Leinwand auf Anfrage zu kaufen

AUSVERKAUF IM CORSO ⋅ Das Kino Corso und das dazugehörige Restaurant Boccalino sind seit Jahren nicht mehr in Betrieb. Am Freitag und am Samstag findet nun der Ausverkauf des gesamten Inventars statt.
15. September 2017, 21:07
Lautes Gehupe in der Brühlgasse: Ein Lastwagen versucht in der schmalen Gasse zur Baustelle zu gelangen. Autos vor dem ehemaligen Kino Corso versperren ihm dem Weg. Am Freitag war der erste Tag des Inventarverkaufs im «Corso». Wer es auf eine Zweier- oder Dreiergruppe der rosaroten Kinosessel abgesehen hatte, fuhr mit dem Auto vor. Und auf diese alten Sessel hatte so manch einer ein Auge geworfen. Rebekka Angehrn, eine Heimweh-St.Gallerin aus Zürich, hat sich spontan entschieden, sich ein Stück  «Corso» zu sichern. «Ich habe auf Facebook vom Ausverkauf erfahren, und da ich heute sowieso in St.Gallen verabredet bin, dachte ich mir, ich schaue mal schnell rein.» Raus ging sie mit zwei Kinosesseln.

Das Kino Corso ist schon lange nicht mehr in Betrieb. Jetzt wird das Inventar von Kino und Restaurant Boccolino verkauft. Die Kinosessel sind die begehrtesten Stücke. (Bilder: Ralph Ribi)


Die Kinosessel sind die begehrtesten Stücke. Verantwortlich für den Inventarverkauf ist Monika Sojak. Kaum zwei Sekunden hat sie Zeit, durchzuatmen, schon wird sie von Schnäppchenjägern angesprochen. «Alle haben es auf die Sessel abgesehen», sagt sie. 180 Franken kosten zwei Sitze. Gehandelt wird nicht. «Nur schon der Ausbau der Sitze bedeutet viel Arbeit», sagt Sojak, daher könne sie bei den Sitzen nicht entgegenkommen.

Verkauft wird aber noch weit mehr: Sogar an der Leinwand ist ein Zettel angeheftet: «Auf Anfrage zu kaufen». Die dahinterliegenden Boxen gibt’s zum Schnäppchenpreis, falls jemand seine Homecinema-Anlage aufpeppen und die Nerven der Nachbarn strapazieren will.

Vor allem junges Publikum wird vom Ausverkauf angezogen. Viele suchen ein spezielles Stück für die Wohnungseinrichtung oder Haushaltsartikel für die erste eigene Wohnung wie Valentin Hollenstein und Jasper De Visser. Beide haben vor wenigen Wochen ihre erste eigene Wohnung bezogen und suchen im Inventar des Restaurant «Boccalino» nach Küchenutensilien, die ihnen noch fehlen. «Vieles sieht ja schon nicht mehr so schön aus», gibt De Visser vorsichtig zu bedenken und blickt auf das ziemlich abgenutzte Besteck. Hingegen die vier Whiskeygläser, die sich sein Kollege geschnappt hat, die hätte er auch gerne gehabt. Doch Valentin Hollenstein war schneller. «Whiskeygläser fehlten mir und die sehen noch sehr schön aus.»

Für Spätentschlossene hat das «Corso» am Samstag von 8 bis 13 Uhr noch einmal seine Türe geöffnet. Stühle, Bistrotische und auch die Leuchttafel mit dem Boccalino-Schriftzug könnten dann noch zu haben sein. (rsp)
 

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