Ein Juwel aus der Stickereizeit

PLATZ ⋅ Das über hundert Jahre alte Gebäude am Bahnhofplatz 1 ist mit Baugerüsten eingepackt. Die Südostbahn baut ihre Büroräume um. Im Erdgeschoss zieht bald die vegetarische Restaurantkette Tibits ein.
27. Juli 2017, 07:05
Christoph Renn
Bagger, Lastwagen und Absperrgitter prägen den Bahnhofplatz seit Beginn der Neugestaltung. Doch nicht alle Bauarbeiten dienen der Gestaltung des Platzes. Denn auch das markante Gebäude am Bahnhofplatz 1 ist mit Baugerüsten eingepackt. Am 3. Oktober 2016 hat die Südostbahn (SOB) begonnen, ihren Hauptsitz umzubauen. Rund 7,5 Millionen Franken investiert die SOB. «Der Ausbau und die Sanierung sind ein klares Bekenntnis zum Standort St.Gallen», sagt Medien­sprecherin Ursel Kälin. In den unteren Stockwerken, in den ehemaligen Räumen von St. Gallen-Bodensee Tourismus, zieht bald die vegetarische Restaurantkette Tibits ein (siehe Zweittext).

Das Juwel der Stickereiblüte wurde von 1907 bis 1908 durch die Eidgenössische Bank gebaut. Es war eines der ersten Beton-Skelettbauten seiner Zeit. Die vielen grossen Betonträger sind Zeichen dieser Bauweise. «Dies hat uns bei der Raumaufteilung vor Herausforderungen gestellt», sagt Thomas Albrecht, Leiter Immobilien bei der SOB. So sind die Räume zwar hoch und offen, doch werden sie durch die Betonträger geteilt.

Die Tresorräume sind leer und die Goldbarren weg

Noch braucht es viel Vorstellungskraft, um in den leeren Stockwerken die geplanten Büroräume zu erkennen. Es hängen Kabel von der Decke, und es wird gespachtelt und gestrichen. Türen und Fenster sind noch nicht eingebaut. Doch eines sticht bereits jetzt heraus: An den Decken sind die alten Stuckaturen zu sehen. Und das wird auch so ­bleiben: «Das war eine der Vorschriften der Denkmalpflege», sagt Albrecht. Auch die Fassade und der Eingang zum «Tibits» müssen erhalten bleiben. Der Eingangsbereich mit seiner runden Kuppel besteht aus goldenen Wand­malereien. Was aussieht wie ein goldener Brunnen, symbolisiert den Goldrausch der Bank. Im unteren Stockwerk bleiben die ehemaligen Tresorräume sichtbar. Auch ein alter Safe steht noch herum. «Nur Goldbarren findet man keine mehr», sagt Albrecht.

Bis die 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SOB von ihren provisorischen Büros im Neumarkt 4 wieder in ihr Gebäude ziehen können, wird es noch eine Weile dauern. «Die Umbauarbeiten dauern noch bis Ende November», sagt Albrecht. Der Zeit- und auch der Kostenplan könnten aber eingehalten werden. «Das war nicht unbedingt zu erwarten.» Doch hätten nur kleinere Schäden ausgebessert werden müssen.

Die SOB, damals noch die Bodensee-Toggenburg-Bahn, hat das Gebäude mit Sandsteinfassade 1946 von der Eidgenössischen Bank abgekauft. Gleichzeitig wurde das Verkehrsbüro des Verkehrsvereins der Stadt St. Gallen Mieter im Erdgeschoss.


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