Kranke Eschen sind ein Sicherheitsrisiko

SCHÄDLING ⋅ Eine Pilzkrankheit setzt Eschen schwer zu. Über 400 solcher Bäume stehen heute auf Stadtgebiet, die Mehrheit davon ist betroffen. Entlang von Strassenzügen stellen die kranken Bäume ein Risiko dar – und werden dort schneller gefällt als in den Wäldern.
31. Juli 2017, 05:17
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Fast 10000 Bäume gibt es in der Stadt – die Wälder im Grünen Ring nicht mitgezählt. 440 davon sind Eschen. Sie sind fast in jedem Quartier anzutreffen: Auf dem Kinderfestplatz stehen welche, beim Mühleggweiher und an der Kesselhaldenstrasse beim Ostfriedhof steht eine ganze Allee. Die Esche leidet aber seit geraumer Zeit unter einer aggressiven Pilzkrankheit – dem Eschentriebsterben, auch Eschenwelke genannt. Immer wieder mussten Eschen in den vergangenen Jahren deshalb gefällt werden.

Im Sommer 2015 mussten zum Beispiel solche Bäume an der St.-Georgen-Strasse beim Schokoladenweg weichen, weil sie von der Pilzkrankheit befallen waren. Und jedes Jahr kommen neue Fällungen dazu – nicht nur an exponierten Lagen wie in St. Georgen, sondern auch in den Wäldern. Das Kantonsforstamt wendet sich nun, da das Eschentriebsterben fast unaufhaltsam weitergeht, mit Empfehlungen an Waldbesitzer. So empfiehlt es unter anderem, nur wenig Pflegeaufwand in Eschenbestände zu investieren und keine Neupflanzungen vorzunehmen.

Nur wenige Eschen sind noch nicht befallen

Bei der Ortsbürgergemeinde St. Gallen, welche die Wälder auf Stadtgebiet betreut, kennt man das Problem des Eschentriebsterbens seit geraumer Zeit. «Der grösste Teil der Eschen in den Wäldern der Ortsbürgergemeinde ist vom Eschentriebsterben befallen», sagt Urban Hettich, Leiter Forst und Liegenschaften. Er teilt die Einschätzung des Kantonsforstamts und betont, dass sich die Ortsbürgergemeinde an deren Empfehlungen halte. «Es würde auch überhaupt keinen Sinn ergeben, angesichts der aktuellen Befallsituation neue Eschen zu pflanzen.» Es gebe aber, auch auf Stadtgebiet, durchaus noch Eschen, die nicht von der Pilzkrankheit befallen seien. Diese würden gemeldet werden, damit verzeichnet werden könne, wo noch gesunde Eschen stehen. «Wir schätzen, dass einer von zehn solcher Bäume gesund ist.» Deshalb sei es wichtig, jene Bäume, die nicht vom Eschentriebsterben befallen seien, zu fördern und zu erhalten.

Bis heute fehlen wirksame präventive Massnahmen, um die Esche vor der Pilzkrankheit zu schützen. Man sei deshalb besonders an den gesunden Bäumen interessiert und folge auch der Anweisung des Kantonsforstamtes, diese Bäume in belaubtem Zustand anzuzeichnen. «Die ganze Hoffnung der Waldfachleute liegt im Moment auf den wenigen Eschen, die noch nicht vom Eschentriebsterben befallen wurden», sagt Hettich. Man hofft nämlich, dass diese eine natürliche Resistenz gegen die Krankheit haben und auch die Nachkommen dieser Eschen diese Resistenz in sich tragen. «Deshalb ist es wichtig, nicht auch noch gesunde Eschen zu fällen.»

Wichtige Baumart für den Wald

In den Wäldern der Ortsbürgergemeinde ist die Esche seltener anzutreffen als auf dem übrigen Stadtgebiet. «Sie ist mit einem kleinen Anteil in unseren Wäldern vorhanden und macht ungefähr 1,5 Prozent des gesamten Holzvorrates aus», sagt Hettich. Allerdings sei die Esche eine wichtige Baumart für den Wald, vor allem für eher feuchtere Stand­orte, zum Beispiel entlang von Bächen. Bis schliesslich Eschen in den Wäldern gefällt werden, muss aber mehr passieren als zum Beispiel an einer stark befahrenen Strasse.

Erst fällen, wenn ein Risiko besteht

«Kranke Eschen werden in der Regel erst gefällt, wenn sie ein Risiko darstellen. Der Standort eines befallenen Baumes spielt eine grosse Rolle für die Risikobeurteilung», sagt Urban Hettich. Und die unterschiedliche Risikolage wirke sich auch auf die Kontrollen aus, welche die Ortsbürgergemeinde regelmässig bei Eschen durchführt. «Entlang von Gemeindestrassen oder der Autobahn führen wir öfter Kontrollen durch als bei Walderschliessungsstrassen», sagt Hettich. Dies, weil das Sicherheitsrisiko in dicht besiedeltem Gebiet grösser ist. Ein Symptom des Eschentriebsterbens ist nämlich unter anderem das Absterben der Äste, die dadurch drohen, auf Passanten oder Gebäude zu fallen.


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