Grösste Heizung der Stadt

ST.GALLEN ⋅ An kalten Tagen heizt die Fernwärmezentrale Waldau ein, damit genug heisses Wasser im Netz zirkuliert. Am Samstag luden die Umweltfreisinnigen zu einem Rundgang.
07. August 2017, 07:01
Roger Berhalter

Roger Berhalter

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Ein Mensch wirkt winzig zwischen diesen mächtigen Rohren und Kesseln. In der Fernwärmezentrale Waldau in der Lachen ist alles ein bisschen grösser, als man es aus dem eigenen Keller kennt. Im Prinzip enthält der graue Bau mit dem Fabrikhallendach nur eine Ölheizung – aber was für eine! Jeder der zwei Heizkessel ist so gross wie eine Lokomotive und kann bis zu 2000 Einfamilienhäuser beheizen. Es handelt sich um die grössten Heizkessel der Stadt. Im Vollbetrieb verbrennen sie 6400 Liter Öl – pro Stunde. Kein Wunder, fasst der Öltank im Keller nicht weniger als 450000 Liter.

Als Wärmespeicher dient ein silbrig glänzender Zylinder, der vom Keller bis unters Dach reicht. Dieser Riesenboiler mit 150000 Liter Inhalt liefert dann Heisswasser, wenn das Fernwärme-netz an seine Grenzen kommt. Dies ist an kalten Wintertagen der Fall, wenn die Abwärme aus der Kehrichtverbrennung nicht mehr ausreicht und eine zusätzliche Wärmequelle gefragt ist.

Der Tag der offenen Tür folgt erst noch

Im Moment läuft die Wärme­zentrale auf Sparflamme. «Auch wenn es selbst im Hochsommer noch Leute gibt, die heizen», wie Peter Härtsch schmunzelnd sagt. Der Abteilungsleiter Betrieb Wärme von den St.Galler Stadtwerken führt an diesem Samstagmorgen ein paar Dutzend Interessierte durch den Neubau. Die Umweltfreisinnigen haben im Rahmen eines FDP-Sommerspaziergangs zu einem Rundgang eingeladen. Es ist eine der ersten Möglichkeiten, das Gebäude zu besichtigen. Zwar ist die grösste Heizung der Stadt schon seit Anfang Jahr in Betrieb, doch der offizielle Tag der offenen Tür ist erst auf September angesetzt.

Härtsch geht auf seiner Führung noch einmal kurz auf die «Leidensgeschichte» der Fernwärmezentrale Waldau ein. Eigentlich hätte sie schon viel früher fertig sein sollen, doch es gab Einsprachen, und schliesslich war ein Bundesgerichtsentscheid nötig, bevor die Bagger auffahren konnten. Umstritten war die Grösse der Zentrale, die immerhin fast 50 Meter lang, 20 Meter breit und 12 Meter hoch ist.

Tatsächlich fragt sich der Laie, weshalb die Halle so gross werden musste. Schliesslich wirkt sie trotz der Heizkessel und des Riesenboilers noch immer halb leer. Der Profi, Peter Härtsch, erklärt: In der Halle sind zusätzlich zwei Blockheizkraftwerke geplant, die mit Gas betrieben werden und Wärme und Strom produzieren. Diese Kraftwerke sind ein weiterer Baustein des städtischen Energiekonzepts 2050 – und mit ein Grund, weshalb die Halle so gross geplant wurde.

Vier Zentralen reichen bis 2050

Die Fernwärmezentrale Waldau ist die dritte in der Stadt. Die erste befindet sich beim Kehrichtheizkraftwerk und nutzt dessen Abwärme. Die zweite ist seit knapp zwei Jahren auf dem Olma-Areal in Betrieb. Um auch den Osten der Stadt zu bedienen, ist in der Lukasmühle eine weitere Fernwärmezentrale geplant. Die mit fossilen Brennstoffen betriebenen Zentralen sollen aber höchstens einen Viertel der benötigten Fernwärme liefern. Die übrigen drei Viertel sollen aus der Kehrichtverbrennung kommen.


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