Endlich raus aus dem Estrich

SAMMLUNG ⋅ Mit dem Auszug des Naturmuseums ist im Untergrund des Stadtparks Lagerfläche frei geworden. Zukünftig soll das Historische und Völkerkundemuseum sie nutzen. Bis es so weit ist, müssen aber 70 000 Objekte aus dem Dachstock gezügelt werden.
20. Juli 2017, 05:16
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

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Unter dem Stadtpark hat es einen Stauraum für kulturelle Schätze. Auf über 1000 Quadratmetern lagerten hier im Untergrund bis vergangenen Herbst Sammlungsstücke, die in keiner Ausstellung Platz fanden. Seit das Naturmuseum aber im November in den Neubau im Osten gezogen ist, steht etwa die Hälfte der Lagerfläche im sogenannten Kultur­güterschutzraum leer. Wo früher Tierpräparate lagerten, sollen nun Möbel, Einbauten, Textilien und andere Kulturgüter des Historischen und Völkerkundemuseums verstaut werden.

Seine rund 70 000 Objekte umfassende Sammlung lagert das Museum nämlich im Estrich seines Gebäudes sowie im Kirchhoferhaus an der Museumsstrasse. Und das genügt den Anforderungen an empfindliches Kulturgut nicht. Damit die umfassende Sammlung des Historischen und Völkerkundemuseums aber überhaupt in den Untergrund verfrachtet werden kann, braucht es zusätzliche Expertise und per­sonelle Ressourcen. Aus diesem Anlass beantragt der Stadtrat dem Parlament einen ausser­ordentlichen Kredit in der Höhe von rund 360 000 Franken.

Temperaturen im Dachstock schaden den Objekten

Der Umzug, der im Januar 2018 beginnen soll, nimmt rund zwei Jahre in Anspruch. Für diese Zeit will das Museum eine wissenschaftliche Fachkraft und eine Restauratorin anstellen. Zu den Lohnkosten kommen rund 60 000 Franken für den Umzug dazu. «Neben dem Normalbetrieb ist eine solche Zügelaktion unmöglich zu stemmen. Wir brauchen zusätzliches Personal», sagt Daniel Studer, Direktor des Historischen und Völkerkundemuseums. Bei dem Umzug handle es sich um ein «Jahrhundertwerk», denn vieles, was sich im Estrich des Museums angesammelt habe, sei während Jahrzehnten kaum mehr bewegt worden. «Alles muss inventarisiert, fotografiert und dokumentiert werden, bevor es in den Lagerraum gezügelt wird.» Die Mühe lohne sich aber: Heute habe man unhaltbare Zustände im Dachgeschoss. Dieses sei nämlich nicht isoliert, wodurch es zu grossen Temperaturschwankungen komme. «Das ist bei organischen Stoffen wie Leder und Holz besonders heikel. Aber auch Gemälden, Textilien und Grafiken tun diese Schwankungen nicht gut.»

Nicht nur die klimatischen Bedingungen, auch die Logistik wird im unterirdischen Lagerraum einfacher sein. «Heute haben wir alle Objekte in beschrifteten Boxen verstaut. In Zukunft wird es möglich sein, die Objekte auch frei auszustellen», sagt ­Studer. So bleibe der Raum, der ­jeweils an der Museumsnacht ­öffentlich zugänglich ist, auch in Zukunft eine Attraktion für Be­sucher.

Hoffen auf überraschende Funde

«Was wir zügeln, werden wir danach nicht so schnell wieder bewegen», sagt Studer. Dieser Umstand verlange nach einem sorgfältigen Konzept und einem genauen Plan, wo was verstaut werden soll. Und der Umzug des Lagers bietet die Gelegenheit, Verlorengeglaubtes wiederzufinden. «Wir sind gespannt, auf welche Objekte wir stossen.» Es sei wie bei einem privaten Umzug. «Beim Packen stösst man manchmal auf Dinge, die man schon verloren glaubte.» Das Stadtparlament entscheidet am 22. August über die Bewilligung des Kredits.


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