Hoch gepokert - und alles verloren

KOMMENTAR ⋅ Das Aus für das Parkhaus-Projekt Schibenertor sei allein schon aus verkehrspolitischer Sicht zu begrüssen, schreibt Stadt-Redaktor David Gadze in seinem Kommentar. "Wenn aus dem Millionengrab eine neue Bibliothek steigen würde, wäre das ein Glücksfall."
19. Juni 2017, 21:57
Jahrelang schmiedete die Investorengemeinschaft um die Cityparking AG Pläne für ein Parkhaus am Schibenertor. Nun ist daraus ein Millionengrab geworden, das mit den Helvetia-Versicherungen einer aus ihrer Mitte geschaufelt hat. Das Aus ist allein schon aus verkehrspolitischer Sicht zu begrüssen. Verschiedene Diskussionen, die aufgrund des hängigen Verfahrens blockiert waren, haben sich nun entweder erübrigt oder können wieder aufgenommen werden. Zentral wird die Frage sein, wie der Stadtrat nun mit den oberirdischen Parkplätzen in der und um die Altstadt umgehen will. Er muss Antworten finden, die den postulierten Zielen im Mobilitätskonzept gerecht werden.

Die Investoren haben hoch gepokert – und am Ende alles verloren. Bereits die Abstimmung im Mai 2011 über die erste Marktplatzvorlage, deren Bestandteil auch eine (damals noch grössere und mit Steuergeldern mitfinanzierte) Tiefgarage war, hatte gezeigt, dass es viel Widerstand gegen ein solches Bauvorhaben gibt. Die Quittung dafür war ein Nein des Stimmvolks, das unter anderem dem Parkhausprojekt geschuldet war. Und auch angesichts der breiten Opposition gegen den zweiten Anlauf hätten die Investoren – allen voran die Cityparking AG – zumindest Gesprächsbereitschaft signalisieren müssen. Indem sie unnachgiebig an ihren Positionen festhielten, haben sie den Druck selbst verstärkt. Dass die Helvetia-Versicherungen nun auch aus Angst vor einem Reputationsschaden ausgestiegen sind, ist ein deutliches Indiz dafür, dass das Projekt auch intern umstritten war.

Wenn aus dem Millionengrab eine neue Bibliothek steigen würde, wäre das ein Glücksfall. Die Suche nach einem Ort für Bücher ist mindestens so wichtig wie diejenige nach Parkplätzen.

David Gadze
david.gadze@tagblatt.ch

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