Moschee-Todesschütze von St.Gallen will eine mildere Strafe

BLUTTAT ⋅ Der Fall des 53-Jährigen, der im August 2014 in einer St. Galler Moschee einen 51-jährigen Mann erschoss, kommt nochmals vor Gericht. Der Beschuldigte verlangt eine tiefere Strafe. In erster Instanz war er wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren verurteilt worden.
26. September 2017, 12:28
Der serbische Staatsbürger hat Berufung gegen das Urteil des Kreisgerichts St. Gallen eingereicht. Er verlangt eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und will nur wegen vorsätzlicher Tötung und wegen Vergehen gegen das Waffengesetz verurteilt werden. Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Anschlussberufung eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Der Prozess vor Kantonsgericht St. Gallen findet Ende Oktober statt.

Das Kreisgericht St. Gallen qualifizierte die Tat im Mai 2016 im Sinn der Anklage als Mord. Beim Strafmass blieb das Gericht zwei Jahre unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Beschuldigte habe die Tat geplant und das arg- und wehrlose Opfer während des Freitagsgebets erschossen, sagte der Präsident des Kreisgerichts St. Gallen bei der Urteilseröffnung. Sein Motiv sei Blutrache gewesen.

Der Bruder des 53-Jährigen war vor 20 Jahren in Walenstadt bei einem Streit zwischen drei albanisch-stämmigen Männern - dem Beschuldigten, dessen Bruder und dem späteren Opfer - erstochen worden. Der mutmassliche Täter, ein ehemaliger Freund und Arbeitskollege des Beschuldigten, wurde damals wegen Notwehr freigesprochen.
 

Sieben Mal auf Opfer geschossen

Laut Anklage wurde der ehemalige Kollege zum Feind, weil er sich nie um die sogenannte Besa (Friedensgelöbnis nach dem albanischen Gewohnheitsrecht "Kanun") bemüht habe.

Nachdem der Beschuldigte den Tatort ausgekundschaftet hatte, fuhr er am Tatnachmittag mit einer Pistole bewaffnet von seinem Wohnort am Walensee zur Moschee "El-Hidaje Islamische Gemeinschaft" in St. Gallen-Winkeln.

Dort mischte er sich zuerst unter die Betenden. In der Pause holte der Mann die Waffe in seinem Auto, kam zurück und wartete, bis kurz vor Ende des zweiten Gebetsteils. Dann ging er zu seinem Opfer und schoss aus nächster Nähe sieben Mal auf den knienden Mann. Der 51-Jährige war sofort tot. (sda)

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