer über 120 Jahre währenden Geschichte mehrmals den Standort gewechselt. Jetzt hat sie zwischen Brauer- und Rorschacher Strasse einen imposante Kirchenneubau errichtet. (Bilder: Urs Bucher)

Neun Meter hohe Kirchenfenster

Im Innern riecht es nach Neubau. Alles ist noch ganz frisch. «Am 23. August war die Profanierung der alten Kirche, vier Tage später fand bereits der Einweihungsgottesdienst statt», sagt Gemeindevorsteher Caspar Ganzoni. Das Kirchenhaus ist grosszügig gestaltet: Vom grossen Foyer im Erdgeschoss geht’s hinauf zum Kirchensaal – dem «Herz des Hauses», wie Ganzoni ihn nennt. Hier besteht der Boden aus Naturstein, und nicht wie im Foyer aus Beton.

Der Kirchenraum bietet mit Empore Platz für rund 300 Personen. Ins Auge fallen die neun Meter hohen Kirchenfenster auf beiden Seiten des Altars, die dem Raum einen sakralen Charakter verleihen. Hinter einer Scheibe sind zwei zusätzliche Räume. «Der eine ist für die Kinder, damit sie auch mal laut sein können. Und der andere für Senioren und Personen, die nicht mehr gut zu Fuss sind», erklärt Ganzoni. Auch die Orgel ist ein Blickfang. Sie besteht aus rund 900 Pfeifen, und wird mithilfe einer eigenen Anlage befeuchtet.
 

Unterrichtsräume für über 120 Kinder

Im zweiten Stock – gleich neben dem Durchgang zur Empore - befindet sich die Sakristei. Hier bereiten Vorsteher, Priester und Diakone die Gottesdienste vor. Ans Fenster angelehnt ist ein Bild des Stammapostels, dem Oberhaupt der neuapostolischen Kirche. Im dritten Obergeschoss befinden sich zwei Unterrichtsräume. Hier wird den über 120 Kindern und Jugendlichen in der Sonntagsschule der Glauben auf spielerische Art vermittelt. Ganz unten, im Kellergeschoss, ist neben der Haustechnik auch das Blumenzimmer untergebracht. Hier wird jeweils der Altarschmuck vorbereitet – nach Dienstplan. Nebenan befindet sich die Tiefgarage. «Uns war es wichtig, den Bau barrierefrei zu gestalten», sagt Gemeindevorsteher Caspar Ganzoni. So könne man direkt von der Tiefgarage mit dem Lift zum Kirchensaal und wieder zurück gelangen.
 

Mehrmals umgezogen

Die neuapostolische Gemeinde St.Gallen hat in ihrer über 120 Jahre währenden Geschichte mehrmals den Standort gewechselt. Entstanden ist die Gemeinde 1896. Damals liess sich Johannes Baumann in der Stadt nieder, um eine Gemeinde zu gründen. Die Neuapostolen zogen immer wieder um, und erwarben 1923 schliesslich ein Lokal im Haldenhof. Später zog die Gemeinde Centrum an die Dufourstrasse 76, wo heute die Neue Stadtschule untergebracht ist. Die Gemeinde Ost erwarb zunächst eine Versammlungsstätte an der Helvetiastrasse und 1961 dann die Kirche an der Brauerstrasse 21, die im Oktober abgebrochen wird. 2011 wurden die beiden Gemeinden fusioniert, und haben nun ihr gemeinsames Gotteshaus beziehen können.

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