Boris Tschirky braucht den Schulterschluss

KOMMENTAR ⋅ Ohne Schulterschluss von CVP, FDP und SVP ist Sonja Lüthi im zweiten Wahlgang so gut wie in den St.Galler Stadtrat gewählt, schreibt Daniel Wirth, Leiter Stadt.
24. September 2017, 16:16
Boris Tschirky ging als klarer Favorit in die Ersatzwahl in den St.Galler Stadtrat. Dass der christlichdemokratische Gemeindepräsident von Gaiserwald und Kantonsrat die Wahl um die Nachfolge des verstorbenen Nino Cozzio im ersten Wahlgang schaffen würde - davon durfte nicht ausgegangen werden. Tschirky verpasste das Absolute Mehr indes klar; es fehlten ihm mehr als 3000 Stimmen, und er konnte nur 1000 Stimmen mehr auf sich vereinen als Sonja Lüthi (GLP).

Sonja Lüthi machte ein gutes Resultat. Die Kantonsrätin der Grünliberalen kam ganz klar auf den zweiten Platz; sie liess Jürg Brunner von der SVP um 2711 Stimmen deutlich hinter sich. Dass Boris Tschirky und Sonja Lüthi im zweiten Wahlgang wieder antreten, scheint klar zu sein. Die alles entscheidende Frage lautet: Machen CVP, FDP und SVP einen Schulterschluss und stellen sich die drei Parteien geschlossen hinter Boris Tschirky? Sollten sie das nicht tun, sollte Jürg Brunner seine Kandidatur aufrecht erhalten, wäre Sonja Lüthi im zweiten Wahlgang so gut wie gewählt, und die CVP, die einst stärkste politische Kraft in der Stadt, ab 2018 nicht mehr im Stadtrat vertreten.

Selbst bei einem Zweikampf Boris Tschirky gegen Sonja Lüthi ist völlig offen, wer von beiden am 26. November im zweiten Wahlgang den Sprung in den Stadtrat schaffen wird. Die Stimmen, die Jürg Brunner im ersten Wahlgang holte, dürften zum CVP-Kandidaten Boris Tschirky wandern, diejenigen von Andri Bösch (Juso), dem ein Achtungserfolg gelang, und diejenigen von Ingrid Jacober (Grüne), die auf dem letzten Platz landete, dürften tendenziell an Sonja Lüthi gehen. Die Ausgangslage ist spannend.

Daniel Wirth

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