Neubau an enger Lage

BÜROS ⋅ Die Medisuisse plant an der Frongartenstrasse einen neuen Geschäftssitz. Nach einem Architekturwettbewerb steht der Sieger nun fest. Das ehemalige italienische Konsulat wird abgebrochen und durch einen höheren Holzbau ersetzt.
06. Juli 2017, 07:45
Roger Berhalter

Roger Berhalter

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An der Frongartenstrasse 9 geht es vorwärts. Mitte 2014 stellte das italienische Konsulat den Betrieb ein. Anfang 2016 kaufte die Medisuisse das zentral gelegene Gebäude, die AHV-Ausgleichskasse von über 22000 Ärzten, Zahnärzten, Tierärzten und Chiropraktikern in der Schweiz. Die Medisuisse möchte dort einen neuen Geschäftssitz bauen und hat deshalb sechs Architekturbüros zwischen Basel und Chur zu einem Wettbewerb eingeladen. Nun steht das Siegerprojekt fest: «Plug & Play» des Harry-Gugger-Studios aus Basel. Alle sechs Projekte samt Plänen und Modellen sind derzeit im Amtshaus zu besichtigen.

Kaum Platz für eine Baustelle

«Es freut uns, dass wir in St. Gallen tätig werden dürfen», sagte Architekt Harry Gugger gestern bei der Eröffnung der Ausstellung im Amtshaus. Er sprach von einer «sehr beengenden Situation» an der Frongartenstrasse. Einerseits müsse sich ein Neubau zwischen die bestehenden Gebäude einfügen und gleichzeitig klar abgetrennt bleiben. Anderseits sei am Standort kaum Platz vorhanden, um eine Baustelle einzurichten. Nicht zuletzt deswegen habe man sich für eine Holzkonstruktion entschieden. Der Vorteil: Viele Elemente können vorproduziert und vor Ort relativ schnell zusammengebaut werden. Betoniert wird nur im Untergrund, der Rest der tragenden Konstruktion besteht aus Holz. «Ein sehr nachhaltiges Konzept», sagt Gugger.

Der Neubau wird höher werden als das jetzige Gebäude. Geplant sind sechs Vollgeschosse plus ein Attikageschoss; zuoberst ist gemäss Wettbewerbsbericht eine Cafeteria samt Dachterrasse geplant. Der Medisuisse-Geschäftssitz wird damit gleich hoch werden wie die umliegenden Gebäude; ein neuer Gestaltungsplan soll diese Verdichtung des Quartiers regeln.

Geschäfte im Erdgeschoss

Während die oberen Stockwerke nicht öffentlich zugänglich sein werden, ist im Erdgeschoss eine teilweise «publikumsorientierte Nutzung» vorgesehen, wie es im Wettbewerbsbericht heisst. Dies soll die Frongartenstrasse beleben. Durch einen separaten Eingang können Passantinnen und Passanten die Geschäfte im Erdgeschoss betreten, nebenan befindet sich die nicht öffentliche Lobby der Medisuisse. Welche Läden sich einmieten werden, ist derzeit noch nicht bekannt. In den oberen Stockwerken sind Büros für rund 55 Mitarbeiter der Medisuisse geplant; derzeit sind diese noch am Oberen Graben eingemietet.

Das frühere italienische Konsulat muss für die Neubaupläne weichen. Es ist nicht denkmalgeschützt und «würde unsere Bedürfnisse nicht abdecken», sagt Medisuisse-Geschäftsführer Marco Reichmuth. Bis zum Abbruch hat die AHV-Ausgleichskasse das Gebäude ­kostenlos für eine kulturelle Zwischennutzung zur Verfügung gestellt. Ein Angebot, das zahlreiche Künstler und Kulturinstitutionen gerne nutzen (siehe Zweittext). Wann die Zwischennutzung endet und die Bauarbeiten beginnen, ist derzeit schwer abzuschätzen und hängt auch von allfälligen Einsprachen ab. Zunächst wird nun ein neuer Gestaltungsplan erarbeitet, erst danach kann das Baubewilligungsverfahren beginnen. Die Bauarbeiten für den neuen Geschäftssitz dürften mindestens ein Jahr dauern. Marco Reichmuth: «Wir hoffen, dass wir die neuen Büros im Frühling 2020 beziehen können.»

Ausstellung der Wettbewerbsprojekte

Bis zum 14. Juli im Amtshaus an der Neugasse 3 (3. Stock)


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