Goldiger Fund im Moosweier

ABTWIL ⋅ Weil der Moosweier zusehends verlandete, musste er von tonnenweise Schlamm befreit werden. Dabei wurde ein ungebetener Gast entdeckt: Der Goldfisch hat sich im Gewässer munter vermehrt.
07. April 2018, 05:18

Im Abtwiler Moosweier, im Schatten des Cinedoms, spielte sich kürzlich eine eigene Version von «Findet Nemo» ab. Der Weier war über die Jahre zusehends verlandet. Tonnenweise Schlamm hatten sich am Grund des Gewässers angesammelt. 2000 Kubikmeter mussten ausgebaggert werden. Dafür wurde das Wasser abgepumpt, die Fische abgefischt. Einige Hundert Exemplare sind es gewesen, wie die Gemeinde vermeldete. Unter die heimischen Karpfen aber hatte sich ein exotischer Verwandter gemischt. Ein Verwandter, der eigentlich aus China stammt: der Goldfisch.

Zugegeben, jene Exemplare, die im Moosweier entdeckt wurden, stammten nicht aus dem fernen Osten, sondern aus der nahen Nachbarschaft. Dort fristete der Zierfisch einst ein Haustier-Dasein. Unliebsam geworden hatten ihn seine Besitzer kurzerhand im nahen Moosweier entsorgt. Von «Abfallentsorgung der Konsumgesellschaft» spricht denn auch Fischereiaufseher Christoph Mehr. Laut Gesetz handelt es sich bei den Goldfischen um eine fremde Art im heimischen Weiher. Entsprechend illegal war denn auch die «Entsorgung» im Moosweier. Illegal, aber keine Seltenheit.

In der Nähe bewohnter Gebiete seien Weiher und Seen nicht selten mit Goldfischen bevölkert. Und die orangen Schwimmer fühlen sich in heimischen Gewässer offensichtlich wohl. Zu wohl. Munter vermehren sie sich weiter. Zwar sind sie in Aquarien eine Augenweide, in der hiesigen Natur aber vor allem eine Bedrohung für heimische Arten. Mit anderen Fischarten konkurrieren sie um Nahrung, für Amphibien und ihre Jungtiere sind sie gar ein tödlicher Feind, wie Christoph Mehr sagt.

Die Goldfische fanden deshalb nicht, wie ihre einheimischen Verwandten, ein Plätzchen in Gewässern in der Umgebung. Einige kamen in Aquarien unter, andere mussten getötet werden. Leider, wie Christoph Mehr sagt. Er richtet deshalb einen Appell an alle Aquarienbesitzer: Wollen sie ihre Haustiere loswerden, sollen sie sie in die Zoohandlung bringen, anstatt sie leichtfertig an der nächsten Wasserstelle in die vermeintliche Freiheit zu entlassen.

 

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch