Fredi Widmer tritt zurück

WITTENBACH ⋅ Seit 1. Juli 2011 ist Fredi Widmer Gemeindepräsident, am Donnerstag gab der 64-Jährige seinen Rücktritt auf Ende Jahr bekannt. Eine Bilanz will er noch nicht ziehen. Sicher sei, er habe nie für Ruhm und Ehre gearbeitet.
08. Februar 2018, 18:26
Corinne Allenspach
Fredi Widmer, am Donnerstag haben Sie die Wittenbacher mit Ihrer Rücktrittsankündigung überrascht. Haben Sie schon Reaktionen erhalten?
Fredi Widmer: Nein, dazu ist das Ganze noch zu frisch. Eigentlich erfolgt die Ankündigung ja etwas lange im Voraus. Der Sache ist das nicht unbedingt dienlich. Aber wenn man eine faire Suche nach einem Nachfolger ermöglichen will, braucht es diese Zeit.

Beim Rücktritt Ihres Vorgängers Albert Etter präsentierte die CVP Wittenbach nur wenige Tage danach Sie als Kandidaten. Hat sich die Partei diesmal auch wieder so gründlich vorbereitet?
Ich habe meine Partei, die CVP, natürlich über den Rücktritt informiert. Wie sie weiter vorgeht, muss sie selber entscheiden.

Jetzt wäre doch die ideale Gelegenheit, die Grabenkämpfe zwischen CVP und FDP in Wittenbach endgültig beizulegen und wie andernorts mit einer überparteilichen Findungsgruppe einen Kandidaten zu suchen.
Sie haben mich schon nach 100 Tagen im Amt (Oktober 2011) gefragt, ob der Kulturkampf nun beendet sei. Und ich habe schon damals gesagt, dass es falsch ist, in Wittenbach immer wieder den Kulturkampf hochzustilisieren. Wenn verschiedene Parteien einen Kandidaten stellen, ist das doch ein Vorteil.

Vor zwei Jahren sagten Sie im «Tagblatt», wer möge, könne auch übers Pensionsalter hinaus arbeiten. Heisst das, Sie mögen nicht mehr?
Doch, ich mag noch. Aber ich bin nicht der Typ, der sagt, es gibt niemand anderen, der meine Arbeit auch machen kann. Zudem ist es schon so, dass es viele Ressourcen braucht, um den Job eines Gemeindepräsidenten gut zu machen. Diese grosse Energie habe ich bisher investiert und werde es noch bis Ende Jahr tun.

Das heisst, Ihr Alter, Sie werden am 1. Dezember 2018 65 Jahre alt, ist also der einzige Grund für den Rücktritt?
Ich habe das Pensionsalter zum Anlass genommen. Aber ich habe mir natürlich verschiedene Gedanken gemacht. Wichtig ist, bei einem Rücktritt auf erfahrene Vizes zählen zu können. Und das ist der Fall. Zudem habe ich mir überlegt, wenn ein Gemeindepräsident aus einer anderen Gemeinde für Wittenbach in Frage käme, wäre ein Wechsel nur mitten in der Amtsdauer möglich. Ich habe selten erlebt, dass jemand auf Ende Amtsdauer in seiner Gemeinde zurücktritt und gleichzeitig in einem anderen Dorf kandidiert.

Apropos Gemeindepräsident aus einer anderen Gemeinde. Da fällt mir spontan Bernhard Keller aus Muolen ein.
Ich mache keine Spekulationen. Um die Nachfolge kümmern sich die Parteien. Ich habe einfach den Rahmen gesetzt für eine faire Nachfolgersuche.

Reut es Sie nicht, genau jetzt zurückzutreten, da es in Wittenbach einiges zu ernten gäbe. Sie konnten vergangenen November erstmals in Ihrer Amtszeit die Steuern senken, die Neugestaltung des Zentrums Oedenhof ist kurz vor der Umsetzung, ebenso das neue Schulhaus Sonnenrain.
Wer mich kennt, weiss, dass ich nicht für Ruhm und Ehre arbeite, sondern für die Sache, für Wittenbach. Es stimmt, wir konnten einige gute Dinge erledigen. Das reicht mir, mehr brauche ich nicht.

Für eine Bilanz Ihrer Amtszeit ist es noch zu früh. Aber ganz spontan: was überwog, die freudigen oder die belastenden Momente?
Ich will erst Ende Jahr ein Fazit ziehen. Bis dahin dauert es ja noch eine Weile.

Genau gesagt noch knapp elf Monate. Was möchten Sie unbedingt noch erledigen?
Es sind viele kleine Dinge, die man nicht alle aufzählen kann. Die grössten Brocken sind sicherlich die Raumplanung mit der inneren Verdichtung und das Alterszentrum Kappelhof mit dem geplanten Haus 4.

Und worauf freuen Sie sich am meisten?
Darauf, die genannten Aufgaben zu erledigen und mit all jenen weiterhin gut zusammenzuarbeiten, mit denen ich das bisher schon getan habe.

Ein Ausblick auf den 1. Januar 2019, Ihren ersten Tag in Pension. Was werden Sie an diesem Tag tun?
Das ist ja ein Feiertag. Daher werde ich sicher daheim sein.

Und danach?
Ich habe keine konkreten Pläne. Es ist ungewohnt, über seine eigene Pensionierung nachzudenken. Ich hatte diesen Lebensabschnitt nie als Ziel wie andere, die sich schon Jahre zuvor darauf vorbereiten. Aber ich weiss, dass ich mit Veränderungen leben kann und es mir nicht langweilig werden wird.

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