Klanghalt im Kreuzgang des Klosters

ST. KATHARINEN ⋅ Luther hat 35 Choräle verfasst. Zum Reformationsjubiläum sollen sie auf neue Art erklingen. Und die Zuhörer dazu anregen, in der Alltagshektik innezuhalten.
10. November 2017, 05:19

Im Kreuzgang des ehemaligen Klosters St. Katharinen ist es ruhig. Imelda Natter, die Projektleiterin von «Klanghalt», hat ein Blatt Papier in den Händen. Der erste Anlass der Konzertreihe zum Jubiläum «500 Jahre Reformation» findet morgen Samstag, 17 Uhr, statt. Das Motive dafür ist dem ersten Luther-Choral entnommen. Er wird morgen von einem Familienquartett gesungen und von einem Oboensolo gespielt. «Die Worte von damals sind nicht immer verständlich. Ich habe versucht, aus jedem Choral einen Gedanken ins Heute zu übersetzen.» Für Natter ist aber klar: «In diesen Kompositionen muss irgendetwas Kraftvolles sein. Warum sonst haben sie 500 Jahre überdauert?»

Jeder Klanghalt dauert 20 Minuten

Aus diesem Gedanken heraus und in Verbindung mit dem Reformationsjubiläum sei die Idee für die Reihe «Klanghalt» entstanden. 70 Vokal- und Instrumentalensembles tragen von morgen Samstag bis 7. Juli 2018 wöchentlich einen Luther-Choral vor. 35 Wochen lang, bei jedem Wetter. Zwischen den Musikbeiträgen gibt es eine Pause, um innezuhalten und einem Gedicht zu lauschen. Jeder Klanghalt dauert 20 Minuten. So lasse er sich einfach in den Alltag integrieren, sagt Natter. «Zwischen der Alltagshektik und dem Sonntag soll ein Unterbruch entstehen.» Deshalb beginne jeder Klanghalt um 17 Uhr. «Die Zuhörer können im Klang Halt finden und zu Ruhe kommen.»

Gesucht ist nicht nur Publikum, für die Reihe werden auch Aktive gesucht. Genügend Musikerinnen und Musiker zu finden, sei schwer, sagt Natter. Die Klanghalte seien halt auch eine verrückte Idee. Dafür müsse man 70 Ensembles finden und das Publikum für Choräle begeistern. Wobei Letzteres eigentlich keine Rolle spiele. Die Organisatoren suchten kein Rekordpublikum: «Wir wollen andere an unserer Freude teilhaben lassen.» Die Klanghalte würden einen Rahmen bieten, in dem sich die Seele öffnen könne. Der Kreuzgang zu St. Katharinen sei dafür sehr gut geeignet. «Wir befinden uns unter freiem Himmel. Es ist ruhig und die Akustik toll.» (mha)

www.klanghalt.ch


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