Kaffee, Yoga und eine App

TREFFPUNKT ⋅ Das Café International will die Integration stärken. Es richtet sich dafür genau so an Zuwanderer wie an Einheimische. Jeden Dienstag. In der Offenen Kirche.
23. Oktober 2017, 06:49
Marlen Hämmerli

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Mitten im Hauptraum der Offenen Kirche sind zwei Tische aneinandergestellt. Männer und Frauen sitzen dort aufgereiht auf beiden Seiten und plaudern miteinander. In einer Ecke bastelt eine Frau mit einer Gruppe Kinder. Im hinteren Teil des Raums steht eine kleine Bar. Die Atmosphäre ist gelöst. Auch wenn einige der Besucher des Café International noch etwas Mühe haben, sich auf Deutsch zu verständigen, ist klar: Alle geniessen sie den Austausch.

Projekt hat «bombastisch gut eingeschlagen»

Das Café International findet jeden Dienstag, 15 bis 18 Uhr, statt. Vor neun Monaten startete das Projekt. Und es hat Erfolg. «Es hat bombastisch gut eingeschlagen», sagt Heidi Humbel von der Frauengruppe Amigas. Im Rückblick sind sie und Projektleiter Theodor Pindl vom «Wirk­raum Kirche» sehr zufrieden. Durchschnittlich kommen zu jedem der Cafés etwa 20 Personen aus ebenso vielen Ländern.

«Wir haben hier Leute aus der Türkei, Venezuela, Kamerun oder Deutschland. Aber es kommen auch St. Galler», sagt Humbel. Dies entspricht dem Zweck des Cafés. In diesem sollen sich laut Theodor Pindl Leute mit und ohne Fluchtgeschichte begegnen und austauschen: «Hier können Personen aus Syrien oder Bern gemeinsam sitzen und etwas trinken. Durch diese Begegnung wird Integration erst möglich.»

Vor allem sollen die Migranten und Flüchtlinge aktiv beteiligt werden. Humbel nennt als Beispiel eine Migrantin, die im Sommer einen Yoga-Workshop durchführte: «Weil sie Kosmetikerin ist, wird nächstes Jahr auch ein Schminkkurs stattfinden.» Ganz toll sei die Geschichte des Syrers, der eines Tages kam und sein Projekt für eine App von Migranten für Migranten vorstellte, wirft Pindl ein. «Derzeit sind wir mit Programmierern und anderen Fachleuten daran, seine Idee zu verwirklichen.» Es helfe den Migranten, wenn sie sich einbringen könnten: «Auf diese Weise wird ihr Selbstbewusstsein gestärkt.»

Viele wollten sich 2015 aktiv engagieren

Die Idee fürs Café International entstand im vergangenen Jahr an einem runden Tisch an dem alle Hilfswerke und anderen Akteure aus St. Gallen teilnahmen. Nachdem 2015 sehr viele Flüchtlinge nach Europa gekommen waren, hatten sich viele freiwillige Helfer gemeldet. «Das Treffen sollte klären, welches Angebot in St. Gallen fehlt und wo sich diese Freiwilligen engagieren könnten», sagt Pindl. Der ökumenische Verein «Wirkraum Kirche» habe sich bereit erklärt, das Projekt zu organisieren. Später kam die interkulturelle Frauengruppe Amigas dazu. Sie bietet bereits seit längerem jede Woche einen zweistündigen Treff für Frauen an. «Wir treffen uns nun vor dem Café International und so fliessen die Anlässe ineinander über», sagt Humbel. «Gleichzeitig betreiben wir das eigentliche Café.»

Die nächsten zwei Jahre wird das Projekt noch vom Kanton und der Stadt St. Gallen sowie der Gemeinnützigen Gesellschaft, den Landeskirchen und weiteren Organisationen finanziell unterstützt. Wie es danach damit weitergeht, ist noch offen. Besuchern des Café International macht diese Unsicherheit nichts aus. Sie freuen sich, dass das Projekt überhaupt existiert.

www.wirkraumkirche.ch


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