Kunstmuseum St.Gallen untersucht Gemäldesammlung auf Raubkunst

RAUBKUNST ⋅ Die Untersuchung der «Sturzeneggerschen Gemäldesammlung» des Kunstmuseums St.Gallen auf mögliche Raubkunst hat bisher keine Verdachtsfälle ans Licht gebracht. Bei einer Reihe von Werken ist die Herkunft aber noch nicht geklärt.
21. November 2017, 13:51
Die Sammlung des Stickereifabrikanten Eduard Sturzenegger (1854-1932) kam 1926 durch Schenkung in den Besitz der Stadt St.Gallen und wurde in der Folge stark umgestaltet: 120 Werke kamen nach 1933, dem Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, hinzu.
Davon befinden sich heute noch 94 in der Sturzeneggerschen Sammlung, wie das Kunstmuseum St.Gallen am Dienstag mitteilte. Seit Anfang 2017 untersucht das Museum die Bilder im Rahmen eines vom Bundesamt für Kultur (BAK) unterstützten Forschungsprojekts, um Klarheit über mögliche Raubkunstfälle aus der Nazizeit zu schaffen.
 

Akten digital zugänglich

Bis Ende dieses Jahrs werden in einem ersten Schritt die relevanten Akten aus dem Stadtarchiv digitalisiert und für die Forschung zugänglich gemacht. Dies soll den Informationsaustausch zur Provenienzforschung national und international erleichtern und zur Klärung möglichst vieler offener Fragen beitragen.
 
In den vergangenen Monaten wurden die Eingangsdaten der Werke geklärt. 48 Bilder, die mit der ursprünglichen Schenkung 1926 an das Kunstmuseum gelangten und sich heute noch in der Sammlung befinden, könnten «hinsichtlich ihrer Provenienz als unbedenklich eingestuft werden», schreibt das Museum.
 
Dazu kommen weitere fünf Werke, die noch vor der Machtergreifung der Nazionalsozialisten im März 1933 in die Sammlung kamen. Von den ursprünglich 175 geschenkten Gemälden Sturzeneggers wurden später 127 im Einverständnis mit der Donatorenfamilie verkauft. Rund 120 Werke kamen nach 1933 neu zur Sammlung hinzu.
 

Erste Werke entlastet

In einer ersten Sichtung konnten die Fachleute erste Werke von den 94 Exemplaren aus der kritischen Zeit von 1933 bis 1945 entlasten, darunter das Gemälde «Landhaus in der Hermitage» (1873) von Camille Pissarro. Dieses war 1936 von der Nationalgalerie Berlin nach St.Gallen abgegeben worden.
 
«Konkrete Verdachtsfälle haben sich bis jetzt nicht ergeben, jedoch gibt es eine Reihe von Werken, deren Herkunft noch unbekannt ist», schreibt das Museum. Die Klärung dieser Provenienzen sei eine «herausfordernde und zeitaufwändige Aufgabe». Der Austausch mit anderen Museen und Forschungsinstitutionen könne hilfreich sein.
 
Den Schlussbericht zum laufenden Projekt hat das Bundesamt für Kultur auf Frühjahr 2018 verschoben. Das Kunstmuseum St.Gallen wird dann erneut über den Stand der Forschung informieren.
 

Unsichere Finanzierung

Das Museum habe habe schon früher im Rahmen seiner personellen und finanziellen Möglichkeiten Abklärungen zur Herkunft der Sammlungsbestände vorgenommen und 1998 erste Ergebnisse publiziert, heisst es. Die systematische Untersuchung der Sammlung sei aber im Rahmen des normalen Budgets nicht möglich. 
 
Die Fortführung der Forschung zur Sturzeneggerschen Sammlung sei wegen «kurzfristigen Änderungen in der Projektfinanzierung seitens des BAK nicht gesichert», heisst es. Das Kunstmuseum St.Gallen wolle die Forschungsarbeiten unbedingt weiterführen und engagiere sich auf verschiedenen Ebenen für eine weitere Unterstützung. (sda)

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