Nächste Woche rutscht die Villa

HAUSVERSCHIEBUNG ⋅ Es ist ein spektakuläres Vorhaben. Am kommenden Mittwoch wird es in die Tat umgesetzt: Die historische Villa Jacob wird um 20 Meter verschoben. Zuschauerinnen und Zuschauer sind willkommen.
10. August 2017, 14:57
Christina Weder

Christina Weder

christina.weder@bluewin.ch

Noch knapp eine Woche lang steht die Villa Jacob dort, wo sie vor über 140 Jahren erbaut worden ist, an der Kreuzackerstrasse. Am kommenden Mittwoch wird sie 20 Meter nach Süden rücken. Für den grossen Rutsch sei fast alles vorbereitet, sagt Bauingenieur Rolf Iten von der Firma Iten AG, die sich auf Gebäudeverschiebungen spezialisiert hat. Derzeit installieren Bauarbeiter die hydraulischen Pressen, die fürs Anstossen der Stahlträger benötigt werden, auf denen die Villa steht. Iten hat schon andere Gebäude verschoben – und trotzdem: «Eine Anspannung ist immer da.»

Offizieller Startschuss ist am Mittwoch um 10 Uhr mit der sogenannten «Aschiebete». Danach wird es im Schneckentempo vorwärtsgehen. Drei Meter pro Stunde wird die Villa zurücklegen. Iten schätzt, dass die Verschiebung sieben bis acht Stunden dauert – «wenn alles rund läuft». Gegen Abend soll sie am neuen Standort ankommen.

Gegen Mittag wird es spannend

Die Öffentlichkeit ist eingeladen, zuzuschauen. «Wir sind überzeugt, dass es etwas Besonderes in der Ostschweiz ist», sagt Patrik Müller, Geschäftsleiter der Gemeinnützigen und Hilfs-Gesellschaft, welche die Verschiebung in Auftrag gegeben hat (siehe Zweittext). Die Villa ist zwar aus Sicherheitsgründen mit Abschrankungen umgeben. Ein Rundgang um die Villa ist aber möglich. Spannend wird es laut Müller ab 11.30 Uhr. Dann werde ersichtlich, dass sich das Gebäude langsam vom alten Standort entferne. «Die Vorderseite wird dann in die Luft ragen», sagt er.

Besucherinnen und Besucher sind am Tag der Verschiebung willkommen und können sich an Ständen verpflegen und sich auf Plänen und Tafeln informieren. Eine Messlatte wird noch angebracht, auf der sich ablesen lässt, wie viele Meter die Villa bereits zurückgelegt hat. Denn mit blossem Auge könne man kaum erkennen, dass sie sich vorwärtsbewege, sagt Bauingenieur Iten.

Er hat auch an Erinnerungsstücke gedacht. 4000 Fünfräppler sollen auf die Schienen gelegt und von den Stahlrollen und der 3600 Tonnen schweren Villa überrollt werden, so dass sie flach gepresst werden, bis sie so gross sind wie Zwanzigrappenstücke. Die von der Villa überrollten Fünfräppler sollen mit Postkarten an den Rutsch erinnern.

Gute Aussicht von der Dachterrasse

Gleich neben der Villa Jacob steht das Alters- und Betagtenheim Josefshaus. Dessen Bewohnerinnen und Bewohner geniessen eine besonders gute Aussicht auf die Villa. Während die Öffentlichkeit das Spektakel vom Boden aus beobachtet, können sie es aus den Fenstern oder von einer der Terrassen mitverfolgen. Zutritt zu den Terrassen haben aber auch geladene Gäste aus Politik und Baugewerbe und die Bewohnerinnen und Bewohner des Marthaheims, die sich ein Bild von ihrem künftigen Wohnort machen können.

Zudem bietet der Verein Freunde Stationäres Hospiz, der in etwa zwei Jahren in die Villa Jacob einziehen wird, Plätze auf der Dachterrasse an – im Rahmen einer Spendenaktion. Wer mindestens 1000 Franken spendet, kann die Verschiebung bei einem Apéro riche ab 12.30 Uhr von oben mitverfolgen.


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