Frauen müssen kalt duschen

ST.GALLER LERCHENFELD ⋅ Auch bei kühlen Temperaturen ziehen Schwimmerinnen im Freibad Lerchenfeld ihre Längen. Danach würden sie sich gerne unter einer warmen Dusche aufwärmen. Das ist aber nur über Umwege möglich.
28. August 2017, 15:06
Marlen Hämmerli

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Warmwasser-Duschen gehören heute zum Standard jeder Badi. Müsste man meinen. Dem ist aber nicht so. Im Freibad Lerchenfeld fehlen die Warmwasser-Duschen für Frauen, nur in der Männergarderobe gibt es Duschen mit warmem Wasser.

Ein Zustand, den eine St.Gallerin, die anonym bleiben möchte, irritiert: Sie schwimme auch bei kühlerem Wetter ihre Längen. Danach würde sie sich gerne unter der Dusche aufwärmen. Auch wäre es schön, sie könnte nach dem Schwimmsport direkt zur Arbeit fahren. «Ohne nochmals nach Hause zum Duschen zu müssen.»

Durch die Eishalle für eine warme Duschen

Warm duschen zu können ist tatsächlich ein Bedürfnis. Dies zeigen Rückmeldungen, die Roland Hofer, Leiter Eis und Sport bei der Stadt, erhalten hat. Über die letzten zwei Saisons seien es «ein paar wenige» gewesen. Frauen, die sich bei der Hauptkasse melden, erhalten deshalb gemäss Hofer den Schlüssel für die Schiedsrichtergarderobe der Eishalle. Dort gibt es eine Warmwasser-Dusche. Jedoch befindet sich diese Garderobe im westlichen Teil der Halle. Duschwillige müssen also die gesamte Eishalle durchqueren. Ein Umstand, der aus Betriebssicht nicht optimal sei, sagt Hofer.

Besser gelöst ist die Situation in der Wintersaison, wenn im Lerchenfeld Eishockey gespielt wird. Zwar teilen sich Freibad und Eishalle die Infrastruktur. Doch muss keine der Eishockey-Mannschaften ungeduscht nach Hause fahren. Denn gemäss Hofer gibt es für die Eishockeymannschaften genügend separate Garderoben, welche sich wie die Schiedsrichtergarderobe im westlichen Bereich der Eishalle befinden und mit Warmwasser-Duschen ausgestattet sind.

Also fehlen nur bei der Frauengarderobe richtige Duschen. Wann diese eingebaut werden, ist offen. «Aktuell ist kein Betrag für diese Zusatzinstallationen im Budget eingestellt», sagt Hofer. Als Betreiber des Freibads setze er sich aber «im Rahmen des nächsten Budgetprozesses» für eine Besserung der Situation ein.

Freibad ist erst 2004 saniert worden

Aber warum fehlen die Duschen überhaupt? Und warum fehlen sie nur in der Frauengarderobe? Das Freibad Lerchenfeld ist 2004 umfassend saniert worden. Damals war Roland Hofer noch nicht im Amt: Das neue Freibad sei vor seinem Eintritt geplant und gebaut worden. «Entsprechend kann ich dazu keine Auskunft geben.» In einem E-Mail an jene St.Gallerin, die sich diesen Sommer über die fehlende Dusche beklagte, nahm Hofer hingegen Stellung: Der Garderobenbereich sei bei der Planung des Umbaus vernachlässigt worden. Andreas Nagel, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt, bestätigt Hofers Aussage. Er könne zwar ebenfalls nur mutmassen. Aber: «Die Duschen für die Frauen sind seinerzeit wohl schlicht vergessen gegangen.» Der Handlungsbedarf sei aber erkannt.


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