Fossilien, Bibeli und ein Märchenwald: Naturmuseum präsentiert Jahresprogramm

ST.GALLEN ⋅ Im Jahr 2018 widmet sich das Naturmuseum den Fossilien aus dem Alpstein. Die uralten Versteinerungen sind wieder im Fokus neuster Forschung. Sie verraten nämlich einiges über den Klimawandel.
05. Januar 2018, 05:19
Roger Berhalter

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

Von winzigen Kalkalgen bis zu metergrossen Fischsauriern: In der Kreidezeit vor 145 bis 65 Millionen Jahren blühte das Leben. Vor allem unter Wasser, denn der Meeresspiegel lag bis zu 200 Meter höher als heute. Noch immer zeugen Ammoniten und andere Fossilien von jener Zeit. Auch i

m Alpstein wurden Versteinerungen gefunden. «Sie lagern schon seit langem in unserer Sammlung, jetzt werden sie für Forscher wieder interessant», sagt Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums. Am Donnerstag stellte er das Jahresprogramm 2018 vor. Vom 5. Mai bis zum 14. Oktober zeigt das Naturmuseum die Ausstellung «Alpstein-Fossilien – Versteinertes Leben aus der Kreidezeit». Begleitend dazu erscheint auch ein Buch, das erstmals eine Gesamtschau auf die Fossilien des Alpsteins liefert.
 

 

Viel CO2 in der Luft

 

Museumsdirektor Bürgin verweist auf neue Forschungsarbeiten der Universität Zürich, die ebenfalls die Fossilien der Kreidezeit zum Thema haben. Anhand von Versteinerungen könne man gut beobachten, wie sich Lebensgemeinschaften über Millionen von Jahren hinweg verändert hätten. «Damals war es deutlich wärmer, und die CO2-Konzentration in der Atmosphäre war hoch. Das ist auch heute wieder aktuell», sagt Bürgin. Fossilien-Forscher versprechen sich nicht zuletzt neue Erkenntnisse über den aktuellen Klimawandel. Die Kreidezeit endete abrupt: Vulkanausbrüche und der Einschlag eines grossen Himmelskörpers führten zu einem Massensterben. Die Dinosaurier verschwanden von der Erde sowie insgesamt drei Viertel aller Tier- und Pflanzenarten. «Es ist erstaunlich, dass überhaupt Leben überlebte», sagt Bürgin. Zuerst die Vielfalt der Kreidezeit, dann die Katastrophe und schliesslich wieder erblühendes Leben: Dieses spannende Kapitel der Erdgeschichte möchte das Museum den Besuchern näher bringen.

 

Echte Bibeli und ein künstlicher Märchenwald

Vorerst ist aber bis zum 4. März noch die Ausstellung «Überwintern» zu sehen, die veranschaulicht, mit welchen Strategien Tiere durch die kalte Jahreszeit kommen. Vom 20. März bis 22. April findet wieder die beliebte Osterausstellung «Allerlei rund ums Ei» statt. «Wir sind zuversichtlich, dass wir diesmal auch lebendige Bibeli zeigen können», sagt Bürgin. Im vergangenen Jahr war das nur kurz möglich, wegen verschärfter Vorschriften des Bundes aufgrund der Vogelgrippe.

Vom 27. Oktober bis 17. Februar 2019 zeigt das Naturmuseum die Sonderausstellung «Grimms Tierleben». Bürgin: «Wir schicken die Besucher in einen künstlichen Märchenwald, wo sie mit dem Zauberstab Infos abrufen können.»
 

Besucherrekord im ersten Jahr

Eintritte Seit das Naturmuseum vom Stadtpark ins Neudorf gezügelt ist, verzeichnet es mehr Publikum denn je. Im Jahr 2017 waren es 77000 Besucherinnen und Besucher, «ein Glanzresultat», sagte Museumsdirektor Toni Bürgin gestern vor den Medien. Seit der Eröffnung des Neubaus im November 2016 hätten schon 90000 Interessierte das Museum besucht. Das entspreche etwa dreimal mehr Besuchern als früher am alten Standort. Am «extremsten» war laut Bürgin das Eröffnungswochenende, als sich an zwei Tagen 9000 Menschen durchs Museum zwängten. Heute zähle man an Spitzentagen immerhin noch 700 bis 800 Personen. Im Jahr 2017 verzeichnete das Naturmuseum auch so viele Führungen wie noch nie. Rund 300 private Führungen fanden statt, zudem spazierten rund 200 Schulklassen durch die neuen Räume. Von den 77000 Besuchern des vergangen Jahres waren es laut Bürgin rund 12000 Schülerinnen und Schüler. Der Museumsdirektor zeigt sich einerseits erfreut über den Besucherrekord. Anderseits spricht er auch von «logistischen Herausforderungen» im Betrieb. Zudem sei die Abnutzung der Anlagen hoch, die Kosten für den Unterhalt seien gestiegen. (rbe)