Altstadt St.Gallen: Statt leere Schaufenster lieber eine Zwischennutzung

POP-UP-STORES ⋅ Ein zwischengenutzter Laden ist besser als ein leerer Laden. Unter diesem Motto möchte die Stadt Liegenschaftenbesitzer dazu animieren, ihre freien Gewerbeflächen temporär zu vermieten. An Ideen mangelt es nicht.
09. April 2018, 06:20
Roger Berhalter

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

Ein leeres Schaufenster an bester Lage, das sieht niemand gern. Für die Detailhändler in der Nachbarschaft bedeutet es weniger Laufkundschaft. Für die Standortförderer bedeutet es fehlende Atmosphäre und eine sinkende Attraktivität der Lage. Wie man dem Ladensterben begegnen und die Innenstadt wieder beleben kann, dazu machen sich derzeit viele Fachleute Gedanken, im Projekt «Zukunft St.Galler Innenstadt». Eine Massnahme sind Zwischennutzungen. Die Idee: Statt einen Laden leer stehen zu lassen, bis ein Dauermieter gefunden ist, besser die Fläche temporär vermieten. Damit das Schaufenster nicht leer ist.
 

Eine Onlineplattform für Ladenflächen

«Die Nachfrage nach solchen Angeboten steigt», sagte Isabel Schorer, Leiterin der städtischen Standortförderung, vergangene Woche am öffentlichen Info-Anlass zur «Zukunft St.Galler Innenstadt». Deshalb möchte die Standortförderung nun Liegenschaftenbesitzer dazu animieren, vermehrt Ladenflächen temporär anzubieten. Einerseits setzt sie dabei auf die bestehende Online-Plattform www.popupshops.com , die Anbieter und Nachfrager zusammenbringt. Als «Air BnB für Retailflächen» könnte so eine Plattform einen neuen Markt erschliessen, sagte Schorer. Im Projekt «Pop-up-City» arbeitet die Stadt zudem mit der Stadt Zürich sowie den Fachhochschulen FHS St.Gallen und NTB Buchs zusammen, um Zwischennutzungen in der Innenstadt zu fördern. Konkreter soll das Projekt im Mai werden, dann ist eine Informationsveranstaltung angekündigt.

Es bräuchte aber noch mehr, findet Pino Stinelli. Der Mitgründer des Geschäfts «Klang und Kleid» hat bereits Erfahrungen mit Zwischennutzungen gesammelt. Im ehemaligen Schuhgeschäft Fricker an der Neugasse führte Stinelli von Ende November bis Ende Februar einen Klang-und-Kleid-Ableger. Mit seiner Facebook-Gruppe «Freie Ladenlokale St. Gallen» dokumentiert Stinelli zudem, welche Geschäfte in der Innenstadt schliessen, leer stehen oder wieder neu eröffnen. «Zwischennutzungen muss man aktiv bewirtschaften», sagt Stinelli. Um solche Projekte zu fördern, brauche es eine unabhängige Stelle, beispielsweise einen «City Manager», wie er derzeit im Gespräch ist. Dieser Meinung ist auch die Standortförderung. Eine «professionelle Begleitung in der Vermarktung von Zwischennutzungen ist zwingend nötig», lautet eine der Erkenntnisse aus einer Umfrage (siehe Zweittext).
 

Einkäufe in Schliessfächern deponieren

Eine weitere Erkenntnis: Pop-Up-Stores und andere Zwischennutzungen sind in der Stadt noch wenig bekannt. Hier möchte die Standortförderung Aufklärungsarbeit leisten und mit einer öffentlichen Hinweisliste die wichtigsten Fragen klären: Was muss bei einer Zwischennutzung vorab geklärt werden? Wer sind die Ansprechpersonen in der Verwaltung? Wie sieht ein typischer Mietvertrag aus? Wie kann sich der Vermieter absichern?

«Das lässt sich alles lösen», sagt Pino Stinelli. Für ihn sollten zwischengenutzte Ladenflächen mehr als nur Business sein. «Die Innenstadt braucht auch eine andere Art der Belebung.» Kulturelle Zwischennutzungen (wie aktuell im Konsulat an der Frongartenstrasse) dürfe man nicht vergessen. «Oder warum nicht anstelle eines Ladens einen Kinderhort einrichten? Das wäre ein guter Service für alle Einkaufenden.» Stinelli könnte sich vorstellen, Schliessfächer einzurichten, wo man die Einkäufe deponieren könnte, vielleicht sogar verbunden mit Ladestationen fürs Handy. Diese Stationen könnten auch als Abholstandort für Heimlieferungen fungieren. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht.