Das St.Galler "Hörnli" wird Italienisch

WIRTEWECHSEL ⋅ Die St.Galler Traditionsbeiz Hörnli erhält neue Wirte. Sie unterziehen das Restaurant einer Auffrischungskur und bieten künftig auch italienisches Essen an. Aber Ghackets und Hörnli bleiben auf der Karte.
04. Oktober 2017, 06:45
Elisabeth Reisp

Elisabeth Reisp

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@tagblatt.ch

Erst im April dieses Jahres hat eine neue Wirtin das Zepter im «Hörnli» übernommen. Doch jetzt, nur ein halbes Jahr später, ist die Beiz schon wieder geschlossen. Es scheint fast, als wollte die Traditionsbeiz nicht mehr so richtig auf die Beine kommen. Etliche rasche Wirte­wechsel hat das «Hörnli» in den vergangenen Jahren erlebt. Seit 2004 haben zehn Pächter dort ihr Glück versucht.

Das «Hörnli» bleibt aber nicht geschlossen. Im Gegenteil. «Wir wollen neues Leben ins «Hörnli» bringen», sagt Kristina Zebel. Sie und ihr Mann Jeton Tairi werden ab Dezember das Restaurant am Marktplatz im Stadtzentrum führen.

Eine Terrasse für die lauen Sommermonate

Die neuen Wirte sind in der Region keine Unbekannten. Zebel und Tairi führen seit sieben Jahren das «Il Pomodoro» in Herisau. Schon seit längerem hegen sie den Wunsch, zusätzlich ein Restaurant mit Garten oder Terrasse zu führen. «Nur mit einer Terrasse ist auch eine gute Auslastung in den Sommermonaten möglich», sagt Zebel. Ein erster Versuch mit der «Sonne» in Abtwil scheiterte, da ein Erweiterungsbau mit Wintergarten und Terrasse von der Behörde abgelehnt wurde. Zebel und Tairi zogen sich als Pächter zurück. Mit dem «Hörnli» haben sie nun ein «ideales Restaurant mitten in der Stadt» gefunden, das über Aussensitzplätze verfügt.

Die Liegenschaft erworben hat die Global Immobilien GmbH, die dem Bruder von Jeton Tairi gehört. So bleibe alles in der Familie, sagt Zebel. Das in die Jahre gekommene Restaurant wird derzeit saniert. «Alles muss raus, alles wird neu», sagt Zebel. Neue Küche, neues Mobiliar, neues Team. Die Menukarte soll in Deutsch, aber auch in englischer Sprache verfasst sein. «Wir wollen auch für Touristen ein beliebtes Ziel werden.»

Ginge es nach den neuen Wirten, soll das «Hörnli» im Dezember wiedereröffnen. Alles stehe und falle aber mit der Denkmalpflege, gibt Zebel zu bedenken. Denn diese habe beim Umbau der alten Liegenschaft zwischen Markplatz und Neugasse ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Die denkmalgeschützte Liegenschaft wird einer Gesamtrenovation unterzogen. Daher werden auch die Wohnungen in den oberen Stockwerken erneuert.

Risotto genauso wie Hörnli und Ghackets

Wenn das «Hörnli» dereinst wieder offen ist, haben die Gäste die Wahl zwischen «gehobener italienischer oder Schweizer Küche», sagt Zebel. Die Karte lehne sich an jene des «Il Pomodoro» an. Hörnli und Ghackets oder Bratwurst werden aber auch im neuen «Hörnli» nicht fehlen.

Bereits die vorherigen Pächter, die La Luna GmbH aus Romanshorn, wagte den Versuch, im «Hörnli» auf Italienisch zu machen. Mit der jungen Wirtin hielt ab April aber wieder die gutbürgerliche Schweizer Küche Einzug.

Ein Haus mit Geschichte

Das Haus am Markplatz 5 ist eine schmale Liegenschaft, die sich zwischen dem wuchtigen Restaurant Marktplatz und dem hervorstehenden Café Zentrum behauptet. In den unteren zwei Etagen befindet sich das Restaurant Hörnli, in den oberen drei sind Wohnungen. Erstmals erwähnt wird das Haus 1720 als «Taverne zum Posthof». 1933 wurde es aber ein Opfer der Flammen. Das «Hörnli» wie es jetzt dasteht, wurde im Jahr 1934 errichtet. Ob es auch unter den neuen Pächtern als «Hörnli» weitergeführt wird, sei noch offen, sagt Kristina Zebel. «Aber sehr wahrscheinlich schon.»


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