Servus «Züghüsli»

ST.GALLEN ⋅ Ilse Schneider vom legendären «Zeughaus» im St.Galler Klosterviertel hört Ende Juli auf und geht in Pension. Ihr Abschied ist Teil eines kleinen Domino-Effektes in der Gastroszene der südlichen Altstadt.
15. Juli 2017, 05:18
Beda Hanimann

Beda Hanimann

beda.hanimann

@tagblatt.ch

Ilse Schneider hält sich an den Evergreen aus ihrer österreichischen Heimat. Ende Juli hört sie nach fast zehn Jahren im Restaurant Zeughaus auf – und sagt zum Abschied am liebsten einfach leise Servus. «Etwas in der Zeitung bringen? Das können Sie von mir aus, aber ohne mich», sagt sie, und die Sache ist für sie erledigt.

Schade, denn die Frau hätte viel zu erzählen. Vor 45 Jahren kam sie in die Schweiz, vom ersten Tag an war sie im Gastgewerbe tätig. Etwa in der alten Militärkantine, wo sie sich noch für jedes Getränk vier verschiedene Preise merken musste, je nachdem, ob sie es einem normalen Gast, einem Soldaten, Offizier oder sonst wem servierte.

Grosse Spuren hinterliess Ilse Schneider im «Papagei» in den Hinterlauben. Bis vor zehn Jahren war sie dort Wirtin und Gastgeberin einer weit verzweigten Stammkundschaft aus Vereinen, Studentenverbindungen, politischen Parteien. Auf die Fasnacht 2008 (der Termin war kein Zufall) wechselte sie ins «Zeughaus». Sie hatte sich beworben, ohne zuvor je darin gewesen zu sein, verriet sie damals, über die Gründe mochte sie sich nicht gross auslassen. Warum die Wahl richtig war, wusste sie jedoch schnell: Das Restaurant gefalle ihr, weil es klein, gemütlich und übersichtlich sei, sagte sie anlässlich der Eröffnung.

Legendäre Wirtin in legendärem Lokal

Seit fast zehn Jahren hat Ilse Schneider nun das «Züghüsli» geprägt. Mit einer Gastronomie des herzlichen und persönlichen Umgangs, die manchen Stammtischrunden ein Zuhause war. Mit einer einfachen, aber stimmigen Küche, die mit frischen und frisch zubereiteten Speisen überzeugte. Ilse Schneider war das Herz einer gemütlichen Altstadtbeiz, wie sie in den Jahrzehnten ihrer beruflichen Tätigkeit immer seltener wurden. Nun geht sie in Pension – aber ganz lassen kann sie es nicht, bevor sie ganz in ihre Kärntner Heimat zurückkehrt: In der kommenden Wintersaison hilft sie in einem Hotel im Bündnerland aus.

So legendär wie die Wirtin ist auch das Haus, das eigentlich nur ein halbes ist und sich an die 1566 zwischen der Stadt und dem Kloster errichtete Schiedmauer schmiegt. Es soll mal ein Waffen- und Munitionslager der Stadt gewesen sein, später eine Pferdestallung. Als Restaurant ist es gemäss der Zusammenstellung «St. Galler Wirtshäuser» von Fredi Hächler 1867 erstmals erwähnt.

Nach dem letzten Aufstuhlen Ende Juli kehrt vorerst Ruhe ein im «Zeughaus», das durch die Pflästerung der Gasse jüngst eine weitere Attraktivitätssteigerung erfahren hat. Im Herbst beginnt der Kanton als Besitzer des Gebäudes mit Renovationsarbeiten. Das Paket umfasst laut Claudia Eugster, der Kommunikationsverantwortlichen des Baudepartements, ein neues Buffet, einen neuen Bodenbelag, eine neue Belüftung, neue Toiletten und eine andere Farbgebung. Das Cachet des gemütlichen Lokals dürfte damit erhalten bleiben. Die Wiedereröffnung ist laut Claudia Eugster im Frühling geplant.

Die Schmiedgasse wird jünger

Wer dannzumal hinter dem neuen Tresen stehen wird, ist bereits bekannt: Charlotte Hostettler und ihr Partner vom «Alpe­glöggli» in der Schmiedgasse. Auch das deutet darauf hin, dass im «Zeughaus» kein radikaler Wechsel vonstatten gehen wird. «Vorgaben haben wir keine gemacht, aber wir gehen davon aus, dass es im ähnlichen Stil weitergeht», sagt Claudia Eugster. Charlotte Hostettler bestätigt den Wechsel per 1. April 2018. Um öffentlich über Konzepte zu reden, sei es jedoch noch zu früh, sagt sie, und fügt an: «Wir freuen uns, dass wir das ‹Zeughaus› übernehmen dürfen.»

Der Anlass, vom ebenso legendären «Alpeglöggli» ins «Zeughaus» zu wechseln, sind die Pläne der Brauerei Schützengarten, das Lokal zu einem Bier-Pub umzubauen. Nach der Umwandlung des ehemaligen «Camillo» zur Bar Don Pedro dürfte sich die Schmiedgasse damit weiter zur Ausgehmeile eines jüngeren Publikums entwickeln. Während die Zeughausgasse ein Hort der unaufgeregten Gemütlichkeit bleibt.


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