Begleiter beim Abschied

SEELSORGE ⋅ Im Spital sind Krankheit und Tod stets präsent. Suchen Patienten und Angehörige Hilfe durch den Glauben, erhalten sie Unterstützung von einem siebenköpfigen Seelsorgerteam. Egal, welcher Konfession sie angehören.
10. August 2017, 06:30
Christoph Renn

Christoph Renn

christoph.renn@tagblatt.ch

Er grüsst die Mitarbeitenden des Kantonsspitals auf den Gängen und im Park. Er spricht mit ihnen, fragt nach ihrem Empfinden. Der katholische Spitalseelsorger Sepp Koller ist ein bekanntes Gesicht auf dem Areal. Er führt viele Gespräche pro Tag und bleibt dabei immer freundlich und mitfühlend. Diese Gespräche sind es, die den Grossteil seiner Arbeit ausmachen. Er unterhält sich mit Patienten und Sterbenden. Zusammen Leid und Trauer zu verarbeiten, ist sein Ziel: «Dabei steht immer der Mensch im Zentrum», sagt Koller.

Das Kantonsspital St. Gallen arbeitet mit einem Team von drei Seelsorgern und vier Seelsorgerinnen. Drei sind evangelisch-reformiert und vier sind römisch-katholisch. Über einen Pikettdienst sind sie rund um die Uhr zu erreichen. Gehört ein Kranker oder Sterbender einer anderen Religion oder Konfession an, vermittelt das Team auf Wunsch externe Seelsorgerinnen und Seelsorger. So gibt es für jede der Weltreligionen Ansprechpartner in unterschiedlichen Sprachen. Dasselbe gilt für Konfessionen wie beispielsweise Pfingstgemeinden. Zudem gibt es im Kantonsspital eine eigene Kapelle. Vorerst jedoch nur für Katholiken. Die Reformierten feiern ihre Gottesdienste im Foyer des Hauses 21. Aber nicht mehr lange: «Im kommenden Jahr wird die Kapelle renoviert und steht dann für beide Konfessionen zur Verfügung», sagt Koller. In der Rückwand gibt es auch Nischen für andere Religionen.

Eine Kerze in Gedenken an die Patienten anzünden

In seinem Büro verbringt Koller nur wenig Zeit. Oft ist er unterwegs, besucht Patienten oder bereitet die wöchentlichen Gottesdienste vor. Ein steter Begleiter bei seiner Arbeit ist der Tod. Im Kantonsspital verlieren rund 800 Personen pro Jahr ihr Leben. Deshalb verfügt das Spital auch über zwei Aufbahrungsräume, wo die Angehörigen Abschied nehmen können. Bei der Abschiedszeremonie ist manchmal auch Sepp Koller dabei. Er betreut die Angehörigen, hört zu und schenkt Mitgefühl. Tag für Tag. Er ist da, wenn Patienten und Angehörige Hilfe und Stärkung durch den Glauben suchen. Ihm gehen die Schicksale nahe. Er lässt Gefühle zu. «Das ist das Wichtigste. Man darf keine künstliche Professionalität entwickeln.» Er selbst schöpft Kraft durch Gespräche mit seiner Familie, dem Team und durch den Glauben. Und jeden Abend zündet er in Gedenken an die Patienten eine Kerze an. «Dieses Ritual gibt mir das Gefühl, nicht allein zu sein und dass Gott für alle da ist.»


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