Die Stadt St.Gallen auf dem Handy entdecken

DIGITALER STADTFÜHRER ⋅ Mit einem digitalen Stadtführer wollen Anna Zimmermann und Angelo Zehr zeigen, wie viel St. Gallen zu bieten hat. Sie sprechen damit junge Reisende an, aber nicht nur.
11. August 2017, 18:07
Roger Berhalter
In einer fremden Stadt braucht man Orientierung. Das haben Anna Zimmermann und Angelo Zehr bei einem Besuch in Den Haag gemerkt. Sie waren dort froh um einen kompakten digitalen Stadtführer. Zurück in St.Gallen, merkten sie, dass hier so etwas fehlt: ein digitaler Stadtführer mit Ausgangs-, Restaurant-, Shopping- und Kulturtipps. Also programmierten sie selber einen. «Wohin St.Gallen?» heisst die neue Webseite der zwei St.Galler. Sie basiert auf einem Prinzip, das nicht nur junge Reisende und Austauschstudenten kennen: Mit der Hilfe von Einheimischen findet man sich in einer fremden Stadt am schnellsten zurecht. 
 

Mehr als 50 persönliche Tipps

«Wohin St.Gallen?» listet mehr als 50 St.Galler Orte auf. Von bekannten Institutionen wie dem Naturmuseum über Ausgangslokale wie der Grabenhalle bis zu ausgesuchten Läden und Restaurants. Die Auswahl ist laut Angelo Zehr nicht vollständig und bewusst subjektiv: «Es sind Orte, an denen wir uns selber oft und gerne aufhalten.» Anna Zimmermann spricht von «versteckten Schätzen der Stadt», die Ortsfremde entdecken können. 

Die Nutzer der Webseite erfahren zum Beispiel, dass es in der Lokremise ein «alternatives Kino mit hochkarätigen Filmen» gibt. Dass es in der Tankstell nie lange dauert, bis man mit den Leuten ins Gespräch kommt. Und dass sich im Sommer auf Drei Weieren die Jugend trifft und es «manchmal feuchtfröhlich und etwas lauter» werden kann.

Die Texte sind unterhaltsamer als manch offizielle Tourismusbroschüre. Alle Infos findet man (nebst Deutsch und Englisch) sogar in St.Galler Dialekt. «Gerade für unsere deutschen Nachbarn dürfte es amüsant sein, Dialekt zu lesen und einen Einblick in die Schweizer Mundart zu bekommen», sagt Zimmermann. 

Selbst wer St.Gallen schon kennt, kann mit dem digitalen Stadtführer noch etwas lernen. Denn wer weiss schon, dass es im Eiscafé Gekko 18 verschiedene Glacesorten gibt? Oder dass im Restaurant Zum Bosporus Mutter und Tochter traditionelle osmanische Gerichte kochen? 
 

Alles liegt in Gehdistanz

Anna Zimmermann und Angelo Zehr kennen St.Gallen von innen und von aussen. Zimmermann studiert Design im holländischen Eindhoven und hat in den vergangenen Jahren auch in Mannheim, Wien und Zürich gelebt. Sie weiss, wie es ist, sich immer wieder neu zu orientieren. «Ich musste mich überall wieder neu einleben», sagt die 22-Jährige. Zehr arbeitet als Datenjournalist beim Schweizer Fernsehen und pendelt täglich zwischen St.Gallen und Zürich. «Viele finden St.Gallen irgendwann zu klein und ziehen in eine grössere Stadt», sagt der 27-Jährige. 

Er hingegen ist in Waldstatt, also auf dem Land, aufgewachsen und findet die Grösse der Gallusstadt gerade richtig: «Fast alles liegt in Gehdistanz. Man muss nicht eine halbe Stunde Tram fahren bis zum gewünschten Restaurant.» Zimmermann schätzt an St.Gallen, dass hier noch vieles möglich sei. «Die Leute sind noch nicht übersättigt.»

Fürs Smartphone gedacht

Ihren Reiseführer haben die beiden in eineinhalb Jahren fast im Alleingang entwickelt. Zimmermann übernahm die Gestaltung, Zehr das Programmieren, beide texteten. «Wohin St.Gallen?» ist fürs Smartphone optimiert, auch das passt zur jungen Zielgruppe. Zimmermann: «Wir wollen die Leser unterwegs abholen und in die Stadt entführen.»

www.wohin.sg

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