Härtetest für St.Galler Schüler: 24 Stunden ohne Handy

VERZICHT ⋅ Das Smartphone bestimmt den Lebensrhythmus vieler Menschen. Nun stellt die Stiftung Suchthilfe Schülerinnen und Schüler aus St.Gallen auf die Probe.
24. August 2017, 18:50
Schüler rennen über den Pausenplatz, stehen in Gruppen beisammen oder spielen Fussball. Aber nicht nur: Denn an diesem Tag führt die Stiftung Suchthilfe an der Realschule Buchental die «Aktion Pausenplatz» durch.

Einige der etwa 11- bis 16-Jährigen ziehen Smartphones aus zerrissenen Couverts und legen den leeren Umschlag auf einen Tisch. 24 Stunden nicht das Handy benutzen. So lautete eine der beiden Aufgaben, die die Stiftung Suchthilfe den Jugendlichen stellte. Im Rahmen der «Aktion Pausenplatz» legt die Stiftung neu den Schwerpunkt auf das Thema Medien und Handysucht. «Wir wollen den Jugendlichen einen Gedankenanstoss geben», sagt Jürg Niggli, Leiter der Stiftung Suchthilfe. «Und vielleicht lösen wir auch im Elternhaus Diskussionen aus.»

Aus dem Buchental haben ungefähr 20 Schüler mitgemacht und ihr Handy für 24 Stunden in einem Couvert aufbewahrt. Vier oder fünf Schüler hätten es aber nicht geschafft, sagt Kurt Löffel, Mitarbeiter bei der Stiftung Suchthilfe. «Als es gestern galt, das Handy in das Couvert zu stecken, waren einige nach kurzer Zeit wieder hier und zerrissen den Umschlag.» Dabei bestand die Herausforderung nicht darin, das Smartphone abzugeben. Die Jugendlichen behielten ihr Handy während der 24 Stunden, doch steckte es in einem Couvert.

«Wir rieten den Schülern, das Handy auszuschalten. Doch taten dies nicht alle», sagt Löffel. Ein Schüler habe ihm erzählt, sein Handy habe einmal geklingelt. «Offenbar brauchte es einige Überwindung, die Nachricht nicht zu lesen.»

Zwei Wochen das Handy aus dem Zimmer verbannen

Die zweite mit einem Wettbewerb verbundene Aufgabe lautete, zwei Wochen auf das Smartphone zu verzichten. Aber nur über Nacht. Das Handy während dieser Zeit nicht im Schlafzimmer aufzubewahren sei ein erster Schritt, sagt Löffel. Ob sich die Jugendlichen daran halten, können die Mitarbeiter der Stiftung nicht kontrollieren. «Darum geht es aber auch weniger. Wichtig ist, dass die Schüler Selbstverantwortung übernehmen.»

Lukas Meleti ist einer der Schüler, die ihr Handy 24 Stunden lang nicht benutzt haben. Für ihn sei es schwer gewesen. Besonders weil es sich um den Mittwochnachmittag handelte. «Dann bin ich jeweils im Jugendtreff, nutze mein Handy zum Musik hören und um mit Freunden zu chatten.» Das war für einmal nicht möglich. Trotzdem bezeichnet Meleti den Tag ohne Handy als gute Erfahrung. Er würde das Smartphone denn auch wieder einmal abgeben, sogar an einem Mittwoch: «Bei so schönem Wetter wie gestern kann man auch andere Sachen machen.» Statt rumzusitzen, habe er mit Freunden Fussball gespielt. Und wie machte Meleti mit ihnen ab, so ganz ohne Handy? «Meine Freunde riefen von sich aus meinen Bruder an. Der richtete mir dann die Nachricht aus.» (mha)
 
 

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