Jetzt wird der St.Galler Stadtrats-Wahlkampf doch noch spannend

KOMMENTAR ⋅ Mit der Kandidatur der grünliberalen Sonja Lüthi nimmt der Wahlkampf um den freien Sitz im St.Galler Stadtrat Fahrt auf. Die profilierte Politikerin könnte Boris Tschirky von der CVP ins Schwitzen bringen, schreibt Reto Voneschen, Ressortleiter Stadt.
18. Juli 2017, 17:29
Reto Voneschen
Dass die Grünliberalen in den Stadtratswahlkampf einsteigen, ist keine Überraschung. Genauso, wie es keine Überraschung ist, dass aus den Gesprächen zwischen Grünliberalen und Grünen für eine gemeinsame Kandidatur nichts wurde. Die beiden Parteien haben sich 2004 in einem sehr schmerzhaften Prozess voneinander getrennt, und das ist bis heute spürbar. Abgesehen davon, dass es zwischen Grünliberalen und Grünen in der Stadt politische Differenzen gibt. Dass die beiden Fraktionen im Stadtparlament in schlagzeilenträchtigen Umwelt- und Verkehrsfragen meist gemeinsam stimmen, verdeckt etwas, dass sie in Sozial-, Wirtschafts- und Finanzfragen häufig auch nicht gleich ticken.

Ganz abgesehen davon darf sich die grünliberale Stadtratskandidatur sehen lassen – anders als im Herbst 2016. Von Sonja Lüthi ist zu erwarten, dass sie ihrer Konkurrenz die Sache nicht einfach machen wird, dass sie einen fundierten, profilierten Wahlkampf abliefern und das Handtuch nicht schon nach drei Wochen vorzeitig werfen wird. Es ist sogar möglich, dass Lüthi den bisherigen Favoriten Boris Tschirky von der CVP ins Schwitzen bringt. Dies, wenn sie in bürgerlichen Frauenkreisen als Frau punkten sowie in der politischen Mitte Wählerinnen und Wähler abholen kann, denen Tschirky als Nachfolger von CVP-Stadtrat Nino Cozzio zu weit rechts steht.

Mit der Kandidatur von Sonja Lüthi ist das Wahlrennen wieder spannend. Die entscheidende Frage für die Grünliberale ist, ob es zum zweiten Wahlgang kommt. Wenn die CVP ihre Wähler zusammenhalten kann, von der FDP voll unterstützt und noch weiter rechts einigermassen unterstützt wird, liegt es im Bereich des Möglichen, dass Tschirky die Sache im ersten Durchgang klar macht. Gelingt das nicht und sollte es im zweiten Wahlgang – durch Rückzieher anderer Kandidierender – auf ein Duell Tschirky gegen Lüthi hinauslaufen, ist der Ausgang der Stadtratsersatzwahl völlig offen.

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