Die Doktoren im Hintergrund

KANTONSSPITAL ⋅ Die Ärzte des Instituts für Pathologie des Kantonsspitals St.Gallen untersuchen pro Jahr rund 300'000 Gewebeproben. Ihre Befunde liefern wichtige Informationen für die nötige Behandlung. Unterstützung erhalten sie von den Beatles. Und Yoko Ono.
25. Juli 2017, 07:13
Christoph Renn

Christoph Renn

christoph.renn@tagblatt.ch

Versteckt hinter Bäumen, zwischen Kirche St.Fiden und Frauenklinik, liegt das Haus Nummer 11 des Kantonsspitals St.Gallen. Ein modernes Gebäude, das 2011 bezogen wurde und das nur wenige Patienten von innen zu sehen bekommen. Im ersten Stock befindet sich das Institut für Pathologie. Die Räume sind lichtdurchflutet und aufgeräumt. Und alle Büros der 20 Ärzte haben eines gemeinsam: Auf jedem Pult steht ein grosses Mikroskop: «Das brauchen wir für unsere tägliche Arbeit», sagt Chefarzt Wolfram Jochum.

Unter die Lupe der Fachärzte kommen pro Jahr rund 300000 Objektträger mit Zell- und Gewebeproben. Vermutet ein Arzt beispielsweise eine Krebserkrankung, liefert er eine Gewebeprobe an die Pathologie. «Wir stellen die Krebsdiagnose und geben diese Informationen an den behandelnden Arzt zurück, damit der Patient die richtige Therapie erhält», erklärt Jochum. Das Institut sei so etwas wie das Backoffice der klinischen Fachdisziplinen. Auch die Arbeitszeiten gleichen denen eines Büros. «Ein Arbeitstag des Instituts dauert normalerweise von 7 bis 17.30 Uhr.»

Dass man sich in einer Abteilung des Spitals und nicht in einem Geheimlabor des FBI befindet, ist nur an den weissen Kitteln der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkennbar. Es gibt keine Patientenzimmer, keine Medikamentenlager, keine Röntgengeräte und keine Spritzen. Dafür sind die Labors mit den modernsten Geräten ausgerüstet, um aus den Gewebeproben hauchdünne Schnitte herzustellen. «Die Gewebeschnitte, die wir unter dem Mikroskop untersuchen, sind nur zwei Mikrometer dünn», sagt Jochum. Also 0,002 Millimeter. Und sie sind eingefärbt. Für die richtigen Farbtöne sind unter anderem die Beatles zuständig. Ja, die Musiker der britischen Band: In einem der Labors haben die biomedizinischen Analytikerinnen die Geräte auf die Namen der Musiker getauft – und sie mit den entsprechenden Fotos versehen. «Am Anfang hatten wir vier solcher Geräte, also für jeden Beatle eines.» Dann sei jedoch ein fünftes hinzugekommen. So hat nun auch Yoko Ono ihren Platz im Institut erhalten. Bei einem Defekt wisse jeder Mitarbeiter, ob nun John Lennon oder Paul McCartney ausgestiegen sei.

Alle Proben landen im hauseigenen Archiv

Andere Bilder hängen im Institut nicht. Das scheint die Stimmung der insgesamt 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Institut für Pathologie nicht zu dämpfen. Auf den Gängen wird gelacht, in der Cafeteria geplaudert. Doch in den Labors herrschen Ruhe und Konzentration. «Wir dürfen uns keine Fehler erlauben», sagt Jochum. «Wir können nicht einfach eine weitere Gewebeprobe bestellen.» Die Verarbeitung der Proben sei ein aufwendiger Prozess. Nach der Befundung werden alle Objektträger archiviert, um jederzeit verfügbar zu sein. Allerdings werden sie nicht, wie die Geräte, mit Namen von Musikern versehen, sondern lediglich mit langen Nummern.


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