Raue Töne wegen geschliffenen Pflasters

NEUGASSE ⋅ Derzeit wird die neue Pflästerung in der südlichen Neugasse nachgebessert, damit sie besser befahr- und begehbar wird. Die Neugass-Gesellschaft kritisiert das Vorgehen. Die Stadt habe frühere Beanstandungen ignoriert und reagiere nun mit einer Alibiübung.
26. Juli 2017, 07:03
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

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Die Steine sind bereits fertig geschliffen. Zwar hatte das städtische Tiefbauamt eine zwei- bis dreiwöchige Bauzeit in Aussicht gestellt, das Schleifen und Flammen der Pflastersteine in der Neugasse ging aber schneller voran als geplant. Zu dieser Massnahme hatte sich die Stadt entschieden, weil bereits kurz nach der Einsetzung der bruchrohen Granitsteine Kritik an der Begehbarkeit des Pflasters laut geworden war.

So wurde im Stadtparlament aus den Reihen von CVP und FDP moniert, die Pflästerung sei für gehbehinderte und ältere Personen ungeeignet. Auch die mangelnde Befahrbarkeit mit Rollstühlen oder Kinderwagen wurde beanstandet. Mit der nachträglichen Bearbeitung soll das nun besser, die Oberfläche runder und flacher werden. «Die Arbeiten sind sehr gut vorangekommen», sagt Stadtingenieur Beat Rietmann auf Anfrage. Es sei besser gelaufen als angenommen, bis heute Abend sind die Arbeiten abgeschlossen. Und auch die bis jetzt noch nicht besonders zahlreichen Rückmeldungen, die Rietmann erhalten habe, seien durchs Band positiv.

Ein Nachtragskredit ist nicht nötig

Nach der anfänglichen Kritik vergangenen Sommer habe das Tiefbauamt umgehend reagiert und in Absprache mit dem Behindertenverband Pro Cap nach einer Lösung gesucht: «Wir haben im Werkhof verschiedene Musterflächen erstellt und mit Betroffenen dort begangen.» Die Direktionsvorsteherin habe dann basierend auf den Vorschlägen des Tiefbauamts entschieden, die Pflästerung nachzubessern. Die Kosten für die Nachbesserung kann der Stadtingenieur noch nicht abschliessend beziffern. «Es kostet jedenfalls, wenn überhaupt, nur unwesentlich mehr, als wenn die Steine bereits im Steinbruch geschliffen und geflammt und somit bearbeitet auf die Baustelle geliefert werden.» So sei das im Übrigen auch bei den Steinen in den meisten anderen Gassen, die bereits neu gepflästert wurden, gehandhabt worden. Einen Nachtragskredit brauche es also nicht. «Wir werden die Arbeiten in der südlichen Neugasse im Rahmen des Kredites abrechnen, den das Stadtparlament 2015 gesprochen hat», sagt Rietmann. Der Kredit lag in der Höhe von 588 000 Franken. Nicht ganz glücklich mit der Nachbesserung der Pflästerung der Neugasse ist Matthias Schwyter. Der Präsident der Neugass-Gesellschaft sagt, die Gasse habe bereits vor dem Einsetzen der Steine im südlichen Teil auf die Mängel hingewiesen. «Die Stadt teilte unsere Bedenken damals aber nicht», sagt Schwyter. Und dies obwohl auch im unteren Teil der Gasse, die vor rund 15 Jahren mit denselben bruchrohen Steinen gepflästert wurde, Probleme auftauchten. «Dieser Teil ist genauso holprig wie der südliche Teil. Hier hat die Stadt aber nicht geschliffen oder geflammt.»

«Kann nicht sein, dass es nicht mehr kostet»

Auch das Argument, die nachträglichen Arbeiten kämen kaum teurer, erstaunt Schwyter. Das sei «beruhigende Schönfärberei», sagt er. Der Präsident der Neugass-Gesellschaft findet, eine Gasse, die auch für Gehbehinderte und Kinderwagen gut zu passieren sei, gehöre nun einmal zum Komfort, den eine Stadt bieten müsse. «Dies zunächst leichtfertig zu vernachlässigen und dann mit einer nachträglichen Abschleif-Übung halbwegs zu korrigieren, empfinde ich als peinlich», sagt Schwyter.

Vor Jahren habe man beim Durchgang vom Oberen Graben zur Neugasse bereits einmal Tests zur Veränderung der Pflasteroberfläche durchgeführt. Diese seien aber im Sand verlaufen. «Das Marktumfeld für das Gewerbe in der Innenstadt ist ohnehin schwierig genug», sagt Schwyter. Die Kundschaft reagiere auf anhaltende Bauarbeiten und schlecht begehbare Gassen sensibel: «Und die meisten Kunden reklamieren nicht aufgrund dieser Umstände, sondern entscheiden sich einfach um und kaufen andernorts ein.»

Im nördlichen Teil sind die Steine abgerundet

Stadtingenieur Beat Rietmann bestätigt, dass «vor vielen Jahren» einmal beim Durchgang zum Oberen Graben mit Stocken, also der Bearbeitung der Pflasterstein-Oberfläche mit einem Hammer, ein Test durchgeführt worden waren. «Es blieb aber beim Versuch, weil das Resultat wohl insbesondere ästhetisch nicht zu überzeugen vermochte.» Auch dass der untere, nördlichere Teil der Gasse im Rahmen der derzeit laufenden Arbeiten nicht nachträglich geschliffen und geflammt wird, habe seinen Grund. «Die dort eingesetzten Pflastersteine haben sich im Verlauf der Jahre doch schon stark abgerundet.»


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