Kunstmuseum im Stadtpark: Der Ausbau lässt auf sich warten

PLATZNOT ⋅ Seit dem Auszug des Naturmuseums verfügt das Kunstmuseum über deutlich mehr Platz. Dieser kann noch nicht optimal genutzt werden. Das soll sich mit dem geplanten Umbau ändern.
06. Februar 2018, 21:23
Christoph Renn
Das neue Naturmuseum im Neudorf wird von Besucherinnen und Besuchern im wahrsten Sinne des Wortes überrannt. Das Historische- und Völkerkundemuseum kann endlich seine Lager im Estrich und in den Schutzräumen zügeln. Das Kunstmuseum muss sich hingegen noch in Geduld üben. Zwar hat das Naturmuseum inzwischen alle seine Objekte aus dem Kunklerbau gezügelt, doch noch können die so frei gewordenen Räume von der Kunst nicht ideal bespielt werden. Das Museum behilft sich mit Übergangslösungen.
 

Baubeginn wird frühestens 2019 sein

Der dritte Schritt fürs städtische Museumskonzept «Drei Museen – drei Häuser», der Ausbau des Kunstmuseums, steht also noch aus. «Die Planung dafür hat aber bereits begonnen», sagt Roman Griesfelder, Direktor Finanzen und Personal des Museums. Das Siegerprojekt für den Ausbau aus dem Jahr 2012 werde derzeit überprüft und adaptiert.

Die städtische Investitionsplanung sieht den Baubeginn für 2019 vor. «Mit der 2017 vorgenommenen Rückstellung von 4,5 Millionen Franken für den Umbau hat das Stadtparlament ein wichtiges Signal in Richtung Kanton und private Geldgeber gesendet», sagt Griesfelder. Doch muss das Projekt noch einige Hürden nehmen. «Wir hoffen dabei auf einen verantwortungsvollen und vernünftigen Umgang mit dem kulturellen Erbe der gesamten Region», sagt der Museumsvertreter.
 

Bis zum Umbau wird improvisiert

Das Kunstmuseum wartet schon lange auf eine Auffrischung. «In den Kunklerbau wurde seit 30 Jahren nichts mehr investiert, in das historische Kirchhoferhaus gegenüber sogar seit über 50 Jahren nichts mehr», sagt Griesfelder. Gebaut wird voraussichtlich zwei, drei Jahre lang. Das Vorhaben im Kunklerbau wird rund 19 Millionen kosten, wobei noch nicht klar ist, wie viel Dritte beisteuern werden.

Bis zum Startschuss für den Um- und Ausbau werden keine baulichen Änderungen vorgenommen. Ausgenommen sind dringend notwendige Eingriffe für den Betrieb, wie zum Beispiel die Anpassung der Beleuchtung im Untergeschoss. «Wir müssen jeweils etwas improvisieren.» So kompensiert das Kunstmuseum beispielsweise den Teilausfall der Heizung im Untergeschoss mit mobilen Radiatoren.

Vor allem die ehemaligen Räume des Naturmuseums sind nicht optimal für ein Kunstmuseum. Dessen Team versucht, mit kleinen Anpassungen das Beste aus dem neuen Platz herauszuholen. So arbeitet das Museum in der momentanen Ausstellung mit provisorischen Stellwänden.
 

Der letzte Baustein der Museumsstrategie

Das gesamte Gebäude erfüllt laut Griesfelder in der jetzigen Form die Bedürfnisse an ein modernes Kunstmuseum nicht mehr. Doch der Kunklerbau habe ein sehr grosses Potenzial. «Vor allem das Untergeschoss muss grundsätzlich angepasst werden, um es nachhaltig für bildende Kunst nutzen zu können.»

Ähnlich äussert er sich zum Kirchhoferhaus. Es sei eine der schönsten Stadtvillen in St. Gallen. Aber: «Da seit den frühen 1960er-Jahren keine Investitionen getätigt wurden, sind heute grosse Teile des Gebäudes unbenutzbar und andere nur beschränkt brauchbar.» Das Kirchhoferhaus wird voraussichtlich nach dem Kunklerbau saniert. Diese Kosten sollen mit 11,4 Millionen zu Buche schlagen.

Seit dem Umzug des Naturmuseums befindet sich das Kunstmuseum in einer Übergangsphase. Das drückt auf die Besucherzahlen. Griesfelder: «Wir freuen uns auf ein spannendes Museumsjahr und darauf, dass bald der letzte Baustein der Museumsstrategie gesetzt wird.»
 

Ein provisorisches Café in den «Naturräumen»

In den ehemaligen Räumen des Naturmuseums im Erdgeschoss sind die Sammlung des Kunstmuseums und Wechselausstellungen zu sehen. Die Räume im Untergeschoss des Kunklerbaus bleiben ein Provisorium, das bis zum geplanten Umbau für experimentelle Programme genutzt wird. So schuf der amerikanische Künstler Mark Dion bis September 2017 eine Verbindung zwischen Natur- und Kunstmuseum und seit Oktober 2017 nutzt die Zürcher Künstlerin Caro Niederer die Räumlichkeiten, um über die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem nachzudenken. Unter anderem mit einem Café. Ab September wird sich die Gruppenausstellung «The Humans» mit der Rolle von Kunst in einer supermedialisierten Welt beschäftigen.

Bis Sonntag laufen die letzten Tage der Sammlungsausstellung «Endlich» und der Ausstellung von Georg Gatsas. Seit Freitag ist die Gruppenausstellung «Converter» zu sehen. Zu den Höhepunkten des Jahres werden die Ausstellungen von Roman Signer und Maria Lassnig zählen. (ren)


Leserkommentare

Anzeige: