Die Passanten bleiben fern

GROSSBAUSTELLE AM BAHNHOF ST.GALLEN ⋅ Der Bahnhofplatz ist eine Grossbaustelle, das spüren auch die umliegenden Geschäfte. Vor allem seit die Rathausunterführung gesperrt ist, verzeichnen viele sinkende Umsätze.
03. August 2017, 05:17
Roger Berhalter

Roger Berhalter

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Wo früher der Lämmlerbrunnen stand, stapeln sich heute Baucontainer. Hinter Absperrgittern stehen Baufahrzeuge bereit. Der zentrale Bahnhofplatz zwischen Gutenberg- und Kornhausstrasse ist seit längerem eine Grossbaustelle. Erst wenige Buslinien verkehren wieder ab hier, zudem ist die Rathausunterführung seit vergangenem Dezember gesperrt. Wer auf den Zug muss, nimmt die Unterführung weiter westlich.

Die Geschäfte am Platz spüren die veränderten Passantenströme. Viele weisen mit Bannern darauf hin, dass sie trotz der Bauarbeiten geöffnet haben. «Wir sind für Sie da! Auch während des Umbaus», steht an den Fenstern der Geschäfte neben der Rathausunterführung. «Trotz Baustelle haben wir geöffnet», wirbt das Fotogeschäft Hausamann.

«Wir sind täglich mit frischen Backwaren für Sie da!», heisst es auf einer Tafel neben dem Metrobeck. «Vor allem seit die Rathausunterführung zu ist, spüren wir einen drastischen Umsatzrückgang», sagt Philip Weder, Geschäftsführer der Spezialitätenbäckerei Weder. Man habe sich Aktionen wie einen «Baustellenrabatt» überlegt, aber bisher nicht umgesetzt. «Wenn der Kundenstrom fehlt, nützen alle Aktionen nichts», beschreibt Weder das Problem. Er freue sich nun darauf, dass die Busse bald wieder auf den Bahnhofplatz zurückkehren und hoffentlich viele Passanten zurückbringen.

Weniger Pendler kommen am Kiosk vorbei

Drastisch sind die Konsequenzen auch für «Rhyner’s Kiosk», den selbstständigen Privatkiosk gleich neben der Rathausunterführung. Seit diese gesperrt ist, kommt nur noch ein Bruchteil der Pendler am Kiosk vorbei. «Wir leiden stärker als erwartet», sagt Geschäftsführer Patrick Egli. Die Bauarbeiten seien zwar gut kommuniziert worden und die Veränderungen zu erwarten gewesen. Dennoch habe er Mitarbeiter entlassen müssen. «Ich hoffe, ich kann sie wieder einstellen, wenn die Unterführung wieder geöffnet ist.» Der Kioskbetreiber hofft auch, dass er nach den Bauarbeiten von einem neuen, attraktiven Bahnhofplatz profitieren kann.

Auch im Hotel Metropol kam es zu Kündigungen, wie Hotel­direktorin Karin Thurnheer Bloch schon im vergangenen Sommer gegenüber den «St. Galler Nachrichten» sagte. Sie habe vier Mitarbeiter entlassen müssen, um während der Bauphase finanziell über die Runden zu kommen. Sie sprach von Umsatzeinbussen von 20 Prozent. Die Hoteldirektorin war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Im Oktober kehren die Busse an den Bahnhof zurück

Auf dem Bahnhofplatz steht demnächst eine grosse Veränderung an. Voraussichtlich Anfang Oktober gehen dort die neuen Bushaltestellen in Betrieb, und alle Busse und Postautos verkehren wieder ab dem zentralen Bahnhofplatz. Die provisorischen Haltestellen an der St.-Leonhard-Strasse, wo in den vergangenen zwei Jahren die meisten Bus- und Postauto-Linien hielten, werden wieder aufgehoben. Bis es so weit ist, stehen aber noch die letzten Arbeiten am zentralen Bahnhofplatz, an der Gutenbergstrasse und an der Merkurstrasse an. Parallel dazu läuft noch bis November der Innenausbau des östlichen Teils des Bahnhofgebäudes. Die neue Schalterhalle der SBB ist schon seit Februar in Betrieb. Bis Dezember sollen zudem die Rathausunterführung und die neue Ankunftshalle im Rohbau fertig werden. Auf den Fahrplanwechsel im Dezember hin wird die Rathausunterführung nach einjähriger Sperrung wieder offen sein. Dann können die Zugpassagiere wieder auf gewohntem Weg die Perrons erreichen – zusätzlich zur Unterführung West, die im Moment noch die einzige Verbindung zu den Perrons darstellt. (rbe)


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