Glacéplausch mit weinendem Baby endet in wüstem Streit

IN ST.GALLER EISCAFÉ ⋅ Weil eines der Kinder weint, bittet die Eiscafé-Betreibern die Mutter, das Lokal zu verlassen - es kommt zu Handgreiflichkeiten. Jetzt läuft ein kleiner Internet-Shitstorm gegen das Lokal. Die Lokalbetreiberin überlegt sich rechtliche Schritte.
28. August 2017, 16:44
Christa Kamm-Sager
Ein heisser Sommernachmittag in St.Gallen. Zwei Mütter mit ihren drei kleinen Kindern verabreden sich zu einem Glacéplausch im Eiscafé Gekko. Doch das gemütliche Zusammensein unter Müttern endet unschön und mit einem Streit mit der Lokalbetreiberin. Beim Streit mischt sich später auch der Vater des weinenden Babys ein - es kommt zu wüsten Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten. Die Mutter verschafft ihrem Ärger über die in ihren Augen ungerechte Behandlung auf Facebook Luft, trägt die Geschichte so an die Öffentlichkeit und bringt das Lokal in Misskredit. Pikant: Die Sichtweisen der Mutter und der Geschäftsführerin des Eiscafés sind komplett widersprüchlich.
 

"Die Mutter hat das Kind ignoriert"

Die Eiscafé-Betreiberin: "Wir sind ein kinderfreundliches Lokal mit Spielecke, Lätzchen und Hochstühlen für unsere kleinsten Gäste. Schliesslich haben wir vor allem Familien bei uns", sagt Daniela Springer vom Eiscafé Gekko in St.Gallen. Seit zehn Jahren sei sie jetzt hier und habe noch nie so etwas erlebt, wie an jenem Donnerstagnachmittag. Zwei Mütter hätten sich bei ihr im Eiscafé getroffen, eine Englisch sprechende Mutter mit einem einjährigen Kind und dem vier Jahre alten Schwesterchen. Die andere Mutter mit einem Säugling. Die Frauen seien etwa zwei Stunden im Lokal gesessen und hätten sich "breit gemacht mit Schuhen und Spielsachen am Boden". "Während nahezu der ganzen Zeit sass das einjährige Kind am Boden und hat geweint und zeitweise geschrien. Die Mutter hat ihr Kind ignoriert, es vielleicht zweimal zu beruhigen versucht", hat Springer beobachtet. Dafür habe sie sich aber bei ihrer Freundin für das Schreien ihres Kindes entschuldigt.

Nachdem die Mütter gezahlt hätten, seien die beiden nochmals etwa eine halbe bis eine dreiviertel Stunde sitzen geblieben und hätten das schreiende Kind weiter ignoriert. Da sei sie zu den beiden Gästen hingegangen und habe sie gefragt, ob sie das Lokal jetzt verlassen könnten. "Ich war früher Krankenschwester. Es zerreist mir das Herz, wenn ich ein Kind so lange weinen sehe und sich niemand um es kümmert", sagt die Gekko-Geschäftsführerin. Ihre Nachbarn seien sogar vorbeigekommen und hätten sie gefragt, was denn los sei. Sie habe die drei anderen Gäste im Lokal befragt, ob sie das Schreien des Kindes störe. Diese hätten aber lediglich gesagt, sie seien froh, sei das nicht das eigene Kind.
 

"Eine Schande, wie man mit Gästen umgeht"

Die Mutter: "Wir waren für etwa eineinviertel Stunden im Eiscafé. Als die Mädchen ihr Glacé gegessen hatten, spielten sie mit ihren Puppen." Ihr kleineres, einjähriges Mädchen habe in dieser Zeit zweimal etwa je eine Minute oder weniger lang geweint. Einmal, weil sie mit der Puppe der Schwester spielen wollte und einmal, weil sie Durst hatte. Dann habe sie einmal noch knapp fünf Minuten lang geweint, weil es heiss war und weil sie darüber frustriert war, dass ihre Schwester die Puppe im Gang liegen gelassen hatte. "Im Ganzen weinte meine Tochter nur kurze Zeit, während wir im Eiscafé waren", so die 35-jährige Mutter, die nicht mit Namen genannt werden möchte. Sie habe mit ihren Töchtern gesprochen, versucht, den Streit zu schlichten und ihr Baby geknuddelt, um es zu trösten.

Die Geschäftsführerin des Eiscafés sei schliesslich plötzlich auf sie zugekommen und habe sie gebeten, das Lokal zu verlassen, weil das Schreien des Babys alle anderen stören würde. "Ich empfand das als unhöflich, respektlos und eine Schande dafür, wie man mit Gästen umgeht", so die englisch sprechende Frau. Ihre Freundin habe bei den drei anderen Gästen noch nachgefragt, ob sie das Schreien des Babys störe. Doch die hätten gesagt, dass sie sich durch das Baby nicht gestört gefühlt hätten.

Sie lebe nun seit drei Jahren in St.Gallen und sei schon mehrere Male im Eiscafé Gekko gewesen. Noch in keinem Land aber habe sie erlebt, dass jemand sie gebeten habe, mit den Kindern das Restaurant zu verlassen. "Ich bin Engländerin und Manieren sind mir extrem wichtig." Es sei normal, dass Babys und Kleinkinder, die noch nicht sprechen können, ihre Frustration auch mal mit weinen und schreien äusserten. Das sei weder der Fehler des Kindes, noch jener der Mutter.
 

Geld der Konsumation zurückgefordert

Die ganze Begebenheit hat ein Nachspiel: Am Abend kam der ebenfalls englisch sprechende Vater des weinenden Babys im Lokal vorbei und forderte das Geld der Konsumation seiner Partnerin zurück. "Der Mann wurde ausfällig und beschimpfte mich aufs Übelste mit einem ganzen Sortiment an Flüchen", sagt Daniela Springer. Daraufhin forderten mein Partner und ich den Mann auf, das Lokal zu verlassen. "Es kam zu einem Gerangel, der Mann stolperte und zerriss im Fallen das T-Shirt meines Partners." In Bewertungsforen und auf Facebook hat die 35-jährige Mutter ihrem Ärger Luft verschafft und das Eiscafé als kinderfeindlich gebrandmarkt. "Wir überlegen uns wegen der verbalen Angriffe jetzt rechtliche Schritte", sagt die Geschäftsführerin des Eiscafés.

Die Mutter will sich zur Begegnung mit ihrem Mann und der Lokalbetreiberin nicht äussern.

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