Im Sommer ist das Blut knapp

BLUTENTNAHME ⋅ Das Ostschweizer Blutspendezentrum rührt die Werbetrommel. Da viele Spender in den Ferien sind, will man Engpässe verhindern. Doch auch zu viele Spenden können ein Problem darstellen.
29. Juli 2017, 05:17
Adrian Lemmenmeier

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

«Jetzt bei der Blutspende chillen und eine Glace geniessen!» So wirbt das Blutspendezentrum des Roten Kreuzes Ostschweiz in diesen Tagen auf Facebook um Spender. Denn im Gegensatz zu den Stränden am Mittelmeer sind im Blutspendezentrum die Liegestühle in den Ferien schlecht belegt. Dies obwohl die Spitäler im Sommer oft mehr Blut benötigen als in den übrigen Jahreszeiten.

Die Gründe, weshalb Nachfrage und Angebot für gespendetes Blut im Sommerloch auseinanderklaffen, sind vielseitig: «Einerseits sind viele Spenderinnen und Spender in den Ferien», sagt Jutta Thierbach. Sie ist leitende Ärztin und Mitglied der Geschäftsleitung bei Blutspende SRK Ostschweiz. «Anderseits sind die Leute im Sommer öfter im Freien unterwegs, fahren zum Beispiel mehr Velo oder gehen Wandern. Das erhöht das Risiko für Unfälle mit Blutverlust.» Schliesslich dürften Spender, die Risikogebiete für Infektionskrankheiten bereist haben, für eine gewisse Zeitspanne kein Blut spenden. Wer beispielsweise in einem Land unterwegs war, wo Malaria verbreitet ist, muss erst prüfen lassen, ober die Spendenkriterien derzeit erfüllt.

Erste Werbung zeigt Wirkung

«Unser Ziel ist es, dass wir von den Blutgruppen A positiv und Null positiv gut 250 Konserven auf Vorrat haben», sagt Jutta Thierbach. «In den Sommermonaten sogar lieber bis zu 300.» Derzeit belaufe sich der Bestand auf über 200 solcher Spenden, die aus etwa 250 Milliliter Blut bestehen. «Erste Werbemassnahmen haben gefruchtet», sagt Thierbach. «Wir haben unseren regelmässigen Spendern eine SMS geschickt und auf Plakaten und in den Medien darauf aufmerksam gemacht, dass die Spenden derzeit besonders benötigt werden.» Sollten die Vorräte unter 200 Spendeeinheitenfallen, würde das Blutspendezentrum die Leute telefonisch darum bitten, eine Spende abzugeben. Bei selteneren Blutgruppen wie A negativ und Null negativ werden Vorratsbestände von 40 bis 50 Blutkonserven angestrebt.

Kurze Haltbarkeit führt zu Schwankungen

Blut ist ein natürlicher Stoff, den man nicht künstlich herstellen kann. Nachdem die Patienten gut einen halben Liter ihres Lebenssafts gespendet haben, wird dieser in einzelne Blutprodukte getrennt. Diese wiederum sind unterschiedlich lange haltbar. So wird etwa Blutplasma tiefgefroren und kann bis zu zwei Jahre lang aufbewahrt werden. Erythrozyten (rote Blutkörperchen) hingegen sind lediglich 49 Tage, Blutplättchen sogar nur sieben Tage haltbar. Je grösser die Vorräte, desto grösser also auch das Risiko, dass Spenden verloren gehen. «Wir wollen unsere Spender stärker darauf sensibilisieren, dass sie dann Blut spenden, wenn es gebraucht wird», sagt Thierbach. «Wenn wir etwa einen riesigen Ansturm an Spendern hätten, bestünde bald das Problem der Überkapazität.»

Was aber geschieht mit dem gespendeten Blut? Und was kann man machen, falls die Vorräte tatsächlich ausgehen? Der grösste Teil des im Zentrum entnommenen Blutes werde im Kantonsspital verwendet, aber auch die anderen Spitäler der Ostschweiz würden versorgt, sagt Thierbach. «Überschüssiges Blutplasma wird, bevor es verfällt, an die Industrie weitergegeben.» Falls das Blut wirklich knapp werde, könne man sich mit Lieferungen aus anderen Blutspendezentren der Schweiz versorgen. Seltene Blutprodukte würden auch aus dem Ausland bezogen.


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