Wasserkraft

Grafenau: Die Fische müssen dem Wasserkraftwerk weichen

WASSERKRAFT ⋅ Mit dem Bau des Kleinwasserkraftwerkes Grafenau wird natürlicher Lebensraum von Tieren zerstört. Dieser muss mit ökologischen Massnahmen ersetzt werden. Die Pläne dafür liegen öffentlich auf.
15. Februar 2018, 07:00
Christoph Renn
Im Sommer soll das Kleinwasserkraftwerk unterhalb der Kehrichtverbrennungsanlage in Betrieb genommen werden. Bis es soweit ist, muss jedoch entlang der Sitter neuer Lebensraum für Fische und Amphibien geschaffen werden, der mit dem Bau zerstört wird. Zusammen mit Pro Natura haben der Kanton und die Betreiber sechs ökologische Ersatzmassnahmen ausgearbeitet. Die entsprechenden Pläne liegen bis am 14. März im Amtshaus öffentlich auf.

Gemäss kantonalen Richtlinien müsste der entstandene ökologische Schaden doppelt ersetzt werden. Diese Auflagen werden mit den sechs Ersatzmassnahmen nicht ganz erfüllt. Trotzdem gibt sich der Naturschutzverein mit den Lösungen zufrieden. «Mit diesen Massnahmen kann sicher der verlorene Lebensraum für die Fische und Amphibien aber auch die Ufervegetation ersetzt werden», sagt Christian Meienberger, Geschäftsführer von Pro Natura St. Gallen-Appenzell. Solche Lösungen wären auch an anderen Orten entlang der Sitter willkommen. Insgesamt kosten sie 273200 Franken.
 

Künstliche Laichplätze für Forellen

Wird das Kleinwasserkraftwerk Grafenau in Betrieb genommen, staut sich das Wasser und die Fliessgeschwindigkeit der Sitter wird in diesem Abschnitt markant gebremst. «Somit gehen vor allem für Forellen Laichplätze verloren, weil diese fliessend Wasser brauchen», sagt Meienberger. Deshalb sollen neue Laichplätze geschaffen werden. Dafür werden mit zwei bis drei Tonnen schweren Steinen, die schneckenförmig angeordnet werden, vier sogenannte Lenkbuhnen erstellt. «Doch in der Sitter leben nicht nur Fische.» Deshalb wird auch für Amphibien neuer Lebensraum geschaffen und die einheimische Vegetation gefördert. Für die Tiere sind gleich zwei neue Laichgewässer geplant. Eines 100 Meter unterhalb der Brücke, das andere auf Höhe des alten Wehrs. Durch Abflachung der Böschung, Aufwertung des Uferbereichs und anderen baulichen Eingriffen soll so ein natürlicher Raum für Feuersalamander, Erdkröten und violette Silberfalter aber auch für einheimisches Gehölz entstehen. Zudem wird die alte Schwelle beim Kraftwerk abgebrochen.


Ein Bach durchs Open-Air-Gelände

Mit 136400 Franken fallen die Offenlegung des Billenbergbaches und der Flutmulde Sittertal zu Buche. Während die oben genannten Massnahmen im April umgesetzt werden sollen, müssen diese noch warten. Denn der Billenbergbach und die Flurmulde liegen auf dem Open-Air-Gelände. Deshalb werden diese Bauarbeiten erst nach dem diesjährigen Musikfestival im Sittertobel angegangen. In Zukunft werden sie jedoch laut Meienberger dank Sicherheitsmassnahmen keine Gefahr für die Besucher des Open-Airs darstellen.

Eigentlich hätte die Grafenau bereits 2010 gebaut werden sollen. Einsprachen verzögerten jedoch den Bau des 4,2 Millionen Franken teuren Kleinwasserkraftwerkes, das bald 430 Haushalte mit Strom beliefern wird.


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