Durchschnittliches Reineinkommen in Rotmonten doppelt so hoch wie in Lachen

STEUERKRAFT IN ST.GALLEN ⋅ In welchem St.Galler Quartier leben die Akademiker, wo leben die «Büezer»? Wo wohnen die Eigenheimbesitzer und wo die Mieter? Ein Blick in die Statistiken der Stadt bringt Überraschendes zutage.
19. September 2017, 06:30
Elisabeth Reisp

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp

@tagblatt.ch

In Rotmonten leben die Neureichen und Gutverdiener, in St.Georgen die Lehrer. Die Lachen ist ein Schmelztiegel an Kulturen, im Haggen und in Bruggen leben die jungen Familien. Für fast jedes Quartier haben die St.Galler ein mehr oder weniger schmeichelhaftes Vorurteil. Welche wahr sind, ist schwierig zu sagen. Doch meistens verbirgt sich ein wahrer Kern dahinter. Nachweisbar ist zumindest, dass in Rotmonten die Steuerkraft St.Gallens zu Hause ist.

Viele Hochschulabgänger in St.Jakob

Obwohl die Zahlen der Statistik auf Hochrechnungen beruhen und nicht auf einer Vollerhebung, werden Unterschiede zu den Bildungsgraden in den Quartieren deutlich. In Rotmonten leben die gut Ausgebildeten. 54 Prozent aller über 25-jährigen Rotmontener haben einen Hochschulabschluss. Auch die Quartiere Linsebühl/Dreilinden, St.Georgen und Innenstadt verzeichnen in Relation zur Zahl Quartierbewohner eine hohe Hochschulabschlussquote von 44 bis 46 Prozent. Gemäss Statistik ist Rotmonten aber tatsächlich nicht das Quartier mit der höchsten Akademikerdichte. Noch etwas mehr Hochschulabgänger in Relation zur Bevölkerung leben in St.Jakob (54,1 Prozent).

Im «Ausländerquartier» Lachen haben nur etwa 26 Prozent der über 25-Jährigen einen Hochschulabschluss. Hingegen hat rund ein Drittel der Bewohner als höchsten absolvierten Abschluss nur die obligatorischen neun Schuljahre vorzuweisen. Das ist wenig überraschend. Auch dass die Schulabschluss-Quoten sich auch auf die Steuerkraft der Quartiere auswirkt, ist vorhersehbar. Überraschend sind aber die sehr deutlichen Unterschiede.

Spitzenverdiener leben in Rotmonten

In Rotmonten beträgt das durchschnittliche Reineinkommen 112707 Franken. Zum Vergleich: In der Lachen beträgt das Reineinkommen durchschnittlich 48141 Franken. Aber nicht nur im Vergleich zum Lachenquartier verfügt Rotmonten über ein hohes Einkommen. Auch St.Georgen, das Quartier mit dem zweithöchsten durchschnittlichen Reineinkommen pro Steuerpflicht, fällt, gemessen an Rotmonten, ab. Rund 80 000 Franken weist ein St. Geörgler im Schnitt aus. In der Statistik ausgewertet wurden Steuerpflichtige, das können Einzelmasken oder Ehepaare sein.

Diese Werte sind aber mit Vorsicht zu geniessen. Ein Blick auf die Medianwerte zeigt, dass der Grossteil der Rotmontener weniger verdient. Ein paar Spitzenverdiener drücken die Werte nach oben. Aussagekräftiger ist der Medianwert. Er zeigt, welche Einkommensgruppe am häufigsten vertreten ist (siehe Infobox). So verfügen die meisten Bewohner in Rotmonten über ein Reineinkommen von rund 68000 Franken. Verglichen mit den anderen Quartieren ist aber auch dieser Wert der höchste. Ebenfalls hohe Medianwerte weisen die Quartiere St.Georgen und Notkersegg mit 51800 respektive 51000 Franken aus.

Auch wenn die Lachen den tiefsten Durchschnittswert des Reineinkommens aufweist (48141), ist ihr Medianwert (43100) vergleichbar mit jenem der Quartiere Langgasse-Heiligkreuz (43000) und St.Fiden (43100). Hier fällt das Linsebühl ab: Ein Reineinkommen von 41400 Franken ist das am häufigsten ausgewiesene im Quartier.
 

Eigenheimbesitzer sind zufrieden

Entsprechend der Steuerkraft fällt auch die Quote der Eigenheimbesitzer aus. Fast jeder zweite Rotmontener, nämlich 47 Prozent, nennt eine Liegenschaft sein oder ihr eigen. Lediglich 53 Prozent der Steuerpflichtigen leben oben am Hügel zur Miete. Im krassen Gegensatz dazu wohnen in der Lachen und in der Innenstadt 90 Prozent der Steuerpflichtigen in einer Mietwohnung. Grund dafür dürfte der Quartiercharakter sein: In Rotmonten gibt es verhältnismässig mehr Ein- oder Zweifamilienhäuser, in den Talquartieren sind hingegen Mehrfamilienhäuser häufiger. Doch selbst in den Quartieren Notkersegg und St.Georgen können nur 36 respektive 27 Prozent der Steuerpflichtigen eine Immobilie ihr eigen nennen.

Doch deswegen neidisch nach Rotmonten zu spienzeln, ist nicht nötig. Schliesslich weiss der Volksmund, Geld alleine macht nicht glücklich. Oder etwa doch? Bei einer Befragung der Bevölkerung zur Wohnortzufriedenheit stellte sich heraus: Die zufriedensten St.Galler wohnen am Rosenberg und in Rotmonten. 78 Prozent gaben an, sehr gern dort zu wohnen.
 


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