Fredi Widmer will auch zu seinem Abschied schwarze Zahlen schreiben

WITTENBACH ⋅ Aus der Rechnung 2017 will der Gemeinderat eine stattliche Summe zur Seite legen. Das könnte 2018 einen weiteren Millionenüberschuss ermöglichen – und Fredi Widmer ein Abschiedsgeschenk an seine Gemeinde.
06. April 2018, 13:58
Johannes Wey
An ein solches Ergebnis könnten sich die Wittenbacherinnen und Wittenbacher gewöhnen: Die Jahresrechnung 2017 schliesst mit einem Überschuss von 4,6 Millionen Franken und damit 3,7 Millionen Franken besser als budgetiert. Dies bei einem Gesamtaufwand von 45 Millionen Franken.

Und geht es nach dem Gemeinderat, können sich die Bürger tatsächlich an Besserabschlüsse gewöhnen, auch wenn Gemeindepräsident Fredi Widmer auf die Euphoriebremse tritt. Ein schöner Teil des Besserabschlusses 2017, nämlich 588'000 Franken, gehen auf zusätzliche Abschreibungen basierend auf dem Ergebnis 2016 zurück. Solche will der Gemeinderat nun wieder vornehmen, in noch grösserem Umfang: Vom Plus von 4,6 Millionen sollen 2,2 Millionen Franken für zusätzliche Abschreibungen verwendet werden.

Stimmt die Bürgerversammlung zu, könnte diese Summe das Ergebnis 2018 erheblich aufhübschen: Statt eines Plus von 145'000 Franken würden dann wieder eine siebenstellige Summe resultieren – «sofern es bei den budgetierten Aufwänden keine Ausreisser gibt», gibt Widmer zu bedenken. Das sei bei schwierig vorhersehbaren Positionen – etwa im Sozial- oder Asylwesen – immer möglich.
 

Ergebnis finanziert Zehntel des neuen Schulhauses

Der Rest des Ertragsüberschusses soll für Investitionen wie das bereits genehmigte Schulhaus Sonnenrain zurückgelegt werden. Dieses 26-Millionen-Projekt liesse sich damit zu einem knappen Zehntel finanzieren. Der Baubeginn ist noch diesen Sommer vorgesehen.

Die Schule hat auch ihren Anteil am guten Abschneiden der Jahresrechnung: Der Finanzbedarf von Ober- und Primarstufe lag um 687'000 Franken tiefer als erwartet, 477'000 waren es alleine bei der Primarschule.

Ins Auge sticht auch die «Wasserstandsmeldung» aus der Schwimmbadgenossenschaft: Ihr Defizitbeitrag belief sich 2017 auf nur 466'000 statt 578'000 und damit 112'000 Franken weniger als erwartet. Laut Fredi Widmer geht allerdings nur ein Teil davon auf die Sparmassnahmen zurück, die bei den Bädern ergriffen wurden. «In diesem Ausmass waren die Einsparungen einmalig.» Für 2018 ist ein Defizitbeitrag von 481'000 Franken vorgesehen.
 

Zum Abschluss nochmals runter mit den Steuern?

Vom strukturellen Defizit, das Wittenbach jahrelang plagte, ist gegenwärtig also nichts zu spüren. Nach 2016 gab es auch 2017 einen Ertragsüberschuss, für 2018 sind trotz Steuerfusssenkung schwarze Zahlen budgetiert.«Es sieht tatsächlich besser  aus als vor ein paar Jahren», sagt Widmer.

Allerdings: Der Bau des neuen Schulhauses sei nur eines von vielen kostspieligen Projekten, die in nächster Zeit auf die Gemeinde zukommen. Eine neue Schuldenlast kann der Gemeinde den neugewonnenen finanziellen Spielraum schnell wieder rauben.

Derzeit rechnet der Gemeinderat aber damit, dass er das Schulhaus Sonnenrain mit dem vorgesehenen Verkauf des Dorfschulhauses ohne Steuerfusserhöhung realisieren kann. Sollte mit den zusätzlichen Abschreibungen aus dem Ergebnis 2017 also gar eine weitere Steuersenkung drinliegen? Es wäre an der Budget-Versammlung im Herbst ein schönes Traktandum für Fredi Widmer, dessen Laufbahn als Gemeindepräsident Ende Jahr endet. «Die Steuern haben nichts mit meiner Pensionierung zu tun», sagt Widmer. Eine Steuerreduktion müsse immer zumindest mittelfristig Sinn ergeben. «Aber regelmässig zu viel Geld einnehmen soll die Gemeinde auch nicht.»

Vorversammlung: 7. Mai, 19.30 Uhr, Aula OZ Grünau.
Bürgerversammlung: 28. Mai, 20 Uhr, Aula OZ Grünau.