Campieren auf St.Galler Asphalt

FRISCHLUFT ⋅ Es gibt keinen Campingplatz in der Stadt – noch nicht. Künftig könnte eine Schulanlage in den Sommerferien für Campinggäste offen stehen. Noch ist dies erst eine Idee, doch ein erster Test ist vielversprechend verlaufen.
24. Juli 2017, 07:29
Roger Berhalter
St.Gallen hatte in den vergangenen zwei Wochen das, was es sonst nicht hat: einen Campingplatz. Auf dem Areal der Schule Buchental haben Lehrerinnen und Lehrer aus der ganzen Deutschschweiz campiert. Tagsüber besuchten sie Weiterbildungen, die Nacht verbrachten sie in Wohnwagen, Wohnmobilen und Zelten. Mehr als 200 Übernachtungen verzeichnete der Platzchef in den zwei Wochen (Ausgabe vom 20. Juli). Jetzt sind die Zelte abgebrochen, die Stadt ist wieder ohne Campingplatz.

Laut Roman Bottlang könnte das auch anders sein. Der Veranstalter und Kommunikationsunternehmer hat die  Lehrerweiterbildungen in St.Gallen organisiert, und er war es auch, der die Idee zum temporären Campingplatz im Buchental hatte. «Es ist üblich, dass einige Lehrer während der alljährlichen Sommerkurse campieren, statt in Hotels zu übernachten. Also haben wir eine Lösung in der Stadt gesucht.»

«City Parking St.Gallen» hiess diese Lösung. Mit dem temporären Zeltplatz habe man gute Erfahrungen gemacht. «Er war gut gebucht, vor allem in der ersten Woche», sagt Bottlang. Deshalb möchte er die Idee eines Sommerferien-Campingplatzes weiterverfolgen. «Es wäre eine gute Ergänzung für die Stadt. Das Angebot würde auch die Campingplätze am Bodensee nicht konkurrenzieren.» Als mögliches Zielpublikum sieht Bottlang Familien und Gäste, die auf der Durchreise einen Halt in St. einlegen, um sich die Stadt anzuschauen.

Familien hätten ihre Freude

Bei Tobias Treichler von St.Gallen-Bodensee Tourismus findet die Idee grundsätzlich Anklang. «Ein Outdoor-Erlebnis mitten in der Stadt: warum nicht?» Ein Campingplatz könne das Angebot bereichern und die Stadt für neue Klientel zugänglich machen, insbesondere Familien. Treichler verweist darauf, dass es in St.Gallen kein explizites Familienhotel gibt. «Ein weiteres Beherbergungsmodell kann unserer Stadt gut tun.»

Skeptischer ist Gabriela Dubler, die Platzwartin des Campingplatzes St.Gallen-Wittenbach, der auf Bernhardzeller Boden an der Sitter liegt. Es ist von St.Gallen aus gesehen die nächstgelegene Campiermöglichkeit. «Wir sind der Campingplatz St.Gallen», sagt Dubler denn auch. Regelmässig habe sie Gäste, die sich die Stadt anschauen wollen.

Dubler verteilt Stadtpläne, erklärt den Weg zur Stiftsbibliothek und informiert über den Fahrplan des Postautos, das oberhalb des Campingplatzes Richtung St.Gallen fährt. «Ein Bedürfnis für einen Campingplatz in der Stadt gäbe es wohl schon. Ich zweifle aber, ob sich der Aufwand wegen nur ein paar Wochen lohnt.» Schliesslich gebe es viel zu organisieren, vom Kassasystem bis zur Reinigung der WC und Duschen.

Einfacher Stellplatz in der Nähe des Stadtzentrums

Roman Bottlang glaubt hingegen, dass ein Zeltplatz in seinem Sinn ohne grossen Betreuungsaufwand möglich wäre. Er spricht lieber von einem Stellplatz als von einem Campingplatz: ein einfaches, zentrumsnahes, gut erschlossenes Angebot für campierende Stadtbesucher. Gibt es dafür wirklich ein Bedürfnis? Bottlang vergleicht die Situation mit dem Huhn-Ei-Problem: «Wenn es kein entsprechendes Angebot gibt, dann kann auch kein Bedürfnis entstehen.»

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