Die unsichtbare Sanierung

INSTANDHALTUNG ⋅ Das Waaghaus wird derzeit saniert. 660000 Franken kostet das Unterfangen. Sehen wird man allerdings nachher nicht viel davon, saniert wird nur das Notwendigste. Aus einem guten Grund.
11. August 2017, 06:46
Elisabeth Reisp

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp@tagblatt.ch

Gemütlich ist’s im Waaghaus wahrlich nicht. Die Inneneinrichtung spiegelt den Zeigeist der 1960er-Jahre wider. Mobiliar, Holzvertäfelung und Infrastruktur erinnern an einen in die Jahre gekommenen Kirchgemeindesaal. Im Winter zieht’s im Saal wie Hechtsuppe, im Sommer macht drückende Hitze den Parlamentariern und Besuchern zu schaffen. Wenig verwunderlich kommt immer wieder mal der Umzug des Stadtparlaments in die Pfalz aufs Tapet. Der Saal des Kantonsrats ist wohl alt, aber besser ausgerüstet als jener der Stadtparlamentarier im Waaghaus. Für den Moment hat sich das Stadtparlament aber geeinigt, vorerst im alten Speicher am Marktplatz zu bleiben. Daher wird das Waaghaus derzeit so saniert, dass künftig ohne klimatische Unannehmlichkeiten politisiert werden kann. Die Sanierungsarbeiten dauern noch bis Ende Monat, so dass das Parlament im September wieder am Bohl tagen kann.

Zehn Jahre muss es halten

Bereits im letzten Jahr wurde ein entsprechender Baukredit über 660000 Franken gutgeheissen. Was sich nach viel Geld anhört, wird aber nur wenige sichtbare Spuren hinterlassen. Der grösste Teil des Geldes, 370000 Franken, wird in die Ertüchtigung und Automatisierung der Heizung und Lüftung investiert. «Das Haus muss wieder behaglich werden», sagt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner.

Die Auflage an die Sanierung lautete: Das Haus so in Schuss zu stellen, um weitere zehn Jahre darin tagen zu können. Aber nichts sanieren, was bei einer allfälligen Grossrenovation wieder hinfällig wird. «Eine Herausforderung, um nicht zu sagen eine Gratwanderung», sagt Rechsteiner.

Das Waaghaus erhält neu im Foyer eine behindertengerechte Unisex-Toilette. Diese sollen in erster Linie jene Personen benützen, die darauf angewiesen sind. Aber auch Parlamentariern und Besuchern soll sie offenstehen. Bisher, und auch weiterhin, befinden sich Haupttoiletten unter dem Waaghaussaal und sind nur über eine Wendeltreppe zu erreichen. Bei diesen Toilettenanlagen werden lediglich defekte Apparate ersetzt und die Oberflächen aufgefrischt.

Weniger Sanierung als notwendige Instandhaltung

Das Waaghaus erhält zudem einen kompletten Neuanstrich. Bestehende Leuchtmittel werden durch energiesparende LED ersetzt. Im Foyer werden ein paar wenige zusätzliche Leuchten eingebaut, damit der Raum etwas heller wird. Im Parlamentssaal selbst wird nebst dem Anstrich wenig gemacht. Die Pulte und Sitzbänke werden lediglich aufgefrischt und wo nötig repariert. Rechsteiner will denn auch weniger von einer Sanierung sprechen, als von einer «Ertüchtigung des alten Hauses». Die Bausubstanz sei hervorragend. «Diese Haus ist 500 Jahre alt und steht da wie eine Eins.»

Das Waaghaus sei kein so schlechter Bau, wie manche meinen. Ob es gut genug ist, um auch in zwanzig Jahren noch als Tagungsort des Parlaments zu dienen, sei in erster Linie eine politische Frage, sagt er. «Von der Bausubstanz und dem Charakter des Hauses her aber auf jeden Fall.» Der Bau verfüge nicht nur über eine gute Substanz, es sei auch historisch wertvoll. «Der ursprüngliche Zweck des Hauses ist in der Architektur gut lesbar und damit eine wunderbare Ausgangslage.» Das alte Interieur sei nicht massgeblich, sondern eine Modeerscheinung. Davon sollte man sich in seinem Urteil über das Waaghaus nicht beeinflussen lassen. Hansueli Rechsteiner ist überzeugt: «Mit diesem Bau könnte man arbeiten.» Vorderhand wird das Waaghaus aber erst einmal für die nächsten zehn Jahren auf Vordermann gebracht. Was danach mit dem Haus passiert, muss erst noch entschieden werden.


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